Syrien: Armenische Völkermord-Gedenkkirche in Deir ez-Zor wird wiederaufgebaut

Das Zentrum zum Gedenken an die Opfer des von den jungtürkischen Machthabern während des Ersten Weltkriegs entfesselten Völkermords war erst 1991 geweiht worden, 2014 wurde es im Zug des Syrien-Kriegs von islamistischen Terroristen zerstört

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Foto: © Aziz1005 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Public domain)

Damaskus, 18.01.19 (poi) Der syrische Präsident Bashar al-Assad hat öffentlich zugesagt, für den Wiederaufbau der von IS-Terroristen zerstörten armenischen Völkermord-Gedenkkirche in Deir ez-Zor zu sorgen. Die Zusage erfolgte im Zug eines Treffens des Präsidenten mit Repräsentanten der armenischen Minderheit in Syrien und armenischen Geschäftsleuten aus der Diaspora. Die Kirche zum Gedenken der Märtyrer und die Gebäude des Zentrums zur “Erinnerung an die Opfer des Völkermords an den Armeniern” waren 1991 vom damaligen kilikischen Katholikos Karekin II. in der syrischen Provinzhauptstadt geweiht und eröffnet worden. Am 21. September 2014 wurden die Kirche und das dazugehörige Gedenkzentrum von IS-Terroristen zerstört.

Deir ez-Zor war in den Jahren des Syrien-Krieges eine der am meisten umkämpften Städte. Islamistische Terrorgruppen hatten Ende 2013 einen Teil der Stadt erobert. Im September 2014 zerstörten IS (Daesh)-Terroristen die armenische Gedenkkirche für die Opfer des vom jungtürkischen „Ittihad ve Terakki“-Regime während des Ersten Weltkriegs inszenierten Völkermords. Im Jänner 2016 griffen die IS-Terroristen die noch von der syrischen Armee gehaltenen Stadtteile an und ermordeten dabei 300 Zivilisten. Erst am 3. November 2017 konnte die syrische Armee die ganze Stadt wieder unter ihre Kontrolle bringen.

Die Stadt am Euphrat war das Endziel der Todesmärsche der christlichen Bevölkerung aus allen Teilen Anatoliens während des Ersten Weltkriegs gewesen. Außerhalb der Stadt am Euphrat richtete die (mit Berlin und Wien/Budapest verbündete) Regierung in Konstantinopel ein Konzentrationslager ein, in dem ab 1915 möglicherweise bis zu 400.000 Menschen ums Leben kamen. 1989 wurde mit dem Bau einer armenisch-apostolischen Gedenkstätte für die Opfer begonnen, im November 1990 wurde der Bau vollendet. Die Weihe erfolgte am 4. Mai 1991 durch den damaligen kilikischen Katholikos Karekin II. (der später als Karekin I. oberster Katholikos-Patriarch aller Armenier wurde). Von da an war die Gedenkstätte – mit Kirche, Museum, Kreuzsteinen („Chatschkaren“), Archivzentrum und Ausstellung – an jedem 24. April (zum Gedenken an den Beginn des Völkermords durch eine großangelegte Verhaftungsaktion der osmanischen Geheimpolizei in Konstantinopel in  den Morgenstunden des 24. April 1915) das Ziel zehntausender armenischer Wallfahrer aus aller Welt.

Die Zerstörung der Gedenkstätte durch die IS-Terroristen löste in der weltweiten armenischen Diaspora ebenso wie in der Republik Armenien heftige Empörung aus.