Syrisch-orthodoxer Patriarch auf Pastoralbesuch in Schweden

Der skandinavische Staat ist eines der wichtigsten Emigrationsländer der orientalischen Christen – Dank an die lutherische Kirche von Schweden für die herzliche Aufnahme der Immigranten – Mor Ignatius Aphrem II. sprach bei der Eröffnung der Generalsynode in Anwesenheit von König Carl XVI. Gustav

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Foto ©: Garzo (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication)

Stockholm, 03.10.18 (poi) Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hat Schweden einen Pastoralbesuch abgestattet; Schweden ist eines der wichtigsten Emigrationsländer der syrisch-orthodoxen Christen. Bei der Eröffnung der Generalsynode der evangelisch-lutherischen Kirche von Schweden in der Kathedrale von Uppsala erinnerte der Patriarch in Anwesenheit von König Carl XVI. Gustav daran, dass syrisch-orthodoxe Christen seit den 1960er Jahren in Schweden eingewandert sind, “wo sie vom schwedischen Volk und vor allem von der Kirche von Schweden herzlich aufgenommen” worden seien. Diese Christen aus dem Nahen Osten hätten aber auch “gute Beiträge” für die schwedische Gesellschaft geleistet, weil sie “hart arbeitende Leute” seien, die erfolgreich Unternehmen aufgebaut hätten und völlig integriert seien, “auch im politischen Leben und im öffentlichen Dienst”.

Dass er bei der Eröffnung der Generalsynode sprechen konnte, betrachte er als Ausdruck der “sehr herzlichen Beziehungen und des gegenseitigen Respekts zwischen unseren Kirchen”, sagte der Patriarch. Er dankte der Kirche von Schweden für ihre Hilfe bei der Ansiedlung der syrisch-orthodoxen Immigranten; dabei habe es keinerlei Versuche gegeben, die orientalischen Christen von ihrer angestammten Kirche zu entfremden oder Proselytismus (Abwerbung) unter ihnen zu betreiben. Zugleich würdigte Mor Ignatius Aphrem II. die aktive Rolle der Kirche von Schweden in der ökumenischen Bewegung, der es um die Herstellung der sichtbaren Einheit der Kirche Christi auf Erden gehe, “den wir wissen, dass wir im Himmel ohnehin vereint sein werden”. Ebenso hob der Patriarch den humanitären Einsatz der Kirche von Schweden in Katastrophengebieten hervor.

Bereits am Sonntag, 30. September, hatte der Patriarch in der Kathedrale von Uppsala bei dem von Erzbischöfin Antje Jackelen, Oberhaupt der schwedischen Kirche, zelebrierten Gottesdienst die Predigt gehalten. Dabei sagte er u.a., es sei die Aufgabe der Kirche, dem “ganzen schwedischen Volk” Christus wieder zu bringen. Freilich müsse man dabei auch mit Zurückweisung rechnen. Die Botschaft Christi stelle eine ständige Herausforderung für weltliche Überzeugungen dar, denn die Christen seien zwar “in der Welt, aber nicht von der Welt”.

Am Sonntagnachmittag besuchte der syrisch-orthodoxe Patriarch die Kathedrale von Västeras und betete dort am Grab des evangelischen Bischofs Johannes Rudbeckius (1581-1646). Rudbeckius gilt als der bedeutendste schwedische Bischof in der Großmachtzeit des Landes. Er wirkte als Reformer des Bildungswesens, gründete die erste Mädchenschule in Schweden und kämpfte für die Unabhängigkeit der Kirche gegen die Bestrebungen des Frühabsolutismus.

Bereits am Samstag hatte sich Mor Ignatius Aphrem II. gemeinsam mit Erzbischöfin Jackelen in der Kathedrale von Uppsala einer “offenen Diskussion” mit Kirchenbesuchern gestellt. Dabei arbeitete er heraus, was die eigentliche Aufgabe der Kirchen in aller Welt sei: Die Verkündigung des Evangeliums.

Während seines Pastoralbesuchs wurde der Patriarch u.a. vom syrisch-orthodoxen Metropoliten von Schweden, Mor Julius Abd-el-Ahad Shabo, und anderen syrischen Bischöfen begleitet.

Die Integration der syrischen Christen in Schweden war bei den jüngsten schwedischen Parlamentswahlen im September sichtbar geworden: Vier syrische Christen wurden gewählt, Robert Hannah von den Liberalen, Tony Haddou von der Linkspartei, Robert Halef von den Christdemokraten und Ibrahim Baylan von den Sozialdemokraten. Baylan kann auf eine lange politische Karriere zurückblicken und war u.a. Energieminister in der letzten schwedischen Regierung.

Die Gesamtzahl der syrischen Christen in Schweden wird auf mindestens 200.000 geschätzt. Konfessionell sind außer der syrisch-orthodoxen Kirche vor allem auch die chaldäisch-katholische Kirche, die assyrische Kirche (Apostolische Kirche des Ostens) und die syrisch-katholische Kirche präsent.