Tawadros II.: „Wir Kopten sind keine Minderheit“

Koptisch-orthodoxer Patriarch wendet sich gegen „verzerrtes Bild“ der Situation in Ägypten – „Keine Elemente systematischer religiöser Verfolgung“

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Foto: © Dragan TATIC Österreichische Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Kairo, 08.01.2021 (poi) Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. hat die Beschreibung des koptischen Bevölkerungsanteils in Ägypten als „Minderheit“ zurückgewiesen. Der Patriarch hat damit laut „Fides“ die Vorstellungen von Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Frage gestellt, die bei Gesprächen mit dem Patriarchen die Kopten – ebenso wie andere christliche Gemeinschaften des Nahen Ostens – systematisch als „verfolgte Minderheiten“ klassifizieren. Diese Vorstellungen würden ein „verzerrtes Bild“ der Situation in Ägypten entwerfen, wo die Kopten sich mit Schwierigkeiten und Problemen auseinandersetzen müssen, die auch mit „sektiererischer Gewalt und Diskriminierung“ verbunden sind, aber kein Element systematischer religiöser Verfolgung darstellen.
Wenn von Fällen der Gewalt zwischen religiösen Gruppen in einem Dorf die Rede ist, wie es in letzter Zeit mehrfach im Hinblick auf Konfliktsituationen in Oberägypten der Fall gewesen sei, müsse man daran denken, dass es in Ägypten 5.000 Dörfer gibt. Wörtlich meinte Tawadros II. in einem Interview mit dem Satelliten-TV „Nile TV“, es könne vorkommen, dass Leute leichtsinnig und rücksichtslos handeln. Aber dann würden sie „festgenommen und verurteilt“. Er weise kategorisch die Definition „Verfolgung“ zurück, die manche „Führungspersönlichkeiten verwenden, wenn sie über die Kopten reden“.
Der Patriarch nahm auch auf das neue Gesetz über den Bau von Kirchen Bezug, das seit September 2016 die Begrenzungen und Bedingungen beseitigt hat, die zuvor den Bau neuer Kirchen in Ägypten fast unmöglich gemacht hatten. Mit der neuen Gesetzgebung habe Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi die Klugheit des Politikers unter Beweis gestellt, der „durch Gesetze und Entscheidungen die Stabilität und den gesellschaftlichen Frieden bewahren will“.