Syrisch-orthodoxer Patriarch eröffnete „Antiochia Syrian University“

Mor Ignatius Aphrem II. erinnerte an die Tradition der syrischen universitären Zentren des 1. Jahrtausends und formulierte die Hoffnung, dass „die Flamme der Hochschulbildung neu entfacht wird“

0
977
Foto ©: Garzo (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication)

Damaskus-Dubai, 11.11.18 (poi) Meilenstein in der neuesten Kirchengeschichte Syriens: Die „Antiochia Syrian University (ASU)“ wurde auf Initiative der syrisch-orthodoxen Kirche und ihres Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. in Maarat Sednaya bei Damaskus eröffnet, wie die katholische Nachrichtenagentur „Fides“ berichtet. Die Einweihungszeremonie der neuen Universität fand am 6. November in Anwesenheit des syrischen Hochschulministers Atef Al-Naddaf, des Apostolischen Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, sowie zahlreicher Repräsentanten der Kirchen, der islamischen Gemeinschaft, der syrischen Politik und des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens statt. In seiner Ansprache betonte Mor Ignatius Aphrem II., dass die Bildung und der Beitrag zur Entwicklung einer qualitativ hochwertigen Kultur stets Teil der pastoralen Arbeit der christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten war. „Jedes Kloster wurde zu einem Zentrum des Wissens“, erinnerte der Patriarch. So seien in den Hochburgen der Kirchen der syrischen Tradition – etwa in Antiochien, Edessa (Urfa), Nisibin (Nusaybin), Chalcis (Qinnasrin) – im 1. Jahrtausend universitäre Zentren errichtet worden, die in den ganzen Nahen Osten und bis nach Zentralasien ausgestrahlt hätten. Antiochien sei in römischer Zeit die Hauptstadt Syriens gewesen, dann sei es die „spirituelle Hauptstadt für alle Christen des Orients“ geworden. Mit der Gründung der neuen Universität „folgen wir also den Spuren unserer Kirchenväter“, sagte der syrisch-orthodoxe Patriarch: „Wir versuchen, die Flamme der Hochschulbildung neu zu entfachen“. Die „Antiochia Syrian University“ solle ein wichtiges Zentrum akademischer Forschung werden und zugleich den Studierenden die besten Möglichkeiten bieten. An die Studentinnen und Studenten gewandt, versicherte der Patriarch, dass alles getan werde, um ihnen Erfolg und Exzellenz in ihren Studien zu sichern.

Mor Ignatius Aphrem II. erinnerte daran, dass die Idee zur Errichtung einer von der syrisch-orthodoxen Kirche gesponsorten Universität 2007 auf Drängen seines Vorgängers, Mor Ignatius Zakka I. Iwas, Gestalt angenommen hatte. Ausdrücklich dankte der Patriarch dem syrischen Präsidenten Bashar Assad für die Unterstützung der Initiative. Prof. Rakan Razouk, Präsident der Antiochia-Universität, hob die Exzellenzstandards der neuen Einrichtung hervor, während Bildungsminister Al-Naddaf betonte, dass die Eröffnung neuer Universitäten der effektivste Impuls für einen Neustart Syriens und die Überwindung des bewaffneten Konflikts sei.

Ghassan Al-Shamy von „Al Mayadeen TV“ sprach von der Eröffnung der „Antiochia Syrian University“ als einem „historischen Ereignis für die ganze orientalische Welt“. „Manche Akteure der Weltpolitik wollen, dass wir hinten sitzen, aber die Eröffnung dieser Universität zeigt, dass wir einen Platz in der ersten Reihe haben“, sagte Al-Shamy. Er erinnerte an die historische Rolle der syrischen Christen in der Übersetzungstätigkeit (vor allem aus dem Griechischen ins Arabische) und im Aufbau höherer Bildung. Antiochien habe eine erstrangige Rolle in der Ausbreitung des Christentums und der Bildung in der ganzen Welt gehabt.

 

Pastoralbesuch am Golf

Nach der Eröffnung der „Antiochia Syrian University“ reiste Mor Ignatius Aphrem II. zu seinem ersten Pastoralbesuch in die Vereinigten Arabischen Emiraten, wo durch die Migrationsbewegung große Gemeinden des südindischen Zweigs der syrisch-orthodoxen Kirche entstanden sind. Am 10. November wurde der Patriarch in der St. Ignatius-Kathedrale in Dubai feierlich empfangen, wo er anschließend das Abendgebet („Ramsho“) leitete. Am Ende des Gebets sprach Mor Ignatius Aphrem II. über die notwendige Erneuerung der Kirche. Er unterstrich die Wichtigkeit des Friedens unter den Gläubigen und die Bedeutung der Einheit im Glauben.