„Sonntag der Orthodoxie“: Eindrucksvolles Zeichen der orthodoxen Einheit

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Foto: © Asia (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Wien, 08.03.20 (poi) Zu einem eindrucksvollen Zeichen der Einheit der Orthodoxie wurde am Sonntagabend in der serbisch-orthodoxen Mariä Geburt-Kirche in Wien-Neulerchenfeld die Panorthodoxe Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie“. Metropolit Arsenios (Kardamakis) dankte dem serbisch-orthodoxen Bischof Andrej (Cilerdzic) für die Feier der Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie“, an dem alljährlich der Wiederherstellung der Ikonenverehrung im 8. Jahrhundert gedacht wird. Die Feier, die jeweils am ersten Fastensonntag nach Julianischem Kalender stattfindet, steht in der Diaspora im Zeichen der Einheit der orthodoxen Kirche. Mit den beiden Bischöfen nahmen viele orthodoxe Geistliche aus unterschiedlichen Jurisdiktionen (unter ihnen der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar und stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Nicolae Dura) und zahlreiche Laienchristen an der Panorthodoxen Vesper teil. Metropolit Arsenios sagte in seinem Schlusswort: „Wir sind eine Kirche. Wenn eine Ortskirche leidet, leidet die ganze Orthodoxie mit. Das ist beispielsweise jetzt der Fall, weil eine ablehnend zur Kirche eingestellte Regierung in Montenegro das Eigentumsrecht der serbisch-orthodoxen Kirche gefährdet“. Die gute Situation der Orthodoxie in Österreich sei auch der „brüderlichen Liebe“ der katholischen und der evangelischen Kirche zu danken, stellte der Metropolit fest. Die Orthodoxie habe aber auch viel anzubieten, „von der Schönheit der Liturgie über die Intensität des Gebets bis zur Eindringlichkeit des Fastens und zur Gastfreundschaft“. Er freue sich, dass es eine orthodoxe Bischofskonferenz gibt, „in der wir die Lösung der Probleme mit einer Stimme suchen“.

Bischof Andrej stellte fest, dass der „Sonntag der Orthodoxie“ auch den Ursprung der orthodoxen Kirche in Österreich betreffe. Viele orthodoxe Christen seien als Arbeiter nach Österreich gekommen, später auch als Flüchtlinge aus den Krisengebieten in Südosteuropa und im östlichen Mittelemeerraum. „Wo das Volk war, dort war auch die Kirche“, sagte der serbisch-orthodoxe Bischof im Hinblick auf den Aufbau der orthodoxen Seelsorge in Österreich in den letzten Jahrzehnten: „Heute sind wir so weit, dass es selbstverständlich geworden ist, Österreicher, Wiener und orthodox zu sein“.  Viele orthodoxe Christen seien schon in Österreich geboren, hier zur Schule und auf die Universität gegangen. Bischof Andrej: „Die orthodoxe Kirche ist so sehr gewachsen, dass sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“. Es sei klar geworden, dass man “der orthodoxen Kirche Raum geben muss“.

Dankbar erinnerte der Bischof daran, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2010 beschlossen hatte, die Neulerchenfelder Kirche an die serbisch-orthodoxe Kirche zu übergeben.  Dieser Akt der Verbundenheit hatte noch weitere „ökumenische“ Folgen.  Weil in einem orthodoxen Gotteshaus keine Orgel benötigt wird, wurde die Neulerchenfelder Orgel im Internet als Geschenk angeboten. Eine katholische Pfarrgemeinde aus Polen meldete sich, Leute aus dieser Gemeinde kamen mit einem LKW nach Wien, um die Orgel abzutransportieren und waren tief beeindruckt von der Schönheit der rein  gesanglichen orthodoxen Vesper, die sie miterleben konnten.

Die Orthodoxie entwickle in Österreich und im ganzen westlichen Europa eine große Ausstrahlung, unterstrich Bischof Andrej. Das zeige sich etwa auch in der Präsenz der orthodoxen Theologie an den Theologischen Fakultäten in Wien und München. In Österreich werde auch das neue orthodoxe Kloster in St. Andrä am Zicksee zu einem Anziehungspunkt. Entscheidend für den weiteren Aufbau der orthodoxen Kirche in Österreich sei die Präsenz der Priester. „Die Priester sind die wichtigsten Mitarbeiter des Bischofs“, betonte der serbisch-orthodoxe Bischof. Zugleich würdigte er aber auch die Rolle des orthodoxen Religionsunterrichts und die Bemühungen um den Dialog der orthodoxen Kirche mit der Gesellschaft.

Außerordentliche Bedeutung  maß Bischof Andrej den orthodoxen Heiligen aus neuester Zeit zu, die auch in Österreich viel verehrt werden, nicht nur von orthodoxen Christen. U.a. nannte er den Heiligen Paisios vom Berg Athos (1924-1994) und dessen „spirituellen Vater“, den Heiligen Arsenios von Kappadokien (1840-1938), aber auch den Heiligen Silouan vom Berg Athos (1866-1938) und den Heiligen Sofronij (1896-1993), dessen Kanonisierung erst vor kurzem erfolgte. In diesen Heiligen mit ihrem griechischen oder russischen Hintergrund, die alle große Beter waren, spiegle sich die Vielfalt der orthodoxen Kirche.

In besonderer Weise gedachte der serbisch-orthodoxe Bischof der orthodoxen Kirche von Antiochien, die durch den Syrien-Krieg am schlimmsten leide. Nach wie vor gebe es keine Nachricht vom orthodoxen Metropoliten von Aleppo, Boulos (Yazigi), der 2013 gemeinsam mit seinem orientalisch-orthodoxen Amtsbruder Mor Gregorios Youhanna Ibrahim von „Unbekannten“ entführt wurde. Bischof Andrej appellierte an die orthodoxen Christen, das Gebet für die bedrängten Christen des Nahen Ostens zu intensivieren. Die Situation im Patriarchat von Antiochien sei auch deshalb besonders schmerzlich, weil dort der Heilige Paulus gewirkt habe und in dieser Metropole die Bekenner Jesu zum ersten Mal „Christen“ genannt wurden. „Wir orthodoxen Christen wollen keine Religionskriege, wir möchten, dass sich alle Verantwortlichen an einen Tisch setzen, um die Probleme gemeinsam auszudiskutieren“, stellte der serbisch-orthodoxe Bischof fest.

Ein besonderer Dank gelte Metropolit Arsenios, der mit seiner großen Erfahrung – auf den Spuren seines Vorgängers, Metropolit Michael (Staikos) – die Arbeit der orthodoxen Kirche in Österreich so gut organisiere, dass die „Öffentlichkeit in diesem Land die Orthodoxie entsprechend wahrnimmt“.