Syrisch-orthodoxer Patriarch unterstreicht Willen zur Einheit der Christen

In seiner Fasten-Enzyklika betont Mor Ignatios Aphrem II., dass seine Kirche die historischen Verletzungen überwunden und sich aufrichtig gegenüber den Schwesterkirchen geöffnet habe

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Foto ©: Garzo (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication)

Damaskus, 02.03.20 (poi) Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatios Aphrem II. hat seine diesjährige Fasten-Enzyklika ganz in das Zeichen der Einheit der Christen gestellt. Eingangs zitiert der Patriarch die im Johannes-Evangelium überlieferte Bitte Jesu, dass alle “eins sein” sollen und verweist auf die Feststellung des Heiligen Paulus im Brief an die Epheser: “Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe”. Die syrisch-orthodoxe Kirche habe seit den ersten Spaltungen in der Kirche und “trotz aller Verfolgungen” keine Anstrengung gescheut, um zur “Einheit der Christen” aufzurufen und dafür zu arbeiten, betont Mor Ignatius Aphrem II. Er erinnert an große Gestalten seiner Kirche, wie Mor Severus den Großen (456 n.Chr.-538 n.Chr), der nach Konstantinopel reiste, um über die Einheit der Christen zu verhandeln, oder Mor Gregorios Bar Hebraeus (1226-1286), der die Schismata als Fragen der Terminologie bezeichnete und die Christen zur Bewahrung der Einheit aufrief. Wörtlich stellt der syrisch-orthodoxe Patriarch fest: “In den letzten Jahrzehnten hat unsere Kirche die historischen Verletzungen überwunden und sich aufrichtig gegenüber den Schwesterkirchen geöffnet, vor allem im Bereich der pastoralen Zusammenarbeit”. Von vorrangiger Bedeutung sei für die syrisch-orthodoxe Kirche die  Herstellung der Einheit unter den Kirchen der syrischen Tradition, die die selbe Sprache und das gemeinsame Erbe teilen. Mor Ignatios Aphrem II.: “Wir werden weiter gemeinsam daran arbeiten, die Fülle der Einheit zu erreichen, um jene Einheit von Glaube und Zeugnis wiederherzustellen, wie sie in den ersten Jahrhunderten der Christenheit bestanden hat”. Schon heute gebe es – “Gott sei Dank” – eine allerdings noch unvollständige Einheit der Kirche. Sie sei geeint im Gebet für den Frieden in der Welt und im Dienst für die ganze Menschheit. Auf dem Hintergrund dieser Einheit würden etwa Gläubige aus allen Kirchen im Osten und im Westen für die beiden entführten Metropoliten von Aleppo, Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, beten. “Wir hoffen auf ihre sichere Rückkehr nach Aleppo”, so der Patriarch: “In dieser heiligen Fastenzeit beten wir für sie und appellieren neuerlich an die Mächtigen, alles für die sichere Rückkehr der beiden Metropoliten zu tun”.

Das Kreuz Christi sei das “stärkste Symbol” der Einheit, betont der syrisch-orthodoxe Patriarch, weil die Erlösung allen Jüngern “und der ganzen Menschheit” gegolten habe. Trotz aller Schwierigkeiten sei die universale Kirche schon in der Zeit der Apostel stark gewachsen, weil Menschen aus allen Nationen Christus als  ihren Erlöser erkannt hätten und durch das Kreuz geeint worden seien. Der dritte Patriarch von Antiochien, der Heilige Ignatius, sei imstande gewesen, die verschiedenen Gruppen in dieser Kirche, Gläubige mit jüdischen und mit heidnischen Wurzeln, zu einen. Er habe seine Kirche “katholisch” (umfassend) genannt, weil sie alle ethnischen Gruppen ohne Diskriminierung geeint habe und für alle offen war. Daran lasse sich die Bedeutung des Herrenwortes aus dem Johannes-Evangelium erkennen: “Es wird eine Herde geben und einen Hirten”. Eindringlich appelliert der Patriarch an die Christen, sich das Wort des Heiligen Paulus im Ersten Korinther-Brief zu Herzen zu nehmen: “Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung”.

Die Einheit der Kirche werde oft als selbstverständlich angesehen, stellt der syrisch-orthodoxe Patriarch fest. Aber es sei schwierig, die Einheit unter den Gläubigen zu bewahren oder wiederherzustellen, wenn die Spaltung einmal Wurzeln gefasst habe: “Aber durch Demut und Liebe, die uns in Christus verbindet, können wir miteinander daran arbeiten, Dispute und Konflikte auszuräumen”. Die aus dem Glauben an Jesus Christus erwachsene Liebe inspiriere die Opferbereitschaft der Menschen für andere, betont der Patriarch und zitiert aus dem Johannes-Evangelium: “Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht”. Ebenso gelte, dass sich die Gläubigen, wenn sie Opfer für die Einheit der Kirche bringen und jegliche Bosheit, jeglichen Stolz und jegliche Selbstsucht vermeiden, der “Früchte des Geistes” erfreuen können, wie sie im Galater-Brief genannt werden: “Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut”.

Seit dem frühen Christentum sei die Einheit die Quelle von “Stärke und Ausdauer” der Christen, unterstreicht  Mor Ignatios Aphrem II. Die Einheit der Kirche beruhe auf der festen Verbindung der Priester und aller anderen Gläubigen mit Christus und ihrem umfassenden Gehorsam gegenüber seinen göttlichen Geboten. Diese Einheit überwinde auch alle Spaltungen unter den Gläubigen, die aus dem Gruppendenken resultieren. Solche Spaltungen könnten sich leicht auf dem Boden neuer Ideologien ausbreiten, die im Widerspruch zu den Lehren der Evangelien und den Weisungen der Apostel und Kirchenväter stehen.