Serbien: Patriarch Irinej gedachte der Opfer der NATO-Angriffe vor 20 Jahren

„Die Christen überlassen es Gott und seiner Gerechtigkeit, die NATO-Verantwortlichen zu beurteilen“

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Foto: © Micki (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Belgrad, 25.03.19 (poi) Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej hat in der Heiligengeist-Kathedrale in Nis (dem Geburtsort von Konstantin dem Großen) am 24. März die Göttliche Liturgie und anschließend die „Panichida“ (Gedenken) für die Opfer der NATO-Aggression im Jahr 1999 gefeiert. Die NATO hatte – ohne UNO-Beschluss – am 24. März 1999 mit den Angriffen auf Jugoslawien begonnen, vorgeblich um die Kosovo-Albaner zu schützen. Bei den Luftangriffen wurden mehr als 1.000 Zivilpersonen getötet. In der Heiligengeist-Kathedrale war der Bischof von Nis, Arsenije (Glavcic), Konzelebrant des Patriarchen. Unter den Gläubigen war auch Generalleutnant Miloslav Simovic, der Oberkommandierende der serbischen Armee, anwesend.

Beim staatlichen Gedenkakt hatte Patriarch Irinej die Teilnehmenden an den schrecklichen Ton der Alarmsirenen während der Angriffe erinnert: „Wir hören sie immer noch in unseren Träumen, in unser Erinnerung. Es waren die 78 traurigsten Tage unserer Geschichte…Es waren die Töne der Hölle“. Ein solches Geschehen dürfe sich nirgends und niemals wiederholen. Besonders tragisch sei gewesen, dass jene, „die Serbien bombardierten, unsere früheren Alliierten und Freunde waren, Briten, Franzosen, Italiener usw., die ihre Verbundenheit in Feindschaft gegen das serbische Volk verwandelt“ hätten.

Die NATO-Angriffe hätten die Fabriken, die Straßen, die Eisenbahnen Serbiens zerstört, nicht einmal die Krankenhäuser seien verschont geblieben. Wörtlich fügte der Patriarch hinzu: „Sie haben auch die kleinen Kinder nicht verschont, die glücklich in diese Welt gekommen sind und sie unter Tränen verlassen mussten. Das ist etwas, woran nur der Teufel sich freuen kann“. Aber die Christen würden es „Gott und seiner Gerechtigkeit“ überlassen, die NATO-Verantwortlichen zu beurteilen, Tatsache sei freilich, dass „das Böse niemals Gutes mit sich bringt“.

An den Luftbombardements waren Einheiten aus 19 NATO-Ländern beteiligt (nur ein griechischer Offizier weigerte sich, den Befehlen zu gehorchen). Nach serbischen Angaben wurden bei den NATO-Luftangriffen 25.000 Wohnungen zerstört oder beschädigt, 595 Kilometer Eisenbahnlinien und 470 Kilometer Straßen wurden beschädigt, 14 Flughäfen, 19 Krankenhäuser, 69 Schulen, 18 Kindergärten, 44 Brücken und 176 kulturelle Monumente wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Nach den gescheiterten Verhandlungen von Rambouillet über die Zukunft des Kosovo bildete das angebliche „Blutbad von Racak“ (einem Dorf südlich von Pristina) im Jänner 1999 den Anlass für die NATO-Angriffe, die erste militärische Aktion des 1949 begründeten Militärpaktes außerhalb seiner Kompetenzzone. Das „Blutbad von Racak“ wurde inzwischen von unzähligen Experten untersucht. Dabei hat sich die Auffassung verfestigt, dass es sich um eine Fake-Inszenierung der UCK (der vom Westen unterstützten Kosovo-Befreiungsarmee) gehandelt habe.