Scharfe Absage des Ökumenischen Patriarchen an Theophilos III.

Der Ökumenische Patriarch bezeichnet die Initiative des Patriarchen von Jerusalem zur Einladung einer Versammlung der Oberhäupter der orthodoxen Kirchen als „unkanonisch“, „unverständlich“ und „beispiellos in der Kirchengeschichte“

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Foto: © Michał Józefaciuk (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Poland)

Konstantinopel-Jerusalem, 10.01.20 (poi) Die scharfe negative Antwort des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. auf die Einladung des Jerusalemer Patriarchen Theophilos III. zu einer Versammlung der Oberhäupter der autokephalen orthodoxen Kirchen in Amman vor Beginn der Fastenzeit ist am Donnerstag bekannt geworden. Der Brief des Ökumenischen Patriarchen ist vom 26. Dezember des Vorjahrs datiert, er erteilt den Bestrebungen des Jerusalemer Patriarchen, einer Lösung des innerorthodoxen Streits wegen der Ukraine-Krise zu dienen, eine schroffe Absage. Bartholomaios I. erinnerte den Jerusalemer Patriarchen daran, wer den Vorsitz über die Oberhäupter der orthodoxen Kirchen hat und wem das Recht zur Einberufung einer panorthodoxen Versammlung („synaxis“) zukommt, nämlich ausschließlich dem Ökumenischen Patriarchen und Erzbischof von Konstantinopel. Wörtlich heißt es im Brief des Ökumenischen Patriarchen: „Es ist nicht notwendig, an die Position des Patriarchats von Jerusalem auf den Ehrenlisten (Diptychen) der orthodoxen Kirche zu erinnern“ (Jerusalem kommt dort erst hinter Konstantinopel, Alexandrien und Antiochien vor, Red.). In der kanonischen Ordnung, die „immer und bis vor kurzem von allen orthodoxen Kirchen respektiert wurde“, seien die panorthodoxen Synoden der Oberhäupter der orthodoxen Kirchen immer vom Ökumenischen Patriarchen einberufen worden, er habe auch diese Synoden geleitet. Bartholomaios I. an Theophilos III.: „Welcher Art von Einheit soll Eure Initiative dienen, wenn das erste und ranghöchste orthodoxe Oberhaupt bei der von Euch vorgeschlagenen Synode abwesend ist?“ Zudem stellte Bartholomaios I. die Frage, wie eine Synode vor sich gehen solle, wenn man sie nicht im Rahmen der Göttlichen Liturgie feiern könne, weil die eucharistische Gemeinschaft zwischen einigen aufgekündigt sei.

Die eucharistische Gemeinschaft der orthodoxen Kirchen sei nicht unterbrochen worden, „außer durch die Kirche von Moskau“, stellte Bartholomaios I. in seinem Absagebrief an den Jerusalemer Patriarchen fest. Auf diesem Hintergrund forderte der Ökumenische Patriarch Theophilos III. zur „Rücknahme“ seiner „unkanonischen Initiative“ auf, die „ausländischen Zwecken“ diene und die Position des Ökumenischen Patriarchats unterminiere. Die Initiative des Patriarchen von Jerusalem zur Einberufung einer panorthodoxen Synode sei „unverständlich“ und „beispiellos in der Kirchengeschichte“.

Eingangs bekundete der Ökumenische Patriarch sein Befremden darüber, dass ihm Theophilos III. auf Englisch und nicht auf Griechisch geschrieben hatte: „Die Tatsache, dass der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem – zum ersten Mal in der jahrhundertelangen Geschichte der beiden Patriarchate – mit dem Ökumenischen Patriarchen in einer fremden Sprache und nicht in unserer Muttersprache korrespondiert, als würde er sich nicht mehr blutsverwandt und zur selben historischen und leidenden Nation gehörend fühlen, hat mich unangenehm überrascht. Was hat Eure Seligkeit veranlasst, uns dieses nicht ehrenvolle Rundschreiben auf Englisch zu senden statt dem jahrhundertealten Brauch der Korrespondenz zwischen unseren Kirchen zu folgen?“