Ukraine: Neue Bewegung zur „Vereinigung“ der orthodoxen Kirche

Zwischenfälle in Wolhynien

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Foto: © Denis Vitchenko (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Mittlerweile hat die Website des Außenamts des Moskauer Patriarchats mehrere Fälle von Übergriffen auf Einrichtungen der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Wolhynien detailliert geschildert (bisher waren solche Berichte über Vorgänge in der Ukraine unterblieben). Einmal ging es um den „Transfer“ von zwei Gotteshäusern der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Berestetschko und in Borowitschi an die „Orthodoxe Kirche der Ukraine“. In beiden Orten hatten die örtlichen Pfarrgemeinden an ihrer Zugehörigkeit zur ukrainisch-orthodoxen Kirche festgehalten, obwohl „Sympathisanten“ der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ sich im Februar 2019 der Gotteshäuser bemächtigt hatten. Aber erst Ende Mai des heutigen Jahres wurde auf der Website der wolhynischen Regionalverwaltung – mit Unterschrift des Vorsitzenden Jurij Poguljajko – der „Transfer“ der beiden Gotteshäuser vermerkt. Dies dürfte Aufmerksamkeit ausgelöst haben, weil es ungewöhnlich war. Seit der Abwahl des früheren ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ist es praktisch nicht mehr zu „Transfers“ von Gotteshäusern an die neugegründete „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ gekommen.

Auf der Website des Außenamts des Moskauer Patriarchats wurde aber auch über die Auseinandersetzung um das Pfarrhaus von Sadow – ebenfalls in Wolhynien – berichtet. „Sympathisanten“ der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ hatten im Februar 2019 die örtliche Pfarrkirche „beschlagnahmt“, im Herbst des Vorjahrs bedrängten Jugendliche aus dem Sympathisantenkreis der neuen Kirche den örtlichen Pfarrer, Erzpriester Wladimir Meles, und bedrohten ihn mit Waffengewalt, damit er mit seiner Familie das Pfarrhaus räume. Örtliche Verantwortliche engagierten eine Notarin, die unter Nichtbeachtung der gesetzlichen Vorschriften einen „Eigentümer-Transfer“ des Pfarrhauses bestätigte. Der Erzpriester erstattete daraufhin Anzeige bei der örtlichen Polizei, die sich zunächst taub stellte und erst aktiv wurde, als Meles das Bezirksgericht in Lutsk einschaltete.

En dritter Vorfall, der auf der Website des Außenamts des Moskauer Patriarchats geschildert wurde, ereignete sich am 30. Mai in Luka Meleschkowskaja im Bereich von Winnitsa. Dort hatte es bereits im Vorjahr Versuche von „Sympathisanten“ der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ gegeben, die örtliche Verklärung Christi-Pfarrkirche unter ihre Kontrolle zu bringen. Im März des Vorjahrs versuchten die „Sympathisanten“, die Feier der Göttlichen Liturgie unter Leitung von Erzbischof Warsonofij von Winnitsa in Luka Meleschkowskaja zu verhindern, wurden aber von den Gläubigen vertrieben. Die Situation war besonders heikel, weil Erzbischof Warsonofij vom Heiligen Synod der ukrainisch-orthodoxen Kirche als Nachfolger des abgesetzten Metropoliten Simeon (Schostatskij) zum Oberhirten von Winnitsa ernannt worden war. Schostatskij, ein persönlicher Freund des damaligen Präsidenten Petro Poroschenko, war einer der beiden Bischöfe der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, die sich am sogenannten „Vereinigungskonzil“ am 15. Dezember 2018 beteiligten und zur neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ übergingen. Erzbischof Warsonofij schrieb nach den Zwischenfällen in Luka Meleschkowskaja einen geharnischten „Offenen Brief“ an den damals noch amtierenden Präsidenten Poroschenko.

In den letzten Monaten ist es in Luka Meleschkowskaja immer wieder zu harten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der beiden ukrainischen orthodoxen Kirchen gekommen. Die Gläubigen der ukrainisch-orthodoxen Kirche hätten „Tag und Nacht“ ihr Gotteshaus verteidigen müssen, wird auf der Website des Außenamts des Moskauer Patriarchats ein Bericht des Diözesanpressedienstes von Winnitsa zitiert. Am 30. Mai bedrohten die „Sympathisanten“ den Pfarrer von Luka Meleschkowskaja, den Erzpriester tatarischer Abstammung Wasilij Almuhamed, beschimpften ihn und die ganze Moskauer Kirche und versuchten, die Kirche abzusperren.