Serbisch-orthodoxer Bischof formulierte Bekenntnis zum ökumenischen Miteinander

Neujahrs-Vespergottesdienst in der serbisch-orthodoxen Auferstehung Christi-Kirche in Wien-Leopoldstadt – „Voneinander lernen, damit wir aktiv und gestaltend in der Gesellschaft mitarbeiten können“

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Foto: © Bwag (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Wien, 15.01.20 (poi) Ein Bekenntnis zum ökumenischen Miteinander der Christen formulierte Bischof Andrej (Cilerdzic) beim Neujahrs-Vespergottesdienst in der serbisch-orthodoxen Auferstehung Christi-Kirche in Wien-Leopoldstadt, zu dem Repräsentanten des kirchlichen und öffentlichen Lebens der Bundeshauptstadt eingeladen waren. „Wir wollen voneinander lernen, damit wir aktiv und gestaltend in der Gesellschaft mitarbeiten können“, sagte der serbisch-orthodoxe Bischof. Es gehe darum, spirituelle Werte aus der Glaubenstradition einzubringen, aber auch Werte der modernen Gesellschaft ernst zu nehmen. In diesem Zusammenhang erwähnte Bischof Andrej, dass im Diözesanrat der serbisch-orthodoxen Eparchie Österreich 50 Prozent der Mitglieder Frauen sind, auch den stellvertretenden Vorsitz habe eine Frau inne. Die ökumenische Diskussion über die Position der Frauen in der Kirche werde auch im serbisch-orthodoxen Bereich mitempfunden, sagte der Bischof: „Uns quält das Thema auch“.

Über die Zahl der serbisch-orthodoxen Christen in Österreich gäbe es keine präzisen Angaben, berichtete Bischof Andrej. Er schätze die Zahl auf 300.000 bis 400.000. Von diesen kämen 20 Prozent an den wichtigen Festen zum orthodoxen Gottesdienst, „aber wir müssen uns natürlich fragen, was ist mit den anderen“. Ursprünglich habe es zu wenig serbisch-orthodoxe Gotteshäuser in Österreich gegeben, im Hinblick darauf brachte der Bischof noch einmal den Dank an Kardinal Christoph Schönborn für die Überlassung der großen Neulerchenfelder Kirche zum Ausdruck. Derzeit seien in Wien 14 serbisch-orthodoxe Priester im Einsatz, „aber das ganze Volk hat mitgeholfen, dass unsere Kirche jetzt eine solide Basis hat“.

Das Thema Ökumene sei für ihn ein Herzensanliegen, betonte Bischof Andrej. Viele Christen würden darunter leiden, „dass wir das eine Abendmahl, die große Danksagung nicht gemeinsam feiern. Wir müssen versuchen, das zu überwinden“. Es sei wichtig, auf dem Weg des Miteinanders weiter zu gehen. Dass beim Vespergottesdienst gemeinsam gebetet wurde, empfinde er als positiven Schritt: „Danken wir unseren Vorfahren, dass sie uns die Botschaft des Glaubens mitgegeben und so den Weg zum Miteinander eröffnet haben“.

Der Vespergottesdienst, dessen Texte aus den 3.000 Jahre alten Psalmen Davids und den „zu Poesie gewordenen Predigten der Kirchenväter über Feste und Heilige“ bestehen, wurde zum größten Teil auf deutsch gehalten, der Chor sang auch auf serbisch. Unter den Priestern wirkten auch der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura und der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin aktiv an dem Gottesdienst mit. Mit dem serbischen Botschafter Nebojsa Rodic waren u.a. auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Domdekan Rudolf Prokschi, die Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler, der Wiener Stadtrat Markus Wölbitsch, die Wiener Landtagsabgeordnete Caroline Hungerländer  und „Pro Oriente“-Generalsekretär Bernd Mussinghoff anwesend. Besonders herzlich begrüßte der serbisch-orthodoxe Bischof auch die Direktorin der Katholischen Sozialakademie, Magdalena Holztrattner, die er im November 2015 beim „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ schätzen gelernt hatte.