Serbien/Montenegro: Joanikije (Mićović) neuer Metropolit von Montenegro

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Foto: © Saint-Petersburg Theological Academy (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

3. Juni 2021 (NÖK) Die Bischofsversammlung der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) hat eine Reihe neuer Bischöfe ernannt, dabei wurde Bischof Joanikije (Mićović) zum neuen Metropoliten für Montenegro und die Küstenländer bestimmt. Seit dem Tod von Metropolit Amfilohije (Radović) am 30. Oktober 2020 hatte der bisherige Bischof von Budimlje und Nikšić bereits die Metropolie verwaltet. In Nikšić folgt ihm Amfilohijes Vikarbischof Metodije (Ostojić) nach.

In ihrem Abschlussstatement verwiesen die Bischöfe auf die „Herausforderungen, vor denen unsere Kirche und unser Volk in Montenegro stehen“. Auch die neue Regierung des Landes vermeide es, das bereits vereinbarte grundlegende Abkommen zwischen dem Staat und der SOK zu unterzeichnen. Damit werde die SOK im Vergleich zu den anderen in Montenegro aktiven Religionsgemeinschaften „diskriminiert“. Tatsächlich schien das Abkommen bereit zur Unterzeichnung zu sein, Patriarch Porfirije hatte verkündet, mit dem neuen montenegrinischen Ministerpräsidenten Zdravko Krivokapić sei eine Einigung erzielt worden. Allerdings stand noch kein Datum fest.

Während der Sitzung der Bischofsversammlung vom 24. bis 29. Mai reiste Krivokapić nach Belgrad, um das Abkommen zu unterzeichnen, wozu es aber nicht kam. In der Mitteilung der SOK heißt es, noch am Vormittag des 27. Mai hätten sich Vertreter der SOK und der Regierung vollständig auf den Text des Abkommens geeinigt, worauf montenegrinische Regierungsvertreter bekräftigt hätten, der Ministerpräsident werde nachmittags zur Unterzeichnung anreisen. Nach mehrstündiger Verspätung angekommen, habe Krivokapić jedoch „neue und bisher unausgesprochene Gründe“ vorgebracht, aufgrund derer die Unterzeichnung verschoben werden müsse.

Patriarch Porfirije habe die Begründung „mit Aufmerksamkeit, großer Geduld, aber noch größerer Überraschung“ angehört, wobei er die Verschiebungsabsicht in keiner Weise als begründet oder gerechtfertigt auffasste, zumal Krivokapić zu keinem anderen Zweck nach Belgrad gekommen sei. Der Patriarch und die anwesenden Bischöfe hätten ihr „großes Bedauern und Sorge“ über die weitere Situation der SOK und ihrer Gläubigen in Montenegro geäußert, da einzig mit ihr kein Abkommen bestehe, was eine „offene Diskriminierung“ sei, heißt es im Statement weiter.

Ministerpräsident Krivokapić ließ nach dem Treffen über Twitter verlauten, er sei nach Belgrad gereist, um dem Patriarchen die Grüße der Gläubigen aus Montenegro zu überbringen und deren Wunsch, dass Bischof Joanikije der nächste Metropolit von Montenegro werde. Zudem habe er vorgeschlagen, das Abkommen am 30. Oktober, dem Todestag Metropolit Amfilohijes, in Cetinje zu unterschreiben. Am nächsten Tag erklärte der Ministerpräsident in einem Statement, am Treffen sei vereinbart worden, einen Termin für die Unterzeichnung zu finden. Außerdem drückte er seine Freude über die Wahl Joanikijes zum neuen Metropoliten aus. Er glaube, dieser werde das Volk wie sein Vorgänger führen.

Bischof Joanikije kritisierte Krivokapićs Vorgehen scharf. Er habe vom Ministerpräsidenten verlangt, „sein Versprechen zu erfüllen und das Abkommen mit der SOK zu unterzeichnen, und sich nicht in die Wahl des montenegrinischen Metropoliten einzumischen, was in der ausschließlichen Zuständigkeit der Bischofsversammlung liegt“. Auch der Datumsvorschlag sei „absurd“, er sei ein „politisches Manöver“ und könne nicht als „wohlmeinende Geste“ gelten, um die langanhaltenden Spannungen zwischen Kirche und Staat in Montenegro zu lösen, was eine Priorität von Krivokapićs Regierung sei.

Joanikije, der bei den Gläubigen in Montenegro sehr beliebt ist, hatte mit dem verstorbenen Metropoliten Amfilohije gegen ein von der Vorgängerregierung geplantes montenegrinische Religionsgesetz gekämpft. Die SOK, der eine Mehrheit der orthodoxen Gläubigen in Montenegro angehört, hatte befürchtet, dieses würde die Enteignung von Immobilien und anderem Besitz ermöglichen. Aus Protest hatte die SOK Massenprozessionen organisiert, was Joanikije im Mai 2020 drei Tage in Haft einbrachte, da er gegen Corona-Maßnahmen verstoßen haben soll. Angeblich wurde Joanikije nicht per Abstimmung gewählt, sondern auf Vorschlag von Patriarch Porfirije per Akklamation bestimmt.