Serbien: Kirche ersucht um Aufhebung des Ausgehverbots am orthodoxen Ostersonntag

Der Heilige Synod der serbisch-orthodoxen Kirche hatte aber bereits am 28. März betont, dass die Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung der Corona-Epidemie präzise durchgeführt werden müssen – Solidarität mit dem montenegrinischen Metropoliten Amfilohije, der am orthodoxen Palmsonntag wegen angeblicher Verletzung der Corona-Vorschriften von der Polizei angehalten worden war

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Foto: © Sailko (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Belgrad, 14.04.20 (poi) Der Heilige Synod der serbisch-orthodoxen Kirche hat die serbische Regierung am Montag ersucht, das wegen der Corona-Pandemie verhängte Ausgehverbot am orthodoxen Ostersonntag (19. April) für die Zeit von 5 bis 10 Uhr aufzuheben. Dann könnten orthodoxe Christen, die sich nicht in Quarantäne befinden, an den Morgenandachten und der Göttlichen Liturgie am höchsten Fest der orthodoxen Kirche teilnehmen, stellten die Mitglieder des Heiligen Synods fest. Zugleich brachten die Bischöfe ihre Solidarität mit dem montenegrinischen Metropoliten Amfilohije (Radovic) zum Ausdruck, der am orthodoxen Palmsonntag wegen angeblicher Verletzung der Vorschriften gegen die Ausbreitung der Corona-Epidemie von der örtlichen Polizei angehalten und im Polizeipräsidium in Podgorica stundenlang verhört worden ist. Das Verhalten der montenegrinischen Polizei gegenüber dem Metropoliten sei zu verurteilen.

Bei seiner letzten Versammlung am 28. März hatte der Heilige Synod der serbisch-orthodoxen Kirche ausdrücklich festgestellt, dass die Kirche die Maßnahmen der serbischen Regierung gegen die Ausbreitung der Corona-Epidemie – insbesondere die Vorgabe, dass die Feier der Liturgie sowohl in Gotteshäusern als auch im Freien ohne Anwesenheit von Laienchristen stattfinden muss – präzise durchführen werde. Die serbische Kirche habe das auch in den Ländern der Diaspora getan, wo die einschränkenden Maßnahmen teilweise bereits früher angeordnet worden seien. Keinesfalls könne die orthodoxe Kirche aber die Feier der Liturgie überhaupt einstellen, weil es hier um die Basis des Glaubens an Gott gehe. Je nach den örtlichen Umständen müsse an der liturgischen Feier mindestens ein Priester, ein Diakon, ein Kantor und ein Altardiener beteiligt sein.

Zugleich appellierte der Heilige Synod an die Gläubigen „über 65 oder solche mit schwacher Gesundheit und niedriger Immunität“, in nächster Zeit vom Kirchenbesuch abzusehen, um nicht sich selbst oder andere in Gefahr zu bringen. Die Gefahr des Virus bestehe in seiner Verbreitung, nach Angaben von Experten werde der April in Serbien und den Nachbarländern eine besonders kritische Phase sein; verstärkte Isolierung sei der einzige Weg, um tragische Erfahrungen wie in Italien oder einigen anderen Ländern zu vermeiden. Die Gläubigen sollten die Göttlichen Liturgie über Fernsehen oder Online mitfeiern und mit dem zuständigen Pfarrer den Kommunionempfang zu Hause vereinbaren, empfahlen die Bischöfe.

Taufen und andere Feiern sollten verschoben werden, bis wieder „eine normale Situation eintritt“. Bei Begräbnissen sollten möglichst wenige Gläubige teilnehmen. Eindringlich erinnerten die Mitglieder des Heiligen Synods daran, dass der Kirchenbesuch nicht als Vorwand zur Rechtfertigung der Verletzung der Isolierungsmaßnahmen missbraucht werden darf. Priester, Mönche, Nonnen und Laienchristen seien im Gewissen verpflichtet, die Vorschriften des Staates im Hinblick auf die Corona-Krise und die Maßnahmen des Heiligen Synods zu Regelung des kirchlichen Lebens zu respektieren.