Russland: Religionsführer beraten über Karabach-Konflikt

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Foto: © Yakovlev Sergey (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

21. Oktober 2021 (NÖK) Die religiösen Oberhäupter Armeniens und Aserbaidschans haben sich auf Einladung von Patriarch Kirill in Moskau getroffen. Bei dem Treffen am 13. Oktober 2021 im Danilov-Kloster tauschten sich der Katholikos-Patriarch der Armenischen Apostolischen Kirche, Karekin II., und Großmufti und Scheich-ul-Islam des Kaukasus, Allahschukur Paschazade, über die aktuellen Probleme zwischen Armenien und Aserbaidschan aus. Alle drei Religionsführer betonten das „einzigartige friedensstiftende Potenzial“ ihres Glaubens, gerade dieser könne zum Heilen der Wunden aus dem langjährigen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan beitragen. Patriarch Kirill wies auf die Verantwortung der Religionsführer hin, sich für eine gutnachbarschaftliche Atmosphäre zwischen den Religionen und Völkern einzusetzen.

Die jüngste Begegnung der seit über 30 Jahren stattfindenden trilateralen Gespräche fand ein Jahr nach Ausbruch des jüngsten Kriegs um Berg-Karabach im Herbst 2020 statt und war der Konfliktlösung gewidmet. Das letzte Treffen hatte 2017 ebenfalls in Moskau stattgefunden.

Für das armenische und das aserbaidschanische Volk gebe es keine Alternative zum Zusammenleben betonte Patriarch Kirill in seiner Abschlusserklärung, der Kaukasus habe sich immer durch eine „Vielfalt an Völkern, Sprachen und Kulturen“ ausgezeichnet. Besonders wichtig sei es aktuell, das Vertrauen wiederherzustellen und „wieder zu lernen, den Nachbarn mit Respekt und der Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe anzunehmen“. Bedingung für ein solches Verhältnis sei die „Achtung religiöser Heiligtümer, historischer Denkmäler und Friedhöfe, Respekt vor den religiösen Gefühlen von Menschen mit einem anderen Glauben und die sorgfältige Bewahrung der Erinnerung an die Verstorbenen“. Er rief dazu auf, das Schicksal der Vermissten zu klären und Kriegsgefangene freizulassen. Die Jugend forderte er auf, sich nicht vom „Geist der Aggression und Radikalität“ verleiten zu lassen, sondern den Frieden zu suchen.

Bereits am 12. Oktober hatten sich Patriarch Kirill und Katholikos-Patriarch Karekin zu einem Gespräch getroffen und die jahrhundertelangen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Armenien betont. Kirill wies dabei auf die besondere Verantwortung der Kirchen, die eng mit der Bevölkerungsmehrheit verbunden sind, für deren Wohlergehen hin. Karekin zeigte sich zuversichtlich, mit der Hilfe Gottes und befreundeter Staaten, allen voran Russland, werde Armenien die Herausforderungen der aktuell schwierigen Situation meistern. Er erhielt von Kirill den Orden „Ruhm und Ehre“ der Russischen Orthodoxen Kirche für seinen Beitrag zur Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Armenischen Apostolischen Kirche und dem Moskauer Patriarchat und anlässlich seines 70. Geburtstags.

Karekin kritisierte am Treffen den Krieg in Berg-Karabach 2020 scharf, dieser habe „faktisch nicht zur Lösung der Probleme geführt, sondern neue Tragödien hervorgebracht und neue Probleme hervorgerufen“. Auf kriegerischem Weg sei kein Frieden zu erreichen, Krieg sei keine Methode zur Problemlösung. Armenien hoffe, dass „die Regierung Aserbaidschans von ihren expansionistischen Anschlägen ablässt, die zu einem neuen, weitreichenderen Krieg in der Region führen könnten“. Von Allahschukur Paschazade erhoffte er sich, dass dessen Vermittlung bei den aserbaidschanischen Behörden zur „Lösung humanitärer Fragen, drängender spiritueller und religiöser Probleme“ sowie Frieden zwischen den Völkern beitrage.

Am 12. Oktober traf Patriarch Kirill auch mit Großmufti Allahschukur Paschazade zusammen, gegenüber dem er die guten Beziehungen lobte. Die Treffen fänden „immer in einer guten, brüderlichen, vertrauensvollen Atmosphäre“ statt. Das Vertrauensverhältnis erlaube die Diskussion sehr schwieriger Fragen, die aber nie zu einer Spaltung oder Spannungen geführt habe. Als besonders schwierig erachtete Kirill den „politischen Faktor“ im kriegerischen Konflikt, der nicht nur die religiösen Oberhäupter beschäftige.