Ukraine: Ukrainische Autokephalie als Vorbild für andere orthodoxe Kirchen?

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Foto: © Олег Чупа (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

29. August 2019 (NÖK) Im August haben sich die Teilnehmer einer Konferenz im ukrainischen Tschernigov für die Autokephalie der orthodoxen Kirche in Belarus ausgesprochen. Dies fordert insbesondere die von der Weltorthodoxie nicht anerkannte Belarussische Autokephale Orthodoxe Kirche (BAOK), die in Belarus auch nicht als Religionsgemeinschaft registriert ist, ihre wenigen Gemeinden agieren illegal. In den USA jedoch gibt es mehrere registrierte Gemeinden, die auch über Kirchengebäude verfügen. Die kanonische Weißrussische Orthodoxe Kirche (WOK) untersteht dem Moskauer Patriarchat.

Das Oberhaupt der BAOK, Erzbischof Svjatoslav (Login), argumentierte in seinem Vortrag, das Beispiel der Ukraine sei auch auf Belarus anwendbar. Die Verleihung der Autokephalie an die ukrainische Kirche bedeute, dass auch Belarus das Recht auf vollständige Selbstständigkeit habe. Allerdings fehle die zweite Bedingung für die Autokephalie, nämlich die staatliche Unterstützung, in Belarus bisher, fügte Svjatoslav hinzu. An der Konferenz nahmen Vertreter der BAOK und der Anfang 2019 gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) sowie Vertreter der Intelligenzija und der Zivilgesellschaft teil. Die Vertreter der beiden Kirchen feierten auch einen gemeinsamen Gottesdienst. Kritiker weisen darauf hin, dass lediglich die nationalistische Intelligenzija die weißrussische Autokephalie unterstützte.

Die BAOK ist nicht die einzige Kirche, die das Modell der Ukraine auf sich anwenden möchte. Ähnliche Bestrebungen nach einer autokephalen Kirche gibt es auch in Nordmakedonien und Montenegro, wo sich jeweils eine Kirche von der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) abgespalten hat. Im Mai hat der Bischofsrat der SOK entschieden, den Dialog mit der nicht anerkannten Makedonischen Orthodoxen Kirche (MOK) wieder aufzunehmen, der seit einem gescheiterten Abkommen 2002 unterbrochen ist. Erzbischof Jovan (Vraniškovski) von Ohrid, früher selbst ein Bischof der MOK, der sich 2002 der SOK anschloss, bestätigte in einem Interview, dass derzeit zu keinem Mitglied des Hl. Synods der MOK direkte Kontakte bestünden. Einen Beginn des Dialogs hält er für unmöglich, solange die MOK „auf zwei Stühlen“ sitze und Unterstützung bei anderen Kirchen suche – erst bei der Bulgarischen Orthodoxen Kirche, dann beim Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Das Ökumenische Patriarchat habe zudem nicht die Kompetenz, zwischenkirchliche Konflikte zu lösen, dazu brauche es ein Konzil. Zwar glaubt Jovan nicht, dass das Ökumenische Patriarchat sich auf dem Balkan einmischen werde, aber „nach dem, was in der Ukraine passiert ist, kann man alles erwarten“.

Unterstützung erhält die SOK in Montenegro aus der Ukraine. Metropolit Onufrij (Berezovskij), das Oberhaupt der dem Moskauer Patriarchat unterstehenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), drückte dem für Montenegro zuständigen Metropoliten Amfilohije (Radović) sein Mitgefühl wegen der „Diskriminierung“ der SOK in Montenegro aus. Dabei bedauerte Onufrij insbesondere ein umstrittenes neues Religionsgesetz und die Haltung der Behörden gegenüber der SOK. Da die UOK noch immer „von gewissen Vertretern unseres ukrainischen Staates Verfolgungen unterworfen ist“, könne sie mit dem Leiden der montenegrinischen Gläubigen besonders gut mitfühlen.