Serbien: Hl. Synod kritisiert Äußerungen von Bischof Grigorije als „politisch“

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Foto: © Taurus65 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

28. Januar 2021 (NÖK) Der Hl. Synod der Serbischen Orthodoxen Kirche hat Äußerungen von Bischof Grigorije (Durić) von Düsseldorf und ganz Deutschland kritisiert. Diese hätten die Gläubigen verwirrt und seien „ausschließlich politisch, sogar parteiisch“ und hätten nichts mit dem Glauben zu tun. Die Kirche grenze sich entschieden von ihnen ab, es handle sich um die „ausschließlich persönliche Haltung und Engagement einer Einzelperson“, nicht in ihrer Eigenschaft eines Vertreters der SOK. Die Erklärung des Hl. Synods erschien, nachdem Bischof Grigorije bereits von Politikern der Regierungspartei und staatsnahen Medien scharf angegriffen worden war.

Zuvor hatte sich Bischof Grigorije in der Weihnachtsausgabe der Sendung „Pregled dana“ des Senders Newsmax Adria von der Vorstellung eines „Retters“ distanziert, den laut der Moderatorin viele Gläubige, aber auch Wähler der Opposition in ihm sehen. Kein Mensch könne ein Retter sein, fand er. Wenn er etwas für sein Volk tun könne und das von ihm erwartet werde, wolle er „30, wenn möglich auch 300“ Menschen „zwischen 30 und 60 Jahren“ versammeln. Das sollten „gebildete, anständige, kluge und mutige“ Menschen sein, die bereit seien, „sich für Serbien zu opfern“. Diese sollten in erster Linie ein Rechtssystem schaffen, denn er wolle nicht, dass alles von einer einzelnen Person abhänge. Von der Behauptung der Boulevardmedien, die Opposition habe ihm angeboten, Patriarch oder Präsident zu werden, distanzierte sich Grigorije ebenfalls.

Während der Hl. Synod diese Aussagen Grigorijes als „politisch“ zurückwies, hatte er offenbar keine Probleme mit Äußerungen von Bischof Sergije (Karanović) von Bihać und Petrovac. Dieser hatte den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić Mitte Dezember mit Christus verglichen. Auf der Website seiner Eparchie hatte er Vučić für die Hilfe für seine in Bosnien-Herzegowina gelegene Eparchie gerühmt und ihn vor Vorwürfen in Schutz genommen. Solange Vučić „gekreuzigt“ werde, gehe es den Serben seiner Eparchie gut. Würden Vučićs Kritiker schweigen, ginge es ihnen nicht gut und sie würden aus der Region verschwinden. Vučićs „Kreuzigung ist unsere Auferstehung“, schloss Sergije sein Statement.

Bischof Grigorijes Idee hat aber auch positive Reaktionen ausgelöst. So berichtete das Portal Otvoreno, es hätten sich innerhalb von zwei Tagen Dutzende junge Menschen aus Serbien, dem bosnischen Staatsteil Republika Srpska und aus der Diaspora mit der Frage gemeldet, wie sie sich Grigorijes Initiative anschließen könnten.

Kritisch äußerte sich Grigorije auch zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie in Serbien. So hätten einige Theologen und kirchliche Würdenträger absichtlich die Appelle des Gesundheitswesens, sich an die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit zu halten, in den Wind geschlagen. Dabei hätten sie „Mut vorgespielt und sich auf den Glauben berufen“ und von den Sterbenden wie von „vernachlässigbaren Ziffern“ gesprochen. Allerdings gab er zu bedenken, dass „solche unverantwortlichen Haltungen und Handlungen manchmal das Resultat von Nichtwissen oder einer unbewussten Angst“ seien und deshalb „verziehen werden können und sollten“.

In dieser Hinsicht war auch weitere Selbstkritik aus der SOK zu hören. In einem Interview gab Metropolit Hrizostom (Jević) von Dabar-Bosnien, der als locum tenens den Patriarchenthron bis zur Wahl eines neuen Patriarchen im Februar verwaltet, Fehler im Umgang mit der Pandemie zu. Die SOK habe das Virus „unterschätzt“, an dem Patriarch Irinej, Metropolit Amfilohije (Radović) von Montenegro und Bischof Milutin (Knežević) von Valjevo sowie zahlreiche Geistliche gestorben sind. Dies sei „vielleicht“ auf die „Missachtung der Vorschriften der Gesundheitsdienste“ zurückzuführen. Während in Europa und Kanada nur einige wenige Gläubige in den Kirchen erlaubt gewesen seien, hätten sich in Serbien Dutzende und Hunderte Menschen in Kirchen aufgehalten, das „ist unsere Mentalität“, gab Hrizostom zu bedenken. Seine eigene Erkrankung hält er nicht für verwunderlich, da er an der Beerdigung des Patriarchen im „Brennpunkt des Virus“ gewesen sei. Er befürwortete zudem ausdrücklich die Impfung gegen das Coronavirus.