Türkei: Prozess gegen Mönch wegen angeblicher Komplizenschaft mit kurdischen Milizionären verschoben

Der Mönch hatte Brot und Wasser gegeben, als die Kämpfer an die Tür des Klosters klopften

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Ankara, 04.11.20 (poi)  Der Prozess gegen den syrisch-orthodoxen Mönch Sefer Bileçen, der von den türkischen Justizbehörden wegen angeblicher „Komplizenschaft mit terroristischen Organisationen“ angeklagt wurde, ist um fast drei Monate auf den 27. Jänner 2021 verschoben worden. Der Mönch ist Mitglied des Klosters Mor Yakup im ostanatolischen Nusaybin (dem alten Nisibis); er wurde am 9. Jänner des heurigen Jahres zusammen mit zwei weiteren Personen von den türkischen Sicherheitskräften festgenommen, weil er Mitgliedern des bewaffneten Arms (HPG) der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die von der türkischen Regierung als terroristische Organisation eingestuft wird, Hilfe angeboten haben soll.

Die Anklage, die hauptsächlich auf Filmmaterial basiert, das mit Hilfe von Drohnen erstellt wurde, mit denen die türkischen Geheimdienste das Kloster aus der Luft überwachen, wurde am 20. Jänner vom Strafgerichtshof von Mardin bestätigt. Der  sei verantwortlich dafür, dass Ende September 2018 einige Tage lang HPG-Milizionäre im Kloster untergekommen waren. Am 16. Jänner durfte der Mönch das Gefängnis bis zur Verhandlung verlassen, mit der Verpflichtung, seinen Wohnsitz nicht zu verlassen .

Die angebliche „Mitschuld“ des syrisch-orthodoxen Mönchs soll – nach Angaben aus Kirchenkreisen – allein darin bestanden haben, dass er Menschen, die angaben, hungrig und durstig zu sein, Essen und Trinken angeboten hatte. Dies wurde auch von einem HPG-Milizionär bestätigt, der im September 2019 von den türkischen Sicherheitskräften festgenommen wurde und angab, das Kloster Mor Yakup mehrmals aufgesucht zu haben, um dort zu essen, zu trinken und sich zu stärken.
Der Mönch Sefer Bileçen selbst bestätigte in einer von seinen Anwälte bekannt gegebenen Aussage, dass er den Milizionären Nahrung und Wasser als reines Zeichen klösterlicher Gastfreundschaft angeboten hatte, die jedem zugestanden wird, der sich in Not befindet. Er habe nicht gewusst, dass es sich um HPG-Milizionäre handelte. „Ich werde jedem, der an meine Tür klopft, Nahrung und Wasser geben“, stellte der Mönch fest: „Dazu bin ich aufgrund meiner spirituellen und philosophischen Überzeugungen verpflichtet. Und ich darf keine falsche Aussage machen, weil ich Mönch und Priester bin“.