Serbischer Patriarch Irinej betont in Moskau Verbundenheit mit der russisch-orthodoxen Kirche

Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche wurde mit dem Preis der Stiftung “Einheit der orthodoxen Nationen” ausgezeichnet – Scharfe Äußerungen im Hinblick auf die Problemkreise Kosovo und Ukraine

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Foto ©: Alvesgaspar (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau, 25.05.18 (poi) Im Zeichen verstärkter Bemühungen um die “orthodoxe Einheit” stand der Besuch des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej in Moskau. Offizieller Anlass war die Verleihung des Preises der internationalen Stiftung “Einheit der orthodoxen Nationen” an Patriarch Irinej. Zugleich kam es zu mehreren Begegnungen zwischen Patriarch Irinej und dem Moskauer Patriarchen Kyrill I., wobei nicht nur Fragen der bilateralen Beziehungen zwischen serbischer und russischer Kirche, sondern auch Probleme der “orthodoxen Einheit” behandelt wurden.

Bei der Überreichung des Preises im Festsaal des mit der Christus Erlöser-Kathedrale verbundenen kirchlichen Zentrums am 23. Mai äußerte sich Patriarch Irinej sehr scharf im Hinblick auf die Problemkreise Kosovo und Ukraine. Der serbische Patriarch erinnerte daran, dass sein Vorgänger, Patriarch Pavle, im Jahr 2002 – “in einer schwierigen Zeit für die serbisch-orthodoxe Kirche und das serbische Volk” – ebenfalls mit dem Preis der Stiftung “Einheit der orthodoxen Nationen” ausgezeichnet worden war. In den Preisverleihungen sehe er ein Zeichen der Unterstützung für das serbische Volk und die serbisch-orthodoxe Kirche, die im Kosovo und in der Metochie “schreckliche Unterdrückung” erleiden müsse und gezwungen sei, ihre “jahrhundertealten Rechte in den Ländern des früheren Jugoslawien” zu verteidigen.

Im Hinblick auf die Situation in der Ukraine sagte der Patriarch, hunderttausende Serben hätten in der Geschichte ihr Leben für den orthodoxen Glauben gegeben. So brauche es nicht viele Worte, um zu erklären, wie die serbisch-orthodoxe Kirche die Ereignisse in der Ukraine sehe. Die serbische Kirche unterstütze voll und ganz die “Einheit und Integrität der russisch-orthodoxen Kirche und verurteile entschieden “die Handlungen der Unierten und der Schismatiker, die am Taufbrunnen von Kiew das Gewand Christi zerreißen und ihr Volk an die Feinde des Glaubens verkaufen”. Die gemarterte ukrainische Kirche werde heute an dem Platz, an dem Großfürst Wladimir das Volk der Rus taufen ließ, durch das “sakrilegische Tun der Schismatiker und deren Gewalttätigkeit” profaniert. Ihnen gelte das Wort aus dem Zweiten Korinther-Brief des Heiligen Paulus: “Ihr Ende wird ihren Taten entsprechen”. Jeder, der die ukrainischen Schismatiker unterstütze, sei nicht nur ein Feind der russischen Kirche, sondern “aller orthodoxen slawischen Nationen und der ganzen orthodoxen Welt”.

Patriarch Irinej war am 24. Mai der Ehrengast bei den Feierlichkeiten zu Ehren der Slawenapostel Kyrill und Method (zugleich auch der Namenstag des Moskauer Patriarchen). Zunächst feierte der serbische Patriarch in Konzelebration mit Patriarch Kyrill I. und zahlreichen orthodoxen Bischöfen aus verschiedenen Ländern in der Christus Erlöser-Kathedrale die Göttliche Liturgie. Anschließend waren die beiden Patriarchen Ehrengäste beim Festkonzert zum “Tag der Slawischen Literatur und Kultur” (dem aus der Sowjetzeit stammenden säkularen Akzent zum Kyrill-Method-Fest) auf dem Roten Platz. Kyrill I. betonte dabei die Notwendigkeit, sich auf die religiösen “Quellen” der slawischen Kultur zu besinnen, um den “langen, dramatischen und siegreichen Weg der slawischen Nationen einschließlich der Russen” zu verstehen. Die Russen seien eine einige Nation, wenn sie durch die Sprache und “die gemeinsamen moralischen und spirituellen Werte, auf denen das menschliche Leben basiert”,  geeint seien.

Die Festlichkeiten zum Tag der Slawenapostel wurden mit dem Namenstagsempfang des Moskauer Patriarchen im Festsaal des kirchlichen Zentrums  bei der Christus Erlöser-Kathedrale abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit hob Patriarch Irinej noch einmal die “brüderlichen Beziehungen” zwischem dem serbischen und dem russischen Volk hervor und dankte Patriarch Kyrill für die Hilfe zu Gunsten der serbischen Kirche. Insbesondere erinnerte er aber den Serbien-Besuch des Vorgängers von Kyrill, Patriarch Aleksij II., im Jahr 1999, als das “schuldlose serbische Volk unter den Luftbombardements des Aggressors schrecklich zu leiden hatte”. Der Besuch von Patriarch Aleksij und die Göttliche Liturgie mit ihm in diesen schweren Tagen werde immer im Gedächtnis der serbischen Kirche bleiben.

An dem Namenstagsempfang nahmen u.a. auch die russische Erziehungsministerin Olga Wasiljewa und der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin teil. Bei dem Festkonzert auf dem Roten Platz – das mit Zuspielungen aus Belgrad und Sofia im TV direkt übertragen wurde – war u.a. die stellvertretende Ministerpräsidentin Olga Golodets anwesend.

Bei den bilateralen Gesprächen der beiden Patriarchen waren auch hochrangige Delegationen beider Seiten beteiligt; auf serbischer Seite gehörte der Delegation u.a. der Bischof der Backa, Irinej (Bulovic), an, auf russischer Seite der Leiter des Außenamtes des Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew).