Ukraine: UOK stellt sich hinter Selenskyjs Friedensbemühungen

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Foto: © Ukrinform TV (Quelle: Wikimedia: Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

9. Januar 2020 (NÖK) Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK), die dem Moskauer Patriarchat untersteht, begrüßt die Friedensinitiativen des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Selenskyj zur Eindämmung des Konflikts im Osten der Ukraine. Die Mitglieder des Hl. Synods der UOK hätten eindeutig festgehalten, dass „Frieden im Donbass die ersehnteste Erwartung und ein Anliegen der Millionen von Anhängern der UOK ist“, erklärte der Geschäftsführer der UOK, Metropolit Antonij (Pakanič) von Borispol, Ende Dezember in einem Interview.

Mit Blick auf das neue Jahr sagte Antonij, in der UOK hoffe man auf positive Veränderungen im Donbass. Die UOK „betet dafür, dass es unserem Land gelingt, im Osten einen Waffenstillstand und einen vollständigen Gefangenenaustausch zu erzielen“. Am 8. Dezember sei daher in allen Kirchen der UOK für Frieden in der Ostukraine gebetet worden. Mit Blick auf die innerorthodoxen Spannungen, die durch die Verleihung der Autokephalie an die Ende 2018 gegründete Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) ausgelöst wurden, erklärte Antonij, der Hl. Synod hoffe, dass die Initiative des Patriarchen von Jerusalem für ein Treffen der orthodoxen Oberhäupter zustande komme.

Im Jahr 2019 ist laut Metropolit Antonij die Zahl der Gemeinden der UOK um fast 250 auf 12‘338 angewachsen. Den Angaben von Vertretern der OKU und verschiedener Journalisten und Politiker, dass 500 Gemeinden der UOK zur OKU gewechselt hätten, widersprach er vehement und bezeichnete diese als „offene Manipulation“. Die Zahl der Gemeinden, die bewusst und willentlich die Jurisdiktion gewechselt hätten, bezifferte er mit lediglich 84. Die überwiegende Mehrheit der Übertritte sei entweder auf eine gewaltsame Besetzung von Kirchengütern durch die OKU oder eine der Gesetzeslage widersprechende Umregistrierung von Gemeinden zurückzuführen. Die UOK beabsichtigt laut Antonij, ihr Eigentum auf allen juristischen Ebenen und nötigenfalls vor europäischen Gerichten zu verteidigen.

Demgegenüber erklärte das Oberhaupt der OKU, Metropolit Epifanij (Dumenko), gegenüber Radio Free Europe, dass im letzten Jahr gar 600 Gemeinden von der UOK zur OKU übergetreten wären. Zudem erwartet er eine weitere „Welle“ von Übertritten. Er betonte aber auch, dass die Übertritte friedlich und freiwillig erfolgen sollten, die OKU sei nicht auf eine Konfrontation aus. In einem anderen Interview hielt Epifanij es außerdem für möglich, dass 2020 weitere orthodoxe Lokalkirche die OKU offiziell anerkennen. Bisher haben nur das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, die Orthodoxe Kirche von Griechenland und das Patriarchat von Alexandria die OKU anerkannt. Epifanij glaubt, dass die orthodoxen Kirchen von Rumänien, Zypern, Bulgarien und Georgien sich dazu entschließen könnten, da sie das Thema zumindest öffentlich diskutierten. In diesem Prozess werde es Kämpfe geben, doch bereits jetzt seien Ereignisse – die Vereinigung in der OKU, der Erhalt der Autokephalie, die Anerkennung durch Lokalkirchen – eingetreten, von denen viele behauptet hätten, sie würden nie geschehen.

Metropolit Onufrij (Berezovskij), das Oberhaupt der UOK, legte bei der jährlichen Versammlung der Eparchie Kiew erneut seine Position zu den Entwicklungen der Orthodoxie in der Ukraine dar und verurteilte das Vorgehen des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios. Geistliche und Laien der UOK rief er auf, sich nicht zu fürchten, da sie Teil der „wahren Kirche“ seien. Onufrij erinnerte daran, dass die Kirche „in ihrer Geschichte mehrfach ähnliche Erschütterungen überlebt hat“. Doch temporäre Schwierigkeiten hätten die „wahrhaft Gläubigen gestärkt“, die Kirche habe alle Bedingungen und Herausforderungen überlebt. Es sei nötig, „ohne überflüssige pathetische Worte seine Arbeit zu tun“ und mutig den Glauben zu verteidigen.