Sofia: Patriarch empfängt Papst Franziskus, aber sonst keine Beteiligung am Besuch

Beschluss des Heiligen Synods der bulgarisch-orthodoxen Kirche untersagt jedes gemeinsame Gebet, die Beteiligung von orthodoxen Priestern und Diakonen an den verschiedenen Stationen des Papstbesuchs und den Einsatz eines orthodoxen Diakons als Übersetzer

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Foto: © Администрация на Президента на Република България (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Sofia, 04.04.19 (poi) Es wird beim bevorstehenden Papstbesuch in Bulgarien zwar zu einer Begegnung zwischen Patriarch Neofit und Papst Franziskus kommen, im übrigen ist aber keinerlei Beteiligung der bulgarisch-orthodoxen Kirche vorgesehen. Dies geht aus einem Beschluss des Heiligen Synods der bulgarisch-orthodoxen Kirche hervor, der auch brieflich dem Apostolischen Nuntius in Sofia, Erzbischof Anselmo Guido Pecorari, mitgeteilt werden wird.

Im Beschluss des Heiligen Synods wird betont, dass die Einladung an Papst Franziskus durch die staatlichen Behörden erfolgt sei, daher müsse der Besuch auch mit den staatlichen Institutionen koordiniert werden. Im Hinblick auf die im Programmentwurf vorgesehene Beteiligung von Repräsentanten der bulgarisch-orthodoxen Kirche stellte der Heilige Synod fest, dass Patriarch Neofit bereit sei, „gemeinsam mit den Mitgliedern des Heiligen Synods“ Papst Franziskus am 5. Mai im Synodalpalast in Sofia zu empfangen. Auch der Besuch des Papsts in der St. Alexander Newskij-Kathedrale sei möglich. Im Synodalbeschluss wird aber ausdrücklich unterstrichen, dass jede Form gemeinsamen liturgischen Feierns oder gemeinsamen Gebets, ebenso wie das Tragen liturgischer Kleidung, für die bulgarisch-orthodoxe Seite nicht akzeptabel sei, da dies den kirchenrechtlichen Bestimmungen widerspreche. In diesem Zusammenhang sei auch die Teilnahme des Patriarchalchors nicht möglich. Ebenso sei eine Beteiligung der bulgarisch-orthodoxen Kirche an weiteren Punkten des Programmentwurfs nicht denkbar. Bulgarisch-orthodoxe Kleriker hätten keine Erlaubnis, an diesen Programmpunkten teilzunehmen. Das gilt offensichtlich auch für die ökumenisch/interreligiöse Feier auf dem Sofioter Unabhängigkeitsplatz am 6. Mai.

Ausdrücklich wird auch der Vorschlag des Nuntius abgelehnt, dass Diakon Ivan Ivanov beim Bulgarien-Besuch von Papst Franziskus als Übersetzer fungieren soll. Der Heilige Synod erteile dafür keine Erlaubnis – „mit Ausnahme des Besuches im Synodalpalast und in der St. Alexander Newskij-Kathedrale“.

Im Rahmen seiner Bulgarien-Reise von 5. bis 7. Mai wird Papst Franziskus außer der Hauptstadt Sofia nur Ravovski besuchen, die einzige bulgarische Stadt mit katholischer Bevölkerungsmehrheit. Die Stadtgemeinde wurde erst 1966 unter kommunistischer Herrschaft aus drei katholischen Dörfern gebildet (sie ist nach einem prominenten Revolutionär des 19. Jahrhunderts, Georgi Stojkov Rakovski, benannt). Die – lateinischen – Katholiken von Rakovski haben eine besondere Geschichte. Sie sind Nachfahren der Paulikianer, die im 16./17. Jahrhundert unter Billigung der osmanischen Behörden von den Franziskanern für die katholische Kirche gewonnen wurden. Die Paulikianer waren eine im späten 7. Jahrhundert in Anatolien entstandene häretische christliche Gemeinschaft, die das Alte Testament ablehnte und im Grunde alles verwarf, was für das orthodoxe und katholische Christentum kennzeichnend ist (von der Verehrung des Kreuzes bis zum Amtspriestertum und der Ikonenverehrung). Nach langen Kämpfen wurde ein Teil der Paulikianer von den oströmischen Kaisern Ende des 9. Jahrhunderts auf den Balkan verbannt, dabei handelte es sich um die Vorfahren der heutigen lateinischen Katholiken in Bulgarien. Bemerkenswert ist, dass in Zentralanatolien soziale und religiöse Vorstellungen der Paulikianer im Alevitentum wieder auflebten und bis heute fortbestehen.

Das relativ gute Verhältnis der bulgarischen Katholiken zu den osmanischen Behörden änderte sich, als 1688 der „Aufstand von Tschiprovci“ ausbrach. Auslöser war die Eroberung Belgrads durch habsburgische und verbündete Truppen 1688. In der Folge erhoben sich in der Hoffnung auf die Hilfe des in Wien residierenden Kaisers die bulgarischen Katholiken in Bulgarien. Sie wurden aber von den Osmanen und deren siebenbürgischen Verbündeten (Fürst Imre Thököly) geschlagen, worauf tausende auf habsburgisches Gebiet ins Banat flüchteten (wo es heute noch bulgarische Gemeinden gibt, die das Bulgarische mit lateinischen Buchstaben schreiben).

In Bulgarien gibt es auch Katholiken des byzantinischen Ritus. Sie gehen auf eine Unionsbewegung im 19. Jahrhundert zurück, als national gesinnte Bulgaren der geistlichen Herrschaft des griechisch geprägten Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel entgehen wollten. Der Führer dieser Unionsbewegung, Josif Sokolski, wurde 1861 in Rom zum Bischof geweiht, verschwand aber nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel unter mysteriösen Umständen. Die unierte Kirche unter den Bulgaren blieb aber bestehen, für sie wurden drei apostolische Vikariate in Konstantinopel, Saloniki und Adrianopel errichtet. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen ab 1912 – von den Balkankriegen über den Ersten Weltkrieg bis zum griechisch-türkischen Krieg (1918-1922) – und den damit verbundenen Vertreibungen wurden diese Vikariate hinfällig, es gibt aber bis heute ein Exarchat für die bulgarischen Katholiken des byzantinischen Ritus in Sofia.

Das Motto der Papstreise nach Bulgarien lautet „Frieden auf Erden“, eine Anspielung auf die gleichnamige („Pacem in terris“) Friedensenzyklika von Papst Johannes XXIII. Der Roncalli-Papst war von 1925 bis 1934 päpstlicher Vertreter in Bulgarien. Aus zwei Gründen war seine Mission sehr schwierig: Er hatte die Aufgabe, die unter schrecklichen Umständen aus der Türkei, aus Griechenland und Jugoslawien vertriebenen bulgarischen Katholiken des byzantinischen Ritus zu sammeln und er musste eine schwierige diplomatische Aufgabe bewältigen, als 1930 Zar Boris III. die savoyische Prinzessin Giovanna heiratete, was wegen der doppelten Eheschließung (katholisch/orthodox) und der Taufe der Kinder dramatische Diskussionen hervorrief. Schon damals suchte Roncalli den Kontakt zu den „geliebten orthodoxen Brüdern“, wie er sich ganz gegen den Brauch seiner Zeit ausdrückte.

 

Laut offiziellem Programm wird Papst Franziskus am 5. Mai um 10 Uhr Ortszeit in Sofia landen. Das erste Treffen – mit Ministerpräsident Bojko Borissov – findet bereits auf dem Flughafen statt, die weiteren Treffen mit Staatspräsident Rumen Radev, Regierungsmitgliedern, Vertretern der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Corps sind in der Innenstadt vorgesehen, Der wichtigste Programmpunkt ist die Begegnung mit Patriarch Neofit und der Besuch in der Kathedrale, wo der Papst „in privater Form“ beten wird. Laut Programm will Papst Franziskus das „Regina Coeli“ (das in der Osterzeit übliche marianische Gebet) auf dem Platz vor der Kathedrale halten. Am Nachmittag ist eine Messfeier auf dem Fürst Alexander-Platz vorgesehen.

Am 6. Mai fliegt der Papst nach Rakovski, wo zunächst eine Erstkommunionfeier stattfinden wird, dann ein Mittagessen mit dem Klerus im Kloster der Franziskanerinnen und schließlich ein Treffen mit der katholischen Kommunität in der Michaelskirche. Nach der Rückkehr nach Sofia folgt auf dem Unabhängigkeitsplatz ein “Gebet um Frieden”, bei dem Repräsentanten verschiedener Religionsgemeinschaften anwesend sein werden (zB der jüdischen Gemeinde, wo Johannes XXIII. bis heute unvergessen ist, aber auch der großen islamischen Gemeinschaft, der an die zehn Prozent der Bevölkerung angehören). Bereits am Morgen des 7. Mai fliegt Papst Franziskus wieder ab (nach Skopje, der Hauptstadt des jetzt “Nordmazedonien” genannten Landes).