Ukraine: Erzbischof auf der Krim verhaftet

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Foto: © Olaffpomona (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

12.03.2019 (NÖK) Auf der Krim ist Erzbischof Kliment (Kuschtsch) von der neu gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) einen Tag lang von der Polizei festgehalten worden. Er wurde am 3. März morgens in Simferopol aufgrund zweier zweifelhafter Anschuldigungen verhaftet und erst am späten Abend wieder freigelassen. Zum Zeitpunkt der Verhaftung war Kliment dabei, nach Rostov am Don in Russland abzureisen, um an der dortigen Gerichtsverhandlung des ukrainischen Studenten Pavlo Hryb teilzunehmen.

Einerseits wurde der Erzbischof beschuldigt, religiöse Gegenstände aus seiner eigenen Kirche gestohlen zu haben, andererseits wurde ihm Fluchen in der Öffentlichkeit vorgeworfen. Beide Anschuldigungen basierten angeblich auf anonymen Beschwerden. Zunächst sah es aus, als ob die Behörden einen administrativen Arrest von bis zu 15 Tagen verhängen wollten, doch dann wurde der Erzbischof wieder freigelassen. Das ukrainische Außenministerium kritisierte das Vorgehen der Behörden auf der Krim. Die „russischen Besatzer setzen ihre systematischen Attacken gegen die OKU auf der Krim fort“, twitterte die Sprecherin des Außenministeriums. Die amerikanische Botschaft in Kiew zeigte sich auf Twitter „tief besorgt“ über Kliments Verhaftung und rief Russland dazu auf, die Religionsfreiheit zu respektieren.

Erzbischof Kliment glaubt, die „Gefahr meiner Verfolgung“ bestehe weiter. Das Ziel der Verhaftung sei die Verhinderung seiner Reise zum „politischen Gefangenen“ Hryb gewesen, zudem sollte sein Name durch den Dreck gezogen werden. Er wisse nicht, was als nächstes komme, aber die Fälle vieler ukrainischer politischer Gefangener hätten mit einem administrativen Verfahren begonnen.

Vor kurzem hat sich die OKU bei der OSZE beschwert, sie würde auf der Krim verfolgt. Auslöser war die Aufforderung der Behörden, von ihr genutzte Gebäude in Simferopol zu räumen. Kliment hatte bei einer Pressekonferenz am 12. Februar die internationale Gemeinschaft und die Botschafter europäischer Länder, der USA und Kanadas aufgerufen, sich persönlich um die Angelegenheit zu kümmern. Als Russland 2014 die Krim annektierte, hatte die Kirche unter Kliment, damals noch Teil des inzwischen in der OKU aufgegangenen Kiewer Patriarchats, gegen die Okkupation protestiert und weigert sich seither, sich bei den russischen Behörden zu registrieren. Die fehlende Registration erleichtert den Behörden das Vorgehen gegen die OKU, insbesondere den Entzug von Gebäuden. (mit Material von Kathpress)