Türkei: Versuch zur Rettung des orthodoxen Waisenhauses auf Prinzeninsel Büyükada

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Foto: © Jwslubbock (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Istanbul, 19.10.21 (poi) Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel unternimmt einen neuen Versuch, das bekannte Waisenhaus auf der Prinzeninsel Büyükada (griechisch: Prinkipos) vor dem endgültigen Verfall zu retten. Rund 15 Experten aus dem Ausland, Vertreter des Patriarchats und der Behörden von Büyükada haben dieser Tage beraten, welche Maßnahmen nötig sind, um das historisch bedeutsame Gebäude zu erhalten, wie das Infoportal „OrthodoxTimes“ berichtete. Obwohl das größte Holzgebäude Europas und das zweitgrößte der Welt auf der Liste der gefährdeten europäischen Kulturdenkmäler steht, wurden bisher keine Maßnahmen zum Erhalt gesetzt. Einige Teile sind bereits eingestürzt.

Das Waisenhaus hat für die Orthodoxe Kirche große symbolische Bedeutung. An der Geschichte des Hauses auf Büyükada im Marmarameer spiegelt sich die wechselvolle und schwierige Geschichte der Kirche in der Türkei wider. Das Waisenhaus war 1898 als Hotel „Prinkipo Palas“ eröffnet worden. Sultan Abdul Hamid II. weigerte sich jedoch, für den Betrieb des Luxushotels, zu dem auch ein Casino gehörte, die Betriebsbewilligung zu erteilen. So wurde das Gebäude 1902 von der Frau eines prominenten griechischen Bankiers gekauft und dem Ökumenischen Patriarchat geschenkt. Das Hotel wurde in ein von einer „frommen Stiftung“ getragenes Waisenhaus umgewandelt.

Von 1903 bis 1963 war das Waisenhaus Heimat für rund 5.800 Kinder der griechischen Minderheit im Osmanischen Reich bzw. später in der Türkei. Nach einem Großbrand musste es geräumt werden. Weil die Behörden dem Patriarchat die Genehmigung zur Instandsetzung verweigerten, konnte die Kirche das Gebäude nach dem Feuer nicht mehr nutzen. 1996 beschlagnahmte der Staat die Liegenschaft mit der Begründung, dass sie nicht mehr für den ursprünglichen Zweck genutzt werde.

Daraufhin trat das Ökumenische Patriarchat den juristischen Weg durch die Instanzen an, um die Rückgabe zu erreichen, und ging bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gab 2007 einer Klage des Patriarchats gegen die Enteignung zunächst grundsätzlich statt und verurteilte die Türkei im Juni 2010 zur Rückgabe des Gebäudes. Im Frühjahr 2012 wurde bekannt, dass das Waisenhaus Sitz einer internationalen Umweltstiftung unter dem Patronat des Ökumenischen Patriarchen wird.

Im einstigen Waisenhaus sollen regelmäßig Symposien im Zeichen des Dialogs der Religionen über Fragen der „Bewahrung der Schöpfung“ stattfinden. Das wird freilich erst nach einer umfassenden Instandsetzung des Gebäudes möglich sein.