Seit 100 Jahren diplomatische Beziehungen zwischen Vatikan und Bukarest

Erinnerung an den aus Österreich stammenden Bischof von Iasi, Anton Durcovici

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Vatikanstadt-Bukarest, 07.06.20 (poi) Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Rumänien bestehen seit 100 Jahren. Der rumänische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Liviu Zapirtan, hat jetzt die Entwicklung der Beziehungen zwischen einem orthodox geprägten Land und dem Zentrum der katholischen Kirche beschrieben. Nach der Unterbrechung in der kommunistischen Zeit seien diese Beziehungen in einem neuen Europa, „geprägt von einer Perspektive der Normalität, des Friedens und des Miteinanders“, wiederaufgenommen worden.

Nach dem „Großen Krieg“ (wie der Erste Weltkrieg bis heute in allen lateinisch geprägten Ländern als Abwehrkampf gegen mitteleuropäische Vorherrschaftsbestrebungen eingeordnet wird) war der Heilige Stuhl im Sinn des im 19: Jahrhundert herrschenden Liberalismus ab 1918 von allen Friedensverhandlungen, aber auch von den Gesprächen zur Gründung des „Völkerbunds“ ausgeschlossen worden. Trotzdem hätten aber Länder wie Rumänien – so Botschafter Zapirtan – mit dem Vatikan Probleme regeln müssen, die sich aus der Präsenz großer römisch-katholischer oder griechisch-katholischer („unierter“) Gemeinschaften nach den neuen Grenzziehungen ergaben.

In „Großrumänien“ hätten sich besondere Probleme ergeben, weil mit der Ausdehnung der Autorität Bukarests auf früher österreichisch oder ungarisch dominierte Gebiete (Banat, Transsilvanien, Bukowina) auch die griechisch-katholische („unierte“) Kirche ins Spiel gekommen sei, die von der orthodoxen Kirche, die sich als „Säule der nationalen Identität“ verstanden habe, als Bedrohung empfunden worden sei. Botschafter Zapirtan erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass man aber nicht den „ungeheuren Beitrag“ der „unierten“ Kirche für den rumänischen Nationalgedanken, auch für die Strukturierung der rumänischen Sprache, vergessen dürfe. Die offizielle Geschichte der Beziehungen zwischen Rumänien und dem Heiligen Stuhl begann am 1. Juni 1920 mit der Ernennung des ersten Botschafters durch König Ferdinand. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen einem offiziell orthodoxen Land und dem Heiligen Stuhl löste damals beträchtliches Aufsehen aus. Ende der 1920er-Jahre kam es zum Abschluss eines Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Rumänien.

Ab 1946 war bis zu seiner Ausweisung am 5. Juli 1950 der US-amerikanische Bischof Gerald O’Hara Leiter der Apostolischen Nuntiatur in Bukarest. Angesichts der Drohungen des kommunistischen Regimes weihte O’Hara insgesamt zehn Bischöfe, um den Weiterbestand der katholischen Kirche in Rumänien zu sichern. Die rumänischen Kommunisten hatten nach ihrer Machtergreifung 1948 die Zerschlagung der katholischen Kirche beider Riten (des lateinischen wie des byzantinischen Ritus) zum Programm gemacht. Der erste der von O’Hara geweihten Bischöfe war am 5. April 1948 Anton Durcovici (1888-1951). Der aus Österreich stammende Durcovici wurde als lateinischer Bischof für Iasi geweiht, am 14. April 1948 konnte er noch offiziell in seinen Dom einziehen, aber schon am 26. Juni 1949 wurde er verhaftet. Er starb im Gefängnis. Im Jahr 2014 wurde der Märtyrer-Bischof selig gesprochen.