Überraschungseffekt in Minsk: Orthodoxer Exarch wurde abgelöst

Metropolit Pawel hatte den Heiligen Synod des Moskauer Patriarchats um Entpflichtung ersucht – Bischof Wenjamin von Borisow und Marinogorsk wurde zum neuen Exarchen der orthodoxen Kirche in Weißrussland ernannt

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Foto: © Dmitrij M (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Minsk-Moskau, 25.08.20 (poi) Überraschungseffekt im Tauziehen um Weißrussland: Am Dienstag wurde der bisherige Exarch der (mit Moskau verbundenen) orthodoxen Kirche von Weißrussland, Metropolit Pawel (Ponomarjow) von Minsk, abgelöst. Der Metropolit hatte den Heiligen Synod des Moskauer Patriarchats selbst um seine Entpflichtung ersucht, wie der Sprecher des Heiligen Synods, Wladimir Legojda, vor Journalisten erklärte. Zum neuen Exarchen von Weißrussland wurde Bischof Wenjamin (Tupjeko) von Borisow und Marinogorsk bestimmt; er wird diese weißrussische Eparchie auch weiterhin leiten. Metropolit Pawel wurde zum Metropoliten von Jekaterinodar und Kuban in Südrussland ernannt; der bisherige Metropolit von Jekaterinodar, der 80-jährige Isidor (Kiritschenko), war am 8. August den Folgen einer Corona-Infektion erlegen. Der Heilige Synod dankte Metropolit Pawel in herzlichen Worten für seine Arbeit an der Spitze der orthodoxen Kirche in Belarus.

 

Pawel war auch Bischof in Wien

Metropolit Pawel stammt aus dem kasachischen Karaganda, wo er 1952 geboren wurde. Nach dem Militärdienst trat er in das Moskauer Priesterseminar ein. 1978 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete zunächst als Referent im Außenamt des Moskauer Patriarchats. Nach theologischen Postgraduate-Studien wurde er 1981 an die Geistliche Mission des Moskauer Patriarchats in Jerusalem entsandt, wo er schließlich zum Leiter avancierte. 1988 wurde er in die Heimat zurück berufen und 1992 zum Bischof geweiht. Als Titularbischof von Zaraisk war er Administrator der dem Moskauer Patriarchat unterstehenden Pfarrgemeinden in Nordamerika. Im Jahr 2000 wurde er zum russisch-orthodoxen Bischof von Wien und ganz Österreich ernannt und 2003 zum Erzbischof erhoben. 2013 erfolgte seine Berufung zum Metropoliten von Minsk und Slutsk und zum Exarchen für Weißrussland.

Der neue weißrussische Exarch Wenjamin (Tupjeko) stammt aus der Eparchie Brest, wo er 1968 geboren wurde. Nach dem Studium der Radiophysik trat er in das Priesterseminar in Minsk ein. Er wurde Mönch im berühmten Kloster Zirowitsi. 1995 erhielt er die Priesterweihe, er lehrte Moraltheologie am Seminar und übernahm verantwortungsvolle Aufgaben im Kloster. Im März 2010 wurde er von Patriarch Kyrill zum Bischof von Borisow geweiht.

Der verstorbene Metropolit Isidor (Kyritschenko) war in der kirchlichen Öffentlichkeit hochangesehen. Er war ein Schüler des berühmten Petersburger Metropoliten Nikodim (Rotow), der 1978 in den Armen von Papst Johannes Paul I. im Vatikan starb.  Er wurde 1977 zum Bischof von Archangelsk ernannt, wo er bis 1987 wirkte. Dann wurde er zum Bischof von Krasnodar in Südrussland bestimmt. Die Stadt erhielt 2001 wieder ihren vorrevolutionären Namen Jekaterinodar. 2007 gehörte der Metropolit der offiziellen Delegation des Moskauer Patriarchats an, die aus Anlass der Versöhnung mit der russischen Auslandskirche (ROCOR) eine Pilgerreise durch die USA unternahm. Der Metropolit war Vorsitzender des höchsten Kirchengerichts.