Serbische Kirche weist Vorwürfe gegen Kloster Decani im Kosovo zurück

Kloster wurde von Denkmalschutz-Verbund "Europa Nostra" in Liste der gefährdetsten Kulturerbe-Stätten aufgenommen – Dafür gibt es Kritik von kosovarischer Seite

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Foto: Amer Miftari (Quelle: Wikimedia; Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Belgrad, 15.4.21 (poi) Die Serbisch-orthodoxe Kirche hat jüngste Kritik von kosovarischer Seite am Kloster Decani und an seinem Abt Sava (Janjic) „mit Empörung“ zurückgewiesen. In einer auf der Website des Belgrader Patriarchats veröffentlichten Stellungnahme ist von „unbegründeten und böswilligen Anschuldigungen“ die Rede. Wörtlich hält das Patriarchat fest: „Wir betonen noch einmal und wiederholen stolz, dass das Decani-Kloster mit seinem Abt und seinen Brüdern während seiner gesamten Geschichte und insbesondere während der 1990er Jahre des 20. Jahrhunderts ein Zufluchtsort für viele Opfer war, unabhängig von Religion und Nation.“

Worum es geht: Der europäische Denkmalschutz-Verbund „Europa Nostra“ hatte das Kloster im vergangenen Dezember in ihre Liste der zwölf am stärksten bedrohten europäischen Kulturerbe-Stätten aufgenommen. Im März ging es im Ranking dann nochmals nach oben. Seither befindet sich das Kloster unter den sieben am stärksten gefährdeten Stätten. Diese Entscheidung wurde von kosovarischen Nationalisten, aber auch Behörden heftig kritisiert. Eine albanische NGO forderte gar eine Untersuchung gegen Abt Sava und bezweifelte, dass das Kloster während des Kosovo-Krieges in den 1990er Jahren tatsächlich auch Albaner aufgenommen hat.

Der nun persönlich angegriffene P. Sava, der auch als „Cyber-Mönch“ bekannt geworden ist, hatte in der Milosevic-Zeit aber tatsächlich vielen albanischen Familien im Kloster Schutz und Unterkunft geboten. Er galt als einer der prominentesten Verfechter für ein Ende der Gewalt im Kosovo-Krieg. P. Sava war weltweit bekannt geworden, als er 1998/99 aus dem 700 Jahre alten Kloster via Internet Aufrufe zum Frieden und Informationen über die Lage im Kriegsgebiet verbreitete. Er berichtete über den Konflikt und das Leiden aller Menschen – sowohl von Albanern als auch Serben. Er kritisierte auch massiv die Politik des serbischen Milosevic-Regimes. Bei den Kosovo-Albanern entschuldigte er sich für das Unrecht, das ihnen widerfahren war.

Das serbisch-orthodoxe Kloster Decani – eines der bedeutendsten Klöster im Kosovo – gelangte in den vergangenen Jahren immer wieder ins Visier kosovo-albanischer Nationalisten. Seit dem Einmarsch der NATO im Kosovo 1999 wird das Kloster durch internationale Militärpräsenz geschützt.

Der Bau des Klosters wurde 1327 von König Stefan Uros III. begonnen, der auch den Beinamen „Decanski“ trägt, und von seinem Sohn Zar Dusan 1355 vollendet. Das Kloster stellt heute eines der bedeutendsten serbischen Heiligtümer dar, dessen einzigartige Architektur den romanischen und gotischen wie auch den serbisch-byzantinischen Baustil harmonisch in sich vereint. Neben den außergewöhnlichen Fresken aus der Zeit der „paleologischen Renaissance“ besitzt das Kloster eine reichhaltige Bibliothek und Schatzkammer. Aus diesem Grund wurde es 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben.