Serbien: Stefan Nemanja-Denkmal eingeweiht

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Foto: © Orjen (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

11. Februar 2021 (NÖK) Im Zentrum Belgrads ist das Denkmal für den mittelalterlichen serbischen Herrscher Stefan Nemanja eingeweiht worden. Die riesige – 23 Meter hohe und 68 Tonnen schwere – Statue steht auf einem Platz vor dem stillgelegten früheren Hauptbahnhof der serbischen Hauptstadt. Geschaffen wurde das umstrittene Denkmal vom russischen Bildhauer Alexander Rukavischnikov.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić, der die Einweihung leitete, betonte die historische Bedeutung Stefan Nemanjas, der als Staatsgründer gilt. Dieser war im 12. Jahrhundert Großžupan von Raška und Begründer der Nemanjić-Dynastie. Sein Sohn Stefan wurde der erste serbische König, während sein anderer Sohn Rastko unter dem Namen Sava zum Gründer der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) wurde. Die Einweihung fand denn auch am 27. Januar, dem Tag des Hl. Sava statt. Mit dem „Geschenk“ dieser beiden Söhne habe Stefan Nemanja „uns ein starkes, zentralisiertes Serbien geschenkt, dem es gelang, seinen Platz zwischen dem Osten und dem Westen zu finden“, sagte Vučić. Das Denkmal zeige ihn als entschlossenen Herrscher mit einem Schwert in der rechten Hand, mit diesem habe er Serbien „geschaffen und aufgebaut, danach geschützt“. Die Statue sei ein Symbol für das serbische Volk, das seit Stefan Nemanja ein „staatsbildendes Volk“ sei, und seine Geschichte.

An der Feier sprach auch Milorad Dodik, der Vorsitzende des dreiköpfigen Präsidiums von Bosnien-Herzegowina. Er findet, dieser Teil der mittelalterlichen serbischen Geschichte sei „unterdrückt“ gewesen und es sei „Zeit für die Rückkehr zu den Grundlagen“. Unter den Anwesenden befanden sich weitere hohe Amtsträger wie die Ministerpräsidentin Ana Brnabić, Parlamentssprecher Ivica Dačić und der Bürgermeister Belgrads sowie Vertreter der SOK, die Stefan Nemanja als Heiligen verehrt. An der Einweihung wurde außerdem ein Video des kürzlich verstorbenen serbischen Patriarchen Irinej eingespielt, in dem er Stefan Nemanja als „großen Staatsmann“ lobt. Dieser habe verstanden, „was die Kirche für ein Volk bedeutet“.

Das Denkmal hatte schon vor seiner Einweihung viel Kritik auf sich gezogen, unter anderem wird die künstlerische Qualität bemängelt, es sei kitschig und völlig überdimensioniert. Mit seiner monumentalen Größe passe es schlecht zu seinem Standort und erschlage das Gebäude des früheren Hauptbahnhofs, vor dem es steht. Das alte Bahnhofsgebäude gilt als neoklassizistisches Architekturdenkmal von großem Wert. Befürworter des Monuments bestreiten die Kritikpunkte, Fachleute hätten entschieden, dass sich die Statue gut in die Umgebung einfüge, die Größe sei nicht übertrieben. Dabei argumentieren sie mit der historischen Bedeutung des Herrschers, dessen Gedenken jedoch im Schatten seiner berühmteren Söhne stehe.

Dem Argument des „vergessenen“ Staatsgründers widerspricht dagegen der serbische Kunsthistoriker Nenad Makuljević. Unter seinem Mönchsnamen Simeon sei Stefan Nemanja in der Erinnerungskultur sehr lebendig, in fast jeder Kirche sei seine Ikone oder sein Fresko zu finden, sein Andenken werde gefeiert. Makuljević glaubt, die serbische Regierung orientiere sich vorvallem an Russland, insbesondere am Denkmal für Großfürst Vladimir von 2016 in Moskau. Bei diesem wurde ebenfalls die Größe kritisiert, der Standort war ebenfalls umstritten. Allerdings sei die Statue nur 16 Meter hoch, während Moskau wesentlich größer und monumentaler als Serbien sei. Russische Künstler und Geldgeber spielten auch bei der Erstellung der Mosaike in der Sveti-Sava-Kathedrale in Belgrad eine zentrale Rolle.

Die serbische Gesellschaft der Konservatoren hatte gefordert, nicht die Statue Rukavischnikovs aufzustellen. Gegen eine Gedenkstätte spreche nichts, aber der Kontext sei zu wenig durchdacht. Zudem kritisierte die Gesellschaft die großen finanziellen Mittel, die für den Wettbewerb und die Preise sowie die Erstellung und Anlieferung des Denkmals eingesetzt wurden, während in Serbien viele Kulturgüter „nach Investitionen lechzen“.

Im ganzen postjugoslawischen Raum gibt es umstrittene, oft überdimensionierte Denkmäler. In Serbien gibt es seit rund zehn Jahren einen Trend, riesige Kreuze aufzustellen. Das vermutlich größte ist 33 Meter hoch und steht in der Nähe von Kraljevo. Im bosnischen Staatsteil Republika Srpska haben viele Denkmäler zudem wenig mit ihrem Standort zu tun, findet der Kunsthistoriker Zvonko Maković. Das bekannteste Beispiel ist das Projekt „Skopje 2014“, bei dem im Stadtzentrum der nordmakedonischen Hauptstadt zahlreiche Statuen historischer Figuren aufgestellt wurden. Kritiker betrachten das Resultat als Kitsch und als „Disneyland“, zudem wird vermutet, die damalige Regierung habe damit Geld gewaschen.