Serbischer Patriarch Porfirije mit neuer Versöhnungsbotschaft an Kosovo-Albaner

Porfirije stand am Veitstag traditionellem Gedenkgottesdienst für die Opfer der Schlacht auf dem Amselfeld im Jahr 1389 vor

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Foto: © PIXSELL (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Belgrad/Pristina, 29.06.21 (poi) Der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije hat sich abermals mit einer Versöhnungsbotschaft an die Kosovo-Albaner gewandt. Bei einem Gottesdienst am Montag im Kloster Gracanica bei Pristina unterstrich er einmal mehr, dass Kosovo-Metohija die eigentliche Heimat der Serbisch-orthodoxen Kirche bzw. der orthodoxen Serben sei. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass ein gemeinsames Leben von Serben und Kosovo-Albanern in Frieden möglich ist.

Die serbisch-orthodoxen Patriarchen feiern jedes Jahr am 28. Juni – dem Veitstag („Vidovdan“) – im Kloster Gracanica einen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Schlacht auf dem Amselfeld im Jahr 1389. Der in der Schlacht gefallene Fürst Lazar wurde schon gut ein Jahr nach seinem Tod heiliggesprochen und ist einer der wichtigsten Heiligen der serbisch-orthodoxen Kirche. Bis heute ist der 28. Juni – „Vidovdan“/“St. Veitstag“ – ein Feiertag in Serbien.

Jedes Mal, wenn er in den Kosovo komme, spüre und wisse er zutiefst, dass er in seine Heimat zurückgekehrt sei, so der Patriarch. Zugleich sprach er von den „albanischen Brüdern“ und rief zu gegenseitigem Verständnis auf. Das Feld dürfe nicht jenen überlassen werden, die Zwietracht unter den Menschen schürten und eigene Interessen verfolgten, so der Appell des Patriarchen, wie die Serbisch-orthodoxe Kirche auf ihrer offiziellen Website mitteilte.

Die serbisch-orthodoxen Kirchen und Klöster im Kosovo seien zuerst das Erbe der Serben und der Orthodoxie, zugleich aber auch das kulturelle Erbe der ganzen Welt. Unterschiede zwischen den Völkern seien eine Bereicherung und kein Grund für Konflikte, sagte Porfirije. – Die bedeutenden serbischen Klöster im Kosovo wie Decani, Gracanica oder auch Pec sind zum Schutz allerdings von hohen Betonmauern umgeben. – Wenn die serbisch-orthodoxe Kirche den Kosovo aufgeben würde, wäre dies so, als ob man ihr das Herz herausreißen würde, so Porfirije.

Kosovo-Metohija ist das Herzstück bzw. Kernland der serbisch-orthodoxen Kirche. Unter Metohhija bzw. Metochie versteht man das „Klosterland“ im Westen des Kosovo. Eine Aufgabe des Gebietes kommt für die Kirche nicht infrage. Eine direkte oder indirekte Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo durch Serbien lehnte und lehnt die Kirche kategorisch ab. Traditionell wird jeder serbische Patriarch nicht nur in Belgrad, sondern danach nochmals im Kloster Pec inthronisiert, dem alten Patriarchensitz. Wann diese Inthronisation im Fall von Porfirije, der seit Februar neuer Patriarch ist, stattfinden wird, steht derzeit noch nicht fest.

 

Kloster Gracanica

Gracanica ist ein der Entschlafung der Gottesmutter gewidmetes serbisch-orthodoxes Kloster im Kosovo. Aufgrund seiner einzigartigen Architektur und der Lage auf dem Amselfeld ist es eines der bekanntesten Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche. Die Klosterkirche liegt im gleichnamigen Dorf bei Lipljan (dem antiken Ulpiana), rund 10 Kilometer südöstlich von Pristina. Die Kreuzkuppelkirche von Gracanica mit fünf Kuppeln ist das bedeutendste sakrale Bauwerk der Paläologischen Renaissance und eines der bekanntesten Bauwerke der byzantinischen Kunst überhaupt. Die Fresken im Inneren sind die bedeutendsten der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Serbien.

Erbaut wurde Gracanica von König Stefan Uros II. Milutin, der mit Simonida, der Tochter des byzantinischen Kaisers Andronikos II. verheiratet war. Im kulturellen Wetteifer mit seinem Schwiegervater entstand mit der Klosterkirche von Gracanica das 1311 fertiggestellte künstlerisch ambitionierteste Bauwerk der Periode auf der Balkanhalbinsel. Auch unter der osmanischen Herrschaft blieb Gracanica ein bedeutendes Kulturzentrum, insbesondere durch seine Druckerei.

Im Juli 2006 wurden die Kirche und das Kloster von Gracanica in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Gleichzeitig wurde die Kirche wegen der schwierigen Sicherheitslage im Kosovo auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes eingetragen.