Trauer um den serbisch-orthodoxen Metropoliten von Montenegro

Der 82-jährige Metropolit und Erzbischof Amfilohije starb an den Folgen einer Corona-Infektion

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Foto: © Medija centar Beograd (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Podgorica, 30.10.20 (poi)  Die serbisch-orthodoxe Kirche trauert um Metropolit Amfilohije (Radovic), das Oberhaupt der Kirche in Montenegro. Der 82-jährige Metropolit starb am Freitagmorgen im Krankenhaus an den Folgen einer Corona-Infektion. Der Erzbischof von Cetinje (der ursprünglichen Hauptstadt von Montenegro)  und dem ganzen Küstenland hatte entschlossen Widerstand gegen die kirchenfeindlichen Maßnahmen der bei den jüngsten Parlamentswahlen im September unterlegenen Partei des umstrittenen, aber vom Westen hofierten Langzeitmachthabers Milo Djukanovic  geleistet.  Der als Risto Radovic in Bare Radovica geborene Metropolit Amfilohije war ein Nachfahre des Vojvoden Minas Radovic, der eine wesentliche Rolle bei der Vereinigung der Moraca-Region mit dem Fürstentum Montenegro im Jahr 1820 spielte.

Seine theologischen Studien absolvierte der spätere Metropolit an der – von den damaligen kommunistischen Machthabern aus der Universität ausgeschlossenen – Orthodoxen Theologischen Fakultät in Belgrad, zugleich studierte er auch klassische Philosophie an der Universität. Er fügte dem Studienabschluss in Belgrad vertiefende theologische Studien am Pariser Institut Saint-Serge, am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom und an der altkatholischen Theologischen Fakultät in Bern hinzu. Nach den universitären Studien lebte er sieben Jahre in Griechenland, wo er die Mönchsgelübde ablegte. Er trat in das Kloster des Heiligen Gerasimos von Kefalonia in Argostoli ein. In Athen stellte er seine Dissertation über den Heiligen Gregorios Palamas fertig und erwarb 1973  ein Doktorat in Theologie.  Nach einem einjährigen Aufenthalt auf dem Berg Athos wurde er als Professor an das Institut Saint-Serge in Paris berufen. Ab 1976 war er zunächst als Dozent, dann als Professor an der Orthodoxen Fakultät in Belgrad tätig. 1985 wurde er vom Heiligen Synod der serbisch-orthodoxen Kirche zum Bischof des Banats mit Sitz in Vrsac erwählt, 1990 erfolgte seine Berufung zum Metropoliten von Montenegro. Seine Amtseinführung erfolgte durch den damaligen serbischen Patriarchen Pavle im berühmten Kloster von Cetinje. Ab 2011 war er zugleich auch Administrator der serbischen Eparchie in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, wo es eine größere montenegrinische Diasporagemeinde gibt.

Metropolit Amfilohije war polyglott, er sprach außer Serbisch auch Griechisch, Russisch, Italienisch, Französisch und Deutsch. Er gehörte dem Schriftstellerverband von Serbien und Montenegro an.