Serbischer Patriarch empfing ukrainischen Präsidenten Poroschenko

Würdigung der Haltung Kiews im Kosovo-Konflikt und beim Wiederaufbau serbischer Heiligtümer in der Krisenprovinz

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Foto: © Orjen (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Belgrad, 05.07.18 (poi) Das diplomatische Kontaktkarussell um die umstrittene Frage der Autokephalie für die gespaltene orthodoxe Kirche in der Ukraine dreht sich weiter: Am 3. Juli empfing der serbische Patriarch Irinej in Belgrad den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Der Patriarch würdigte dabei die Haltung der Kiewer Regierung im Hinblick auf den Status  des Kosovo und der Metochie (die Ukraine hat die selbsternannte kosovarische Republik nicht anerkannt) und die Bereitschaft des ukrainischen Präsidenten, beim Wiederaufbau serbischer Heiligtümer in der umstrittenen Provinz zu helfen. Zugleich betonte der Patriarch, dass sein Gebet dem Frieden in der Ukraine gelte. Er hoffe, dass dort alle Probleme „durch friedliche Mittel in fairer Weise“ gelöst werden könnten.

Die serbisch-orthodoxe Kirche steht an sich den Bestrebungen von Poroschenko, mit Hilfe des Ökumenischen Patriarchen eine autokephale ukrainisch-orthodoxe Kirche in völliger Unabhängigkeit von Moskau zu bilden, ablehnend gegenüber. Dies vor allem auch im Hinblick auf die Parallelen zur mazedonisch-orthodoxen Kirche, die sich 1967 mit politischer Hilfe der tito-kommunistischen Regierung vom serbisch-orthodoxen Patriarchat getrennt hat, aber auch deshalb, weil die Einmischung von Politikern in kirchliche Fragen dem orthodoxen kanonischen Recht widerspricht. Andererseits hat Kiew wegen seiner Haltung im Kosovo-Konflikt Gutpunkte im Belgrader Patriarchat.