Syrischer Bischof: „Aktion der USA und ihrer Verbündeter war nur eine Kraftprobe“

Bischöfe von Aleppo äußerten sich überaus skeptisch nach den militärischen Operationen der USA, Frankreichs und Großbritanniens

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Foto: © Obersachse (Quelle: Wikimedia, Lizenz: GNU Free Documentation License)

Damaskus, 16.04.18 (poi) Die militärischen Operationen der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen Syrien am vergangenen Samstag, um die syrische Armee für den vermuteten Gebrauch von Giftgas zu bestrafen, haben zwar „auf internationaler Ebene im Medienbereich große Bedeutung“ gehabt, aber für die syrische Zivilbevölkerung sei das Leben einfach weitergegangen, „ohne Eindruck einer entscheidenden Wende“: Dies betonte der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo (und syrische Caritas-Präsident) Antoine Audo im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“. Hinter den Angriffen sei die Absicht des Westens gestanden, „eine Kraftprobe zu liefern, einen demonstrativen Akt“.

Zweifellos sei die amerikanisch-französisch-britische Attacke ein schwerwiegendes Ereignis gewesen, sagte Audo, aber für die Menschen in Syrien sei das Leben weitergegangen. Man könne aber ein „Gefühl der Traurigkeit“ nicht verhehlen, weil der Frieden in immer weitere Ferne rücke. Zugleich habe er in den Gesprächen mit Messbesuchern am Wochenende den Eindruck gewonnen, dass für viele Menschen in Syrien der Krieg „mittlerweile ein Aspekt des Alltags ist“.

Syrien werde gemartert wegen der internationalen Interessen, wegen des Machtkampfs „zwischen Russen und Amerikanern, Sunniten und Schiiten, dem Iran und Saudiarabien“. Es gehe um wirtschaftliche und strategische Interessen, vor allem aber um „den Verkauf von und den Handel mit Waffen“. Syrien sei eine stolze historische Realität, mit Regierung und Volk, „aber die anderen tun alles, um dieses Land zu vernichten“. Die Armen seien diejenigen, die in diesem Konflikt den höchsten Preis zahlen müssen.

Im Gespräch mit der italienischen Nachrichtenagentur „Dire“ hatte sich der chaldäische Bischof von Aleppo noch schärfer geäußert: Der Westen benütze das Argument der Giftgasattacken, „um den Krieg zu verlängern, den Waffenhandel anzukurbeln und Saudiarabien einen Gefallen zu tun“. Wörtlich fügte Audo hinzu: „Sie wollen ihre Macht zeigen, aber als Christen müssen wir sagen, dass wir an die Story von den Chemiewaffen nicht glauben“.

Der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, sagte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR im Hinblick auf die amerikanisch-französisch-britischen Angriffe; „Sie wollen verhindern, dass Syrien wieder aufsteht. Eine schreckliche Sache. Wir sind besorgt und von Schmerz erfüllt. Die Bevölkerung leidet und weiß nicht mehr, was sie erwarten soll, sie lebt in der ständigen Angst neuer Angriffe und neuer Bomben. Was sich hier abspielt, überschreitet jegliche Vernunft und jegliches menschliche Gefühl“. Jedes Mal, wenn es eine geringe Hoffnung des Dialogs gebe, werde sie durch neue Bomben ausgelöscht. Das sei „teuflisch“, so Jeanbart: „Die Syrer wollen Frieden und nicht Krieg“. Aber solange es in Syrien ausländische Mächte gebe, die ihre eigenen geopolitischen Interessen vertreten, werde es unmöglich sein, dieses Ziel zu erreichen. Wörtlich stellte der melkitische Erzbischof fest: „Alles, was in Syrien geschieht, kommt aus dem Ausland und nicht von unserem Volk“. Die große Mehrheit der Kämpfer seien Ausländer oder Fundamentalisten, die meinen, dass „die Anderen“ kein Recht auf Leben haben. Die erste Voraussetzung für Frieden sei, dass die Ausländer aus Syrien verschwinden und es den Syrern ermöglicht wird, untereinander einen Dialog zu führen. Dann werde auch ein Ausweg aus der tragischen Situation gefunden werden können.

Ausdrücklich dankte der griechisch-katholische unierte Erzbischof dem Moskauer Patriarchen Kyrill für dessen Initiative für den Frieden in Syrien im Dialog mit Papst Franziskus, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und den orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Alexandrien und Jerusalem. Die Worte Kyrills, dass die Christen angesichts der Vorgänge in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet nicht gleichgültig bleiben können, seien trostreich gewesen.