Ukraine: Kirchen und Innenministerium einigen sich auf Schutzmaßnahmen

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Foto: © JøMa (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

16.04.2020 (NÖK) In der Ukraine haben sich das Innenministerium und die Religionsgemeinschaften auf ein einheitliches Vorgehen für die Ostertage geeinigt. Angesichts der Coronavirus-Epidemie sind in Kirchen maximal zehn Personen erlaubt. Um die Gottesdienste allen Gläubigen zugänglich zu machen, werden sie online übertragen. In den Kirchen dürfen sich daher außer dem Geistlichen und Kirchendienern auch Personen aufhalten, die sich um die Übertragung kümmern. Alle Anwesenden, außer den Geistlichen, müssen Schutzmasken tragen.

Auf dieses Vorgehen einigten sich Vertreter des Innenministeriums und des Allukrainischen Rats der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Es gilt nicht nur für die christlichen Osterfeiertage, sondern auch für das jüdische Pessachfest und den Anfang des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Das Innenministerium betonte, dass Gläubige die Gotteshäuser weiterhin individuell besuchen dürfen, wenn gerade kein Gottesdienst stattfindet. Allerdings darf sich vor dem Gebäude keine Schlange bilden. Um Osterspeisen zu segnen, sollen Geistliche in den Städten in Läden und Fabriken gehen, so dass die Gläubigen bereits gesegnete Speisen kaufen können. In den Dörfern können die Gläubigen die Osterspeisen vor die Tür stellen, wo sie von Priestern gesegnet werden. Die Polizei wird die Einhaltung der Regeln überwachen.

Diese Regelungen entsprechen der Forderung des Rats nach Präzisierungen der staatlichen Maßnahmen, er hatte zuvor eine uneinheitliche Umsetzung beklagt. Zudem hatte der Rat darauf hingewiesen, dass die Mahlzeiten- und Lebensmittelverteilung an Obdachlose und Bedürftige weitergehen müsse. Er schlug vor, jeweils mit den lokalen Behörden eine Vorgehensweise für das soziale Engagement von Religionsgemeinschaften und Freiwilligen auszuarbeiten.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskyj hatte in einer Ansprache an die Bevölkerung versichert, der Staat werde alles tun, damit die Menschen zuhause Ostern feiern können. Die Situation verlange, dass „wir unsere Traditionen zugunsten der Gesundheit und des Lebens ändern“. Der Staat werde alles daransetzen, um die TV-Übertragung von Gottesdiensten zu gewährleisten. Im Sinn der Nächstenliebe rief Selenskyj dazu auf, die Gesundheit und das Leben der Nächsten nicht zu gefährden, und hoffe auf die Kooperation der Religionsgemeinschaften.

Der Hl. Synod der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) hat eigene Empfehlungen erlassen und ruft die Gläubigen ebenfalls auf, zuhause zu bleiben und die Gottesdienste über verschiedene Medien mitzuverfolgen. Vom massenhaften Segnen von Weidenkätzchen und Osterspeisen rät er ab. Osterspeisen sollen entweder bei Gläubigen zuhause oder bereits vor dem Verkauf gesegnet werden. Allerdings sollen individuelle Gläubige, die mit religiösen Bedürfnissen zur Kirche kommen, nicht abgewiesen werden. Großerzbischof Svjatoslav (Schevtschuk), das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK), versprach, Weidenzweige und Osterkörbe online zu segnen. Er warnte, dass an Ostern nur Geistliche und ihre Helfer in den Kirchen sein dürften, alle anderen müssten draußen bleiben und Abstand zueinander halten. Er rief zum gemeinsamen Gebet währen der Gottesdienstübertragung auf.

Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK), die dem Moskauer Patriarchat untersteht, hat Krankenhäusern in allen Regionen Coronavirus-Tests übergeben. In mehreren Regionen verteilte sie zusätzlich medizinische Schutzausrüstung. Außerdem rief Metropolit Onufrij (Berezovskij), das Oberhaupt der UOK, die Klöster auf, sich auf die Aufnahme von Covid-19-Patienten vorzubereiten. Im Kiewer Höhlenkloster jedoch sind zahlreiche Mönche selbst infiziert, am 13. April wurden über 90 bestätigte Fälle gezählt. Daraufhin stellte der Bürgermeister von Kiew den gesamten Klosterkomplex unter Quarantäne.

Die ukrainische Post liefert in der Karwoche auf Bestellung gratis bereits gesegnete Kulitsch (ein traditionelles Ostergebäck) nachhause. Die Segnung wird von der OKU und der UGKK übernommen.