Situation der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro „schwieriger denn je“

Patriarch Irinej: „Osmanische Machthaber und tito-kommunistische Funktionäre hatten mehr Respekt vor der Kirche“ – Aussprache mit dem serbischen Präsidenten Vucic

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Foto: © Micki (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Belgrad, 22.05.20 (poi) Die Situation der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro ist „schwieriger als sie es je in der Geschichte war“: Dies betonte der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej nach einer Aussprache mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic bei einer Pressekonferenz in Belgrad (bei der Aussprache ging es um die jüngste Auseinandersetzung zwischen der serbisch-orthodoxen Kirche und der Regierung in Podgorica). Sogar die osmanischen Machthaber und die tito-kommunistischen Funktionäre hätten mehr Respekt vor der serbisch-orthodoxen Kirche gehabt als die Leute um Milo Djukanovic. Offensichtlich verfolge Djukanovic den Plan, eine künstliche montenegrinische Nation zu schaffen oder die serbisch-orthodoxe Kirche aus Montenegro zu vertreiben, man fühle sich an die Vorgangsweise des kroatischen faschistischen Ustaschi-Regimes von 1941 bis 1945 erinnert. Wörtlich sagte der Patriarch: „Wir respektieren Montenegro als Staat, leider wird die Existenz des serbischen Volkes in diesem Land nicht anerkannt und mit schmerzerfüllter Seele fordere ich Djukanovic auf, über seine Taten nachzudenken“. Patriarch Irinej appellierte an den serbischen Präsidenten, das serbische Volk in Montenegro zu beschützen, „das dort lebt, seit es Montenegro gibt“, vor allem aber auch die Gotteshäuser und Heiligtümer der serbisch-orthodoxen Kirche zu bewahren.

Präsident Vucic betonte seinerseits, dass er die Position der serbisch-orthodoxen Kirche verstehe, aber man müsse „achtsam“ sein. Keinesfalls wolle sich Serbien gegenüber Montenegro so verhalten, wie sich Montenegro bereits gegenüber Serbien benommen habe. Montenegrinische Politiker hätten von serbischer Einmischung in innere montenegrinische Angelegenheit gesprochen, dabei aber vergessen, dass sich Podgorica durch die Anerkennung des Kosovo massiv in serbische Angelegenheiten eingemischt hatte. Zudem sei es ein „interessanter Fall“, dass sich Politiker – wie die Verantwortlichen aus Podgorica – in Fragen der kirchlichen Organisation einmischen und sogar eine neue Kirche gründen. Belgrad werde jedenfalls alles tun, um der internationalen öffentlichen Meinung klar zu machen, dass es sich bei der von Podgorica geförderten „Kirche“ um ein künstliches Gebilde handelt, das im Volk keinen Rückhalt hat, trotzdem aber als „orthodox“ dargestellt werde, um Zustimmung zu gewinnen. Ziel sei es offensichtlich, den Begriff „serbisch“ aus Montenegro zu eliminieren.

Dem montenegrinischen Staatspräsidenten Milo Djukanovic (der seine politische Karriere als Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen Partei begonnen hatte) wird ausgeprägte Sympathie für die 1993 begründete „montenegrinisch-orthodoxe“ Kirche attestiert, die sich auf die Tradition von Cetinje beruft, wo der orthodoxe Bischof zugleich Fürst war. 1998 wurde der jetzige selbsternannte „Metropolit“ der montenegrinisch-orthodoxen Kirche, Mihailo Dedeic, vom damaligen („pro-westlichen“) bulgarisch-orthodoxen Gegenpatriarchen Pimen geweiht. Dedeic hat eine bewegte Geschichte; er stammt aus Bosnien-Hercegovina, war ursprünglich Priester des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, wurde aber vom Phanar wegen kirchlichen Fehlverhaltens exkommuniziert. Obwohl die meisten Priester der montenegrinisch-orthodoxen Kirche aus unterschiedlichen Gründen suspendiert oder exkommuniziert sind, hat die Regierung in Podgorica die Gemeinschaft anerkannt. Ein Teil dieser Priester hat sich im Juni 2018 dem Kiewer „Patriarchat“ des umstrittenen Filaret (Denisenko) unterstellt.