Ukraine: Poroschenko kündet „Vereinigungskonzil“ für 15. Dezember an

Hohe Auszeichnungen für zwei Metropoliten der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats

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Foto: © Elya (talk) (Quelle: Wikimedia; Lizenez: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kiew, 05.12.18 (poi) Überraschend hat der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko am Dienstag bei einer Veranstaltung in Kiew angekündigt, dass das „Vereinigungskonzil“ zur Gründung der neuen ukrainischen orthodoxen Kirche am 15. Dezember in der Hagia Sophia in Kiew stattfinden wird. Die Ankündigung löste Überraschung aus, weil der Präsident keine kirchlichen Versammlungen ankündigen kann und weil es der Heilige Synod von Konstantinopel bei seiner am 29. November zu Ende gegangenen Tagung bewusst vermieden hatte, ein Datum zu nennen. Bei dem „Vereinigungskonzil“ soll ein Primas der neuen Kirche gewählt werden, der dann aus der Hand des Ökumenischen Patriarchen den „Tomos“ (das Dekret) über die Zuerkennung der Autokephalie an die neue Kirche empfangen wird.

Der Heilige Synod des Patriarchats von Konstantinopel hatte bei seiner jüngsten Tagung laut Kommunique den Entwurf eines Statuts für die neue autokephale Kirche erarbeitet. Zuvor hatte der Synod am 11. Oktober den Synodalbrief von 1686 aufgekündigt, durch den die Kiewer Metropolie Moskau unterstellt worden war. Zugleich rehabilitierte der Heilige Synod von Konstantinopel die beiden von Moskau verurteilten Bischöfe Filaret (Denisenko) und Makarij (Maletytsch). Bereits am nächsten Tag – 12. Oktober – forderte das von Filaret (Denisenko) geleitete sogenannte „Kiewer Patriarchat“ die Bischöfe dieser Gemeinschaft und die Bischöfe der von Makarij (Maletytsch) geleiteten „ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“ auf, sich auf ein „Vereinigungskonzil“ vorzubereiten. Am 3. November unterzeichneten Staatspräsident Poroschenko und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. eine Übereinkunft über die Zusammenarbeit zwischen dem ukrainischen Staat und dem Ökumenischen Patriarchat. Am 19. November wurde eine Mitteilung des Ökumenischen Patriarchats veröffentlicht, wonach das Kiewer „Vereinigungskonzil“ im Dezember abgehalten werden sollte. Am 29. November berichtete das Kommunique über die bisher letzte Sitzung des Heiligen Synods von Konstantinopel zwar über die Verabschiedung eines Entwurfs für ein Statut der neuen ukrainischen Kirche, machte aber keine Angaben über ein Datum für das „Vereinigungskonzil“.

Mittlerweile hat Präsident Poroschenko am 2. Dezember zwei Metropoliten der ukrainisch-orthododoxen Kirche des Moskauer Patriarchats mit einem der höchsten ukrainischen Orden ausgezeichnet. Bei den beiden Ausgezeichneten handelt es sich um Metropolit Sofronij (Dmytruk) von Tscherkasy, einen persönlichen Freund des Präsidenten und Befürworter einer neuen autokephalen orthodoxen Kirche in der Ukraine und Metropolit Anatolij von Sarnensk (der 2014 ein Memorandum über eine vereinigte ukrainische Kirche unterzeichnet, aber seine Unterschrift später wieder zurückgezogen hatte). Beide Metropoliten wurden im Hinblick auf ihren Beitrag zur „sozio-ökonomischen, technischen, kulturellen und bildungsmäßigen Entwicklung der Ukraine“ ausgezeichnet.

Der Vorsitzende der Werchowna Rada (des ukrainischen Parlaments),  Andrij Parubiy, erklärte am Montag, er trete dafür ein, dass die Hagia Sophia in Kiew in Zukunft für die Gottesdienste der neu zu gründenden ukrainischen orthodoxen Kirche unter dem Omophorion des Patriarchen von Konstantinopel zur Verfügung stehen soll.

 

Moskauer Kirche weiterhin ablehnend

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats wird am 15. Dezember nicht am „Vereinigungskonzil“ in Kiew teilnehmen. Dies betonte der Leiter der Informationsabteilung der ukrainisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Kliment (Wetscherja), am Mittwoch im Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur TASS: „Unsere Haltung hat sich nicht verändert. Die ukrainisch-orthodoxe Kirche wird an dem Konzil nicht teilnehmen, da die Bestrebungen zur Gründung einer autokephalen ukrainischen Kirche nicht den kanonischen Normen entsprechen“. Von den 90 Bischöfen der ukrainisch-orthodoxen Kirche haben sich 87 gegen das „Vereinigungskonzil“ ausgesprochen.

Die griechische Website „orthodoxia.info“, die dem Ökumenischen Patriarchat nahesteht, bestätigte am Mittwoch, dass das „Vereinigungskonzil“ am 15. Dezember stattfinden wird. Der Pariser Metropolit, Emmanuel (Adamakis), werde den Vorsitz führen, das Konzil werde in der Kiewer Hagia Sophia stattfinden.  Nach Angaben von Präsident Poroschenko hat der Ökumenische Patriarch Einladungsbriefe an alle Bischöfe des sogenannten „Kiewer Patriarchats“, der sogenannten „ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“ und der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats versendet.