Trauer bei den Wiener Mechitharisten über die Ermordung eines armenisch-katholischen Priesters im Nordosten Syriens

Der Pfarrer hatte während seiner Wiener Studienzeit bei den Mechitharisten gewohnt – Bei den Mördern des Priesters soll es sich um IS-Terroristen handeln – Papst brachte auf Twitter sein Mitgefühl zum Ausdruck

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Foto: © Wolfgang glock (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Wien-Damaskus, 12.11.19 (poi) Auch im Wiener Mechitharistenkloster herrscht tiefe Trauer über die Ermordung des armenisch-katholischen Priesters Joseph Bedoyan, der als Pfarrer in Qamishlie im nordöstlichen Syrien nahe der türkischen Grenze tätig war. Bedoyan hatte in Wien studiert, während seiner Studienzeit wohnte er bei den Mechitharisten, der Gemeinschaft armenischer Benediktiner im 7. Bezirk. Noch vor kurzem waren Mönche aus dem Mechitharistenkloster mit Joseph Bedoyan zusammengetroffen. Bei den Mördern des Priesters soll es sich um IS-Terroristen handeln. Papst Franziskus hat der Gemeinde und der Familie des ermordeten Pfarrers sein Beileid ausgesprochen. „Ich bin der armenisch-katholischen Gemeinschaft von Qamichlie in Syrien nahe, die sich zur Begräbnisfeier ihres Pfarrers Joseph Bedoyan versammelt hat, der am Montag zusammen mit seinem Vater getötet wurde“, schrieb Franziskus am Dienstag auf Twitter. Weiter stellte der Papst fest: „Ich bete für sie, für die Angehörigen und für alle Christen in Syrien“. Pfarrer Bedoyan hinterlässt seine Frau und drei Kinder (der Älteste studiert, er will ebenfalls Priester werden). Der getötete Priester war besonders in der Aufnahme von Flüchtlingen im Osten Syriens aktiv. Das katholische Hilfswerk „Oeuvre d’Orient“ berichtet, er habe sich für den Wiederaufbau engagiert

Der Pfarrer war auf der Fahrt von Hassake nach Der-ez-Zor in einen Hinterhalt geraten. Nach ersten Rekonstruktionen schossen zwei Bewaffnete im Dorf Zar von Motorrädern aus auf das Fahrzeug des Priesters. Der Priester und sein Vater Ibrahim Hanna (Hovhannes) Bedoyan wurden getötet. Ein Diakon aus Hassake, der ebenfalls im Auto saß, überlebte den Anschlag verletzt. Der Distrikt Busayra, in dem der Mord geschah, ist unter Kontrolle kurdischer Milizen; auch US-Militär ist hier präsent. Der Priester, sein Vater und der Diakon waren nach Der-ez-Zor unterwegs, um die Restaurierung einer von den Islamisten schwer beschädigten Kirche zu begutachten. Die Christen der verschiedenen Konfessionen in Qamishlie haben schockiert auf die Ermordung des armenisch-katholischen Priesters und seines Vaters reagiert.

„Wir haben durch die Diözese vom Attentat erfahren“, berichtete der Rektor des armenischen Priesterkollegs in Rom, P. Nareg Naamo, im Interview mit „Radio Vatikan“: „Die Angreifer waren maskiert; Joseph Bedoyan wollte in Der-ez-Zor den Stand der Wiederaufbau-Arbeiten der halbzerstörten Kirche und des Pfarrgebäudes kontrollieren. Als die Angreifer das Feuer eröffneten, wurde er schwer verletzt. Man hat ihn erst in das nächste Krankenhaus gebracht, dann in ein Spital im drei Stunden entfernten Hassake. Auf der Fahrt dorthin verlor er leider so viel Blut, dass er in Hassake als Toter eintraf“.

Der Rektor kannte den ermordeten Priester schon seit langem: „Wir haben schon lange zusammengearbeitet, bevor ich die Region verließ. Er war damals Ständiger Diakon, 2012 wurde er zum Priester geweiht. Ich kannte ihn gut; wir haben zusammen Katechismus- und Religionsunterricht in den Schulen erteilt… Die IS-Terroristen hatten immer schon die Taktik, den Hirten zu erschlagen, um die Herde zu zerstreuen, um es mit einer biblischen Formulierung zu sagen. Ich glaube, das war das Ziel dieses Mordes. Es war ja nicht das erste, sondern das siebte Mal, dass er mit dem Auto diese Strecke fuhr; die haben ihm ganz gezielt aufgelauert und wussten, dass er kommen würde. Er war ein sehr demütiger, hilfsbereiter Mensch, der sich um Armenier wie Nichtarmenier gleichermaßen kümmerte. Um Christen, um Muslime…“

Der Journalist Jeremy Andre Flores, der die Region gut kennt, vermutet den neuen IS-Chef Abu Ibrahim al-Hachemi al-Quraishi hinter den Morden. Der Nachfolger des von einer US-Spezialeinheit getöteten al-Bagdadi versuche zu zeigen, dass der IS weiter eine Bedrohung darstelle.