Syrien: Nuntius betont Nähe des Papstes zum Leid der Zivilbevölkerung

„In Damaskus, Homs und anderen Städten fallen keine Bomben mehr, aber es droht die Bombe der Armut“

0
125
Foto ©: Jaco Klamer/KIRCHE IN NOT

Damaskus, 24.07.19 (poi) Der jüngste Brief von Papst Franziskus an den syrischen Staatspräsidenten Bashar al-Assad habe vor allem einen „humanitären Wert“, der in der Nähe zum Leid der Zivilbevölkerung zum Ausdruck komme. Dies betonte der Apostolische Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, in einem Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Papst Franziskus habe sich vor allem auf die Provinz Idlib bezogen, wo eine „humanitäre Katastophe von enormem Ausmaß“ drohe, wenn es nicht gelinge, die Kämpfe einzustellen. In der Provinz Idlib seien drei Millionen Zivilpersonen zwischen „zwei Feuern“ gefangen. Es gehe daher in erster Linie darum, diesen Menschen nahe zu sein und die Beachtung des humanitären Völkerrechts einzufordern, das vor allem den Schutz der Zivilbevölkerung und der wichtigsten Infrastruktur-Einrichtungen wie Schulen, Spitäler, Märkte vorsehe.

Aber der Brief des Papstes sei auch eine Einladung, die Anstrengungen zu verdoppeln, um das Leid der Zivilbevölkerung zu stoppen und eine „politische Lösung“ zu finden, so Kardinal Zenari. Wörtlich sagte der Nuntius: „In Syrien sagen die Leute, dass sie auch dort, wo keine Bomben mehr fallen, unter der Drohung des Wirtschaftskrieges stehen. In Damaskus, Homs und anderen Städten fallen keine Bomben mehr, aber es droht die Bombe der Armut. Nach Angaben der UNO bedroht diese Bombe 80 Prozent der syrischen Bevölkerung, die gezwungen ist, unter der Armutsgrenze zu leben“. Zweifellos hätten auch die internationalen Sanktionen negative Auswirkungen auf die Bevölkerung. Zenari: „Heuer war der Winter in Syrien sehr lang. Es war kalt  bis Ostern. Aber es gab kein Heizöl. Das Embargo auf Erdöl und seine Derivate wirkt sich sehr negativ auf die Menschen aus“.

Der Zweite Weltkrieg habe von 1939 bis 1945 gedauert, sagte Kardinal Zenari, „aber der Syrien-Krieg geht jetzt schon ins neunte Jahr“. Das Leid für die ganze Bevölkerung – unabhängig von Glaubensbekenntnis oder ethnischer Zugehörigkeit – sei „ungeheuer“. Der Syrien-Krieg sei die die größte vom Menschen herbeigeführte humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg.