Schreckensnachrichten aus Äthiopien

Wurde die Mariam Zion-Kirche in Aksum attackiert? – Zahlreiche Menschen, die in der Kirche Zuflucht gesucht hatten, sollen ins Freie getrieben und dort niedergeschossen worden sein – Eindringlicher Friedensappell des äthiopisch-kattholischen Kardinals Berhaneyesus Demerew Souraphiel

0
212
Foto: ©JensiS65 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Addis Abeba, 12.01.21 (poi) Dramatische Wendung in den nach wie vor andauernden Auseinandersetzungen zwischen der äthiopischen Bundesarmee (ENDF) und den Einheiten der „Tigran Peoples Liberation Front“ (TPLF): Nach noch nicht hundertprozentig bestätigten Berichten wurde eines der wichtigsten orthodoxen Heiligtümer – die auf das 4. Jahrhundert zurückgehende Mariam Zion-Kirche in Aksum – attackiert. In einer Kapelle der Kirche wird nach äthiopischer Tradition die „Bundeslade“ mit den Zehn Geboten verehrt. Den Berichten zufolge sollen zahlreiche Menschen, die in der Mariam Zion-Kirche Zuflucht gesucht hatten, ins Freie getrieben und dort niedergeschossen worden sein.

Der äthiopisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, hat in seiner Weihnachtsbotschaft (das Fest wurde in Äthiopien entsprechend dem Julianischen Kalender am 6./7. Jänner gefeiert) dringend gefordert, dass die Regierung „das Recht der Menschen auf Leben, die Achtung der Verfassung und die Gewährleistung des Friedens garantiert“. Wörtlich stellte der Kardinal fest: „Was in unserem Land immer wieder geschieht, die Schreie und das Leiden vieler, die Vertreibung, der Tod von Menschen, die nach dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen wurden, müssen ein Ende haben“. Der jüngste Krieg im Tigray hat neben einer großen Anzahl von Toten auch die Vertreibung von mindestens 950.000 Binnenflüchtlingen verursacht. Weitere 60.000 Äthiopier seien in den benachbarten Sudan geflohen.
„Wir müssen als Brüder und Schwestern zusammenleben, unabhängig von der ethnischen Vielfalt, der Vielfalt der Hautfarbe, des Geschlechts und des Alters, und uns als eine Familie gegenseitig unterstützen und helfen und vereint bleiben“, betonte Kardinal Souraphiel, der zur Solidarität mit Flüchtlingen und Vertriebenen aufrief: „Wir sollten in besonderer Weise die Brüder und Schwestern unterstützen, die heute Vertriebene und Flüchtlinge sind. Durch die Liebe unseres Herrn ermutige ich alle, die Zeit im Zeichen von Werken der Nächstenliebe zu verbringen“.