Ukrainisch-orthodoxer Primas betont parteipolitische Neutralität seiner Kirche

Metropolit Onufrij in Interview zum Fest der „Taufe der Rus“: „Wir erwarten nur, dass Recht und Gerechtigkeit herrschen und alle vor dem Gesetz gleich sind“

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Foto: © The Synodal information and educational Department (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Kiew, 28.07.19 (poi) Die parteipolitische Neutralität der ukrainisch-orthodoxen Kirche hat deren Oberhaupt, Metropolit Onufrij (Berezowskij) von Kiew, in einem großen Interview mit dem ukrainischen TV-Sender „Inter“ betont. Wörtlich sagte der Metropolit: „Die Kirche kann keiner Partei dienen, sie ist nicht ‚parteiisch‘. Wenn wir einer Partei dienen würden, wären wir genauso eine politische Organisation wie die Partei. Die Kirche dient allen, wir sind alle gleich vor Gott, wir sind alle Kinder Gottes“.

Zugleich betonte Metropolit Onufrij, dass er nur der Kirche gehorsam sei. Als Kirchenmann habe er aber auch die Pflicht, mit Politikern und Unternehmern in einen Dialog zu treten, auch wenn diese nicht orthodox sind. Aufgabe eines Primas der Kirche sei es, im Gespräch mit den Nichtorthodoxen die Reinheit seines orthodoxen Glaubens nicht in Gefahr zu bringen: „Wenn ich mit Unternehmern verhandle, soll ich nicht zum Unternehmer werden, wenn ich mit Politikerin im Gespräch bin, nicht zum Politiker. Ich muss Gottes Diener bleiben, ein Diener der Kirche Jesu“.

Bereits am 17. Juli hatte Metropolit Onufrij in einem Interview mit dem TV-Sender „Ukraina“ klar gemacht, dass seine Kirche von den Behörden nicht bevorzugt werden oder Vorteile erhalten will: „Wir erwarten nur, dass Recht und Gerechtigkeit herrschen und alle vor dem Gesetz gleich sind“. Ausdrücklich lud der Metropolit aber die Gläubigen seiner Kirche im „Ukraina“-Interview ein, dem  neugewählten Präsidenten Wladimir Selenskij zu helfen, seine guten Absichten zu verwirklichen.

In dem Interview mit „Inter“  legte das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche auch den Unterschied zwischen der „kanonischen Kirche“ und den „nichtkanonischen Organisationen“ dar, der in der kirchenpolitischen Diskussion der Ukraine eine große Rolle spielt. So wie jeder Staat eine Verfassung habe und alle Bürger dieses Staates die Verfassung respektieren müssen, so habe auch die Kirche eine Verfassung, die „Kanones“, die von den Konzilien erlassenen Kirchengesetze, stellte Metropolit Onufrij fest: „Wenn wir diese Kirchengesetze respektieren, dann sind wir die kanonische Kirche. Wer die Kirchengesetze verletzt, wird nicht bestraft, wie das im staatlichen Bereich der Fall wäre, denn das entspricht nicht den Methoden der Kirche. Vielmehr werden von der Kirche Gebet und eucharistische Gemeinschaft mit ihm aufgehoben. Er steht außerhalb“.

Metropolit Onufrij lud die Gläubigen ein, das Regelwerk der Kirche aufmerksam zu studieren. Dabei sei immer zu bedenken, dass die „Kanones“ zwar von Menschen geschrieben wurden, „aber unter dem Einfluss des Heiligen Geistes“: „Wer die ‚Kanones‘ annimmt, wird mit der Gnade des Heiligen Geistes erfüllt, wer sie verletzt, dem wird diese Gnade entzogen“.

Anlass für das Interview des Metropoliten – der nur sehr selten medial in Erscheinung tritt – war das Fest der „Taufe der Kiewer Rus“.