Syrien: Kopie der berühmten Ikone von Maaloula kehrte zurück

Das Original wurde von „Al Nusra“-Islamisten gestohlen, als sie 2013/14 die Kleinstadt vorübergehend in ihrer Gewalt hatten

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Foto: © user:Bollweevil (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Damaskus, 20.01.19 (poi) Die spätantike St. Sergius-und-Bacchus-Kirche in der syrischen Stadt Maaloula hat eine Kopie der berühmten Ikone erhalten, auf der das Letzte Abendmahl und die Kreuzigung Jesu dargestellt sind. Das Original war von den „Al Nusra“-Islamisten gestohlen worden, als sie 2013/14 die Kleinstadt – weit über die Grenzen Syriens berühmt, weil sie einer der Orte ist, wo Aramäisch, die Sprache Jesu, im Alltag gesprochen wird – vorübergehend in ihrer Gewalt hatten. Eine italienische Initiative – zu der u.a. das Institut San Antonio Zaccaria der Barnabiten in Mailand und das  „Zentrum für internationale Solidarität“ der Katholischen Universität gehören – ermöglichte es, dass ein anerkannter Ikonen-Schreiber eine Kopie der berühmten Ikone im syro-palästinensischen Stil erstellte. Eine Delegation der Initiative brachte die Kopie jetzt nach Maaloula, auch als Symbol dafür, dass „die Gewalt des Terrorismus nichts vermag gegen die Identität derer, die für friedliche Koexistenz eintreten“. Zuvor überbrachte die Delegation eine Kopie der Ikone Unserer Lieben Frau von der Vorsehung als  Geschenk der Mailänder Barnabiten an den syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatios Aphrem II. Anschließend nahmen die Mailänder Kontakt mit Gruppen junger Christen in Damaskus, Aleppo und Homs auf, die sie in Zukunft unterstützen wollen, um „in der delikaten Phase des Wiederaufbaus und der nationalen Versöhnung in Syrien“ einen konkreten Beitrag zu leisten.

Maaloula hat wegen seiner aus der Antike stammenden Kirchen und Klöster große Bedeutung für die Christen im Nahen Osten. Zu diesen Heiligtümern gehören vor allem das griechisch-orthodoxe Frauenkloster St. Thekla (die Nonnen waren vorübergehend im Gewahrsam der Islamisten) und die griechisch-katholische melkitische St. Sergius-und-Bacchus-Kirche samt Kloster. Die spirituelle Bedeutung Maaloulas dürfte die Islamisten motiviert haben, die Stadt zu besetzen und zu verwüsten. Nach der Befreiung der Stadt durch die syrische Armee wurde das ganze Ausmaß der pubertären Zerstörungswut der Islamisten sichtbar. In St. Sergius-und-Bacchus hatten sie Ikonen, Bibeln, Messbücher, Messgewänder, Gebetbücher zertrampelt; die wertvollsten sakralen Gegenstände wurden gestohlen und von den Islamisten und deren westlichen Hintermännern auf den illegalen Kunstmarkt geworfen. St. Sergius-und-Bacchus (Mar Sarkis) wurde Ende des 5. Jahrhunderts zum Gedenken an die römischen Soldaten Sergius und Bacchus errichtet, die unter Kaiser Galerius wegen ihres christlichen Glaubens ermordet wurden.

Die Ikone, deren Kopie jetzt nach St. Sergius-und-Bacchus zurückgekehrt ist, hat wegen ihres Konzepts besondere Bedeutung: Sie ist eines der seltenen Beispiele der gemeinsamen Darstellung von Letztem Abendmahl und Kreuzigung, beim Abendmahl ist Christus nicht – wie üblich – an zentraler Stelle abgebildet, sondern an der linken Seite des Tisches, in der Position „dessen, der bedient“.