Russland: Patriarch Kirill ruft zu mehr Einfühlsamkeit gegenüber Jugendlichen auf

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Foto: © Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

07.09.2018 (NÖK) Der russische Patriarch Kirill hat sich dafür ausgesprochen, in der Pastoral stärker die verschiedenen Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen und entsprechend darauf einzugehen. Am internationalen orthodoxen Jugendforum, das am 23. August 2018 in Moskau stattfand, nahm er auch Stellung zu den Gründen, warum seiner Meinung nach junge Menschen die Kirche verlassen.

Während Kinder leicht zu beeinflussen und voller Vertrauen seien, dominiere bei Jugendlichen Skepsis. Auf diese Veränderungen gelte es einzugehen und anders zu argumentieren, denn allein über „Emotionen und Gehorsam erreicht man nichts mehr“, erklärte das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK). Oft änderten Erwachsene ihre Haltung gegenüber Jugendlichen nicht, was von diesen als Bevormundung empfunden werde. Dabei kritisierte der Patriarch nicht nur die Eltern, sondern auch die „Schwäche unseres Systems der Sonntagsschulen“. Er rief die Geistlichen, Sonntagsschulleiter und Lehrer auf, eine „Sprache zu suchen, finden und anzuwenden“, die „unsere Kinder überzeugt, ihre religiösen Gefühle zu bewahren“ sowie „der Kirche ergeben“ zu bleiben.

Mit diesen Äußerungen beantwortete Patriarch Kirill im Rahmen einer Fragestunde Fragen von Jugendlichen am Jugendforum. Unter den Fragen waren persönliche wie nach der Lieblingslektüre des Patriarchen, aber auch viele, die aktuelle Debatten und Probleme betrafen. So wurde Kirill nach seiner Haltung zur Bioethik gefragt, worauf er auf das betreffende Kapitel der „Grundlagen der sozialen Konzeption“ der ROK verwies. Zulässig und wünschenswert sei der technologische Fortschritt, solange er der Heilung des Menschen diene, aber eine „Vervollkommnung“ des Menschen und ein Eingriff in seine Natur seien strikt abzulehnen. Jungen Frauen riet er, die Heirat nicht hinauszuzögern, wenn sie den richtigen Partner gefunden hätten. Paare sollten nicht auf „gute Zeiten“ warten, sondern sich gemeinsam Schwierigkeiten stellen. Wenn aber einer Frau die Liebe nicht begegne, solle sie sich keine Gedanken um ihr Alter machen, sondern ihren gottgegebenen Weg gehen.

Die weltliche Kultur befürwortete Kirill als Mittel, christliche Werte zu transportieren. Manche Regisseure und Schriftsteller würden eine „weltliche Sprache benutzen“, aber „sehr begabt die christliche Idee in Kategorien, die dem Publikum verständlich sind, vermitteln.“ Daher dürfe man die „Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst“ nicht ignorieren. Auch das Internet sollten Gläubige nutzen, empfahl der Patriarch. Er ermutigte die jungen Orthodoxen, sich im Netz an Diskussionen, auch an hitzigen, zu beteiligen und das Internet nicht „den Menschen und den Kräften“ zu überlassen, die sich „gegen den Glauben, gegen die Orthodoxie und gegen unsere geistige Identität“ stellten. Schließlich sei man im eigenen, orthodoxen Land, es gelte also die eigenen Überzeugungen zu vertreten.