Trauer um den „Koch vom Heiligen Berg“

Der Athos-Mönch Epiphanios war für seine exquisiten Speisen bekannt – Bei Festlichkeiten konnte es vorkommen, dass er für 1.000 Leute zu kochen hatte

0
334
Foto: Prof. emeritus Hans Schneider (Geyersberg) (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Athen, 13.12.20 (poi) Auf dem Berg Athos – und darüber hinaus – wird um den Mönch Epiphanios getrauert, der als „der Koch vom Heiligen Berg“ Berühmtheit erlangt hat. Und dies, obwohl er nur vorübergehend – acht Jahre hindurch – Koch in seinem Kloster war. Aber er wurde auch danach, als er andere Pflichten zu erfüllen hatte, immer wieder als Koch eingesetzt, vor allem bei feierlichen Anlässen, berichtet „Orthodox Times“. In einem Interview mit „Kathimerini“ sagte der Mönch, Kochen habe ihm Freude gemacht „und offensichtlich den Gästen auch, denen meine Speisen vorgesetzt wurden“. Wörtlich meinte der kochende Mönch in dem Interview: „Bei Festlichkeiten kommt es vor, dass man für viele kochen muss, manchmal mehr als 1.000 Leute. Um das zu bewältigen, genügt es nicht, kulinarische Kenntnisse zu haben. Man muss ein ‚Kommandant‘ sein, der 20 Leute auf Trab hält – wenn nur einer einen Fehler macht, kann alles ruiniert sein“.

Als Lieblingsgericht seiner Gäste bezeichnete Epiphanios „Zackenbarsch vom Athos mit weißer Sauce“: Ich lasse die Fischfilets drei bis vier Stunden in ziemlich grobkörnigem Salz ziehen. Ich siede sie bei großer Hitze, dann schöpfe ich den Saft ab, füge dünn geschnittene Zwiebeln und Knoblauch, Pfeffer und Öl hinzu und lasse das Ganze ungefähr eine Stunde köcheln. Am Schluss gebe ich Zitronensaft und gehackte Petersilie hinzu“. Bei den Zutaten hatte der „Koch vom Heiligen Berg“ strenge Prinzipien: „Wenn ich keine Zwiebeln habe, fühle ich mich wie gelähmt. Ich brauche Öl und Zitronen und ich liebe Wein, ich sehe Wein als Nahrungsmittel, nicht zum Trinken aus Vergnügen“. Sein Rat an die Hobbyköche lautete, ja nicht zu viel Salz zu verwenden, „weil es aus den Speisen nicht verschwindet“. Der kochende Mönch arbeitete nie mit Fleisch und war ein überzeugter Gegner von Sojabohnen und tierischen Fetten. Er liebte die italienische und französische Küche „wegen des intensiven Geschmacks“, war aber auch an der chinesischen und an der mexikanischen Küche interessiert.

Auf die Frage, wie er zum Kochen gekommen sei, antwortete Epiphanios in einem Interview mit der Zeitung „Ta Nea“: „Ich bin gern neben meiner Mutter gestanden und habe zugeschaut, wie sie kochte, ich habe die Speisen probiert, Kartoffeln geschält und ganz allgemein ihr bei der Arbeit geholfen. Von fünf Brüdern war ich der einzige, der das getan hat“.