Russland: Moskauer Patriarchat bricht mit Patriarch von Alexandria

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Foto: © Mario Modesto Mata (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

9. Januar 2020 (NÖK) Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) hat die eucharistische Gemeinschaft mit Patriarch Theodoros II. von Alexandria und ganz Afrika abgebrochen. In Reaktion auf dessen Entscheidung, die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) anzuerkennen, erklärte der Hl. Synod am 26. Dezember, es sei der ROK „unmöglich“, Patriarchen Theodoros II. weiter zu kommemorieren oder gemeinsam mit ihm Gottesdienste zu feiern. Der Abbruch der Gemeinschaft gilt jedoch nicht für die Hierarchen der alexandrinischen Kirche, die Theodoros‘ Entscheidung, die OKU anzuerkennen, ablehnen.

In seinen Beschlüssen drückt der Hl. Synod seine „tiefe Trauer über die antikanonischen Handlungen“ – die Anerkennung der OKU – von Patriarch Theodoros aus und verweist darauf, dass diese seinen früheren Aussagen widersprächen. Noch Ende September 2018 habe er bei einem Besuch in der Ukraine der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), die dem Moskauer Patriarchat untersteht, seine Unterstützung zugesichert. Zudem sei die Entscheidung nicht vom Hl. Synod der Kirche von Alexandria, deren Sitzung im Oktober 2019 stattgefunden hatte, getroffen worden; daher sei sie nicht synodal, sondern vom Patriarchen im Alleingang beschlossen worden.

Der Hl. Synod beschloss außerdem, die Aktivität der alexandrinischen Vertretung beim Moskauer Patriarchat zu unterbinden. Die Vertretung des Moskauer Patriarchats in Kairo wird in eine einfache Kirchgemeinde umgewandelt. Zudem löst die ROK ihre Gemeinden in Afrika, die bisher dem Patriarchat von Alexandria unterstanden, aus diesem heraus und unterstellt sie direkt dem Moskauer Patriarchat.

Zudem drückte der Hl. Synod auch seine offizielle Zustimmung zur Initiative von Patriarch Theophilos III. von Jerusalem aus, die Oberhäupter der orthodoxen Lokalkirchen nach Amman einzuladen, um die Ukraine-Frage zu diskutieren. Theophilos hatte die Einladung bei einem Besuch in Moskau im November 2019 ausgesprochen; das Treffen soll im Februar 2020 stattfinden. Damit ist die ROK die zweite Kirche, die der Einladung folgen will. Die Orthodoxe Kirche von Tschechien und der Slowakei hatte bereits am 17. Dezember beschlossen, die Initiative des Patriarchen von Jerusalem zu unterstützen.

Im Internet ist inzwischen der Brief zu lesen, in dem Theophilos den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios zu dem Treffen einlädt. Darin drückt er seinen Respekt für die „Rolle, die Position und den Status“ sowie das „Privileg des Vorrangs“ des Ökumenischen Patriarchen aus. Er handle aus Besorgnis über die Krise der Orthodoxen Kirche und um zu verhindern, dass diese sich verschärfe. Der Erhalt der Einheit der Orthodoxie sei von „höchster Wichtigkeit“, deshalb lade er die orthodoxen Kirchenoberhäupter ein, um sich zu beraten. Patriarch Theophilos ließ auch dem Patriarchen von Antiochien durch den Metropoliten von Amman eine Einladung übermitteln. Bei dieser Gelegenheit habe Patriarch Youhanna die Position der Kirche von Antiochien bestätigt, die ebenfalls ein Treffen der orthodoxen Kirchenoberhäupter fordert. Die Patriarchate von Jerusalem und Antiochien befinden sich seit 2014 wegen der Frage nach der Zuständigkeit für die orthodoxen Gläubigen im Golfstaat Katar im Streit.

Gegen die Entscheidung des alexandrinischen Patriarchen Theodoros haben sich in einem offenen Brief auch 27 afrikanische orthodoxe Priester aus Kenia, Tansania, Uganda und Sambia ausgesprochen. Sie verwiesen darauf, dass die Entscheidung ohne Einbezug der afrikanischen Geistlichen und Laien getroffen worden sei, obwohl diese im Patriarchat von Alexandria die Mehrheit stellten. Sie beteuerten, den Patriarchen zu respektieren und den Bischöfen zu gehorchen, hielten es aber für ihr Recht, ihre Ablehnung für den Entscheid in der Ukraine-Frage auszudrücken, so wie dies auch zahlreiche griechische Priester und Bischöfe der Griechischen Orthodoxen Kirche getan hätten. Kurz darauf gab es Informationen, dass den Unterzeichnern des Briefs von ihren griechischen Hierarchen Strafen angedroht und sie aufgefordert worden seien, ein Statement zur Unterstützung der OKU zu unterzeichnen.