Schussattentat auf orthodoxen Priester in Frankreich

Islamistischer Hintergrund der Bluttat wird vermutet

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 1.0 Generic)

Paris, 31.10.20 (poi) In Frankreich herrscht die Befürchtung, dass das Schusswaffenattentat auf den griechisch-orthodoxen Priester Nicolas Kakavelakis in Lyon einen islamistischen Hintergrund hat. Der Überfall auf den 45-jährigen Erzpriester (der Vater dreier Kinder ist) ereignete sich am Samstag gegen 16 Uhr vor der orthodoxen Kirche an der rue Pere Chevrier  in Lyon. Der Erzpriester war gerade dabei, die Türen des Gotteshauses abzuschließen. Nicolas Kakavelakis wurde lebensgefährlich verletzt. Der Täter ergriff die Flucht, am Samstagabend war die Suche nach ihm noch im vollen Gang. Der französische Ministerpräsident Jean Castex sagte  am Samstagabend vor dem Denkmal für Pfarrer Jacques  Hamel in Saint-Etienne-du-Rouvray, der 2016 von zwei jugendlichen Djihadisten kabylischer Herkunft ermordet worden war, es gebe noch keine genauen Erkenntnisse über das Geschehen in Lyon. Er könne aber den Bürgerinnen und Bürgern versichern, dass die Regierung der französischen Republik entschlossen sei, allen die „Ausübung der religiösen Pflichten in Sicherheit und Freiheit zu ermöglichen“.

Der Überfall in Lyon ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als in Frankreich die Sicherheitsmaßnahmen nach dem Mordanschlag auf einen Lehrer unweit von Paris und weiteren islamistischen Terrorakten bis zum Blutbad in der Basilika „Notre Dame-de-l’Assumption“  in Nizza drastisch verstärkt worden waren.

 

Französische Sicherheitsbehörden werteten den Überfall zunächst offiziell noch nicht als Terrorakt

Paris, 01.11.20 (poi) Der orthodoxe Erzbischof von Athen, Hieronymos (Liapis), hat in scharfen Worten das Schussattentat auf den orthodoxen Priester Nicolas Kakavelakis in Lyon verurteilt. Wörtlich stellte er in einem Statement  für die greichische Nachrichtenagentur ANA-MPA fest: „Dieser Horror entbehrt jeder Logik: Eine ‚religiöse‘ Überzeugung, die Waffen in die Hände von Terroristen legt, die blind vor Hass sind. Extrem intolerante und fanatische Leute, Fundamentalisten der Gewalt und des Todes, benutzen Religion als Geschoß, das auf das Herz der Freiheit zielt, vor allem der religiösen Freiheit der ‚Anderen‘, als Waffe, die die Menschenrechte vernichtet“. Erzbischof Hieronymos trat am Sonntag mit dem Pariser Metropoliten Emmanuel (Adamakis) in Kontakt, um sich über die Entwicklung zu informieren. Nicolas Kavalakis, der durch zwei Schüsse in den Bauch schwer verletzt wurde, befindet sich im Krankenhaus. Gerüchte, dass er in der Nacht zum Sonntag seinen Verletzungen erlegen sei, wurden am Sonntag nicht bestätigt.

In einer Stellungnahme der französischen orthodoxen Bischofskonferenz vom Samstagabend hieß es, dass man noch zu wenig über die Hintergründe des Schussattentats wisse. Die Bischofskonferenz vertraue den Erhebungen der Sicherheits- und Justizbehörden. Wörtlich würde hinzugefügt: „Die Bischöfe verurteilen die Gewaltakte, die das Leben bedrohen und ein allgemeines Klima der Unsicherheit erzeugen“.

Der Überfall auf den orthodoxen Priester in Lyon – jüngstes Beispiel einer Kette von islamistischen Angriffen in Frankreich – löste zahlreichte Reaktionen im In- und Ausland aus. So twitterte der koptisch-orthodoxe Erzbischof Angelos von London, er sei tief betroffen durch die traurige Nachricht über das Attentat auf den orthodoxen Priester in Lyon: „Mitgefühl und Gebet gelten unseren Schwestern und Brüdern in der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft in Britannien und Frankreich“.

Das Attentat auf Nicolas Kakavelakis ereignete sich am Samstag um 16 Uhr, als der Priester gerade dabei war, seine Kirche in einem ruhigen Wohnviertel von Lyon abzuschließen. Bei der Tatwaffe habe es sich offensichtlich um eine abgesägte Schrotflinte gehandelt, teilte die Polizei mit.  Im Zug der Großfahndung wurde am Samstagabend um 19 Uhr an einem Kebab-Stand ein Mann festgenommen, auf den die Personenbeschreibung passen könnte, die der Priester abgegeben hatte (er war nach dem Attentat noch bei Bewusstsein).  Aus Furcht vor weiteren Attentaten wurden Teile von Lyon von der Polizei abgesperrt.  Die französischen Sicherheitsbehörden werteten den Überfall auf den Priester zunächst offiziell noch nicht als Terrorakt. Französische Zeitungen berichteten, es gebe auch Ermittlungen im Hinblick auf innere Konflikte in der orthodoxen Gemeinde von Lyon.