Umwandlung der Hagia Sophia beschäftigt die Weltpolitik

Erzbischof Elpidophoros im Weißen Haus – Telefonat zwischen dem griechischen Regierungschef Mitsotakis und Präsident Putin – Klare Aussagen des Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Public domain)

Washington-Moskau-Athen, 24.07.20 (poi) Die Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee beschäftigt die Weltpolitik. Der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Amerika, Elpidophoros (Lambriniadis), ist am Donnerstag im Weißen Haus in Washington mit US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident Michael Pence zusammengetroffen, um das Problem der Statusänderung der einstigen Kathedrale von Konstantinopel und ihrer Rückumwandlung in eine Moschee darzulegen. Nach dem Treffen sagte Erzbischof Elpidophoros, er sei dankbar, dass er den beiden Spitzenpolitikern die „tiefe Bestürzung“ über die Vorgänge am Bosporus vermitteln konnte, aber auch die Sorge über die Sicherheit des Ökumenischen Patriarchats und generell die Situation der Religionsfreiheit in der Türkei. Er hoffe, dass die Causa Hagia Sophia auf der höchsten Regierungsebene bedacht und dann entsprechend gehandelt wird.

Präsident Trump brachte im Gespräch mit dem Erzbischof seine tiefe Enttäuschung über die Entscheidung seines türkischen Amtskollegen Recep T. Erdogan zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zum Ausdruck. Ebenso unterstrich er seine Sorge im Hinblick auf den Schutz der Menschenrechte, vor allem der Religionsfreiheit der Minderheiten, in der Türkei. Zugleich bekundete er seine Unterstützung für das Ökumenische Patriarchat und für Patriarch Bartholomaios I.

Erzbischof Elpidophoros hatte ursprünglich nur einen 30-Minuten-Termin bei Vizepräsident Pence. Als Trump erfuhr, dass der Erzbischof – in Begleitung von Erzpriester Alexander Karloutsos, dem Verbindungsmann der orthodoxen Erzeparchie Amerika zur Regierung – im Weißen Haus sei, lud er Elpidophoros (Lambriniadis)  spontan in sein Büro ein. Das Gespräch dauerte 15 Minuten.

Tags zuvor hatte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in Sachen Hagia Sophia den russischen Präsidenten Wladimir Putin angerufen. Im Kommunique des Kremls hieß es, Mitsotakis und Putin hätten die „außerordentliche kulturelle, historische und spirituelle Bedeutung“ dieser einmaligen Welterbe-Stätte hervorgehoben. Zudem hätten sie betont, dass die Hagia Sophia als ein „universaler Besitz“ und ein „Symbol des Friedens und der Eintracht“ bewahrt werden müsse. In dem Telefonat seien aber auch verschiedene Probleme des Mittelmeer-Raums behandelt worden, wie die Entwicklung in Libyen und die Situation am östlichen Mittelmeerufer. Ebenso seien Möglichkeiten zur Vertiefung der russisch-griechischen Zusammenarbeit erörtert worden.

Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EPP) im Europäischen Parlament, Manfred Weber, sagte am Donnerstag, es sei Zeit zu handeln und auch Sanktionen gegen die Türkei zu überlegen. Er bezog sich auf die militärischen Aktionen Ankaras in Syrien und Libyen und auf die Entscheidung zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Der deutsche Parlamentarier bezeichnete es als „Beispiel des religiösen Chauvinismus“, dass der Status eines „solchen Symbols und Monuments des Friedens und der Versöhnung“ jetzt verändert wurde.

Bei der Hagia Sophia gehe es nicht um einen „griechisch-türkischen oder zypriotisch-türkischen Streitfall“, sondern um einen Streitfall zwischen Europa und der Türkei. Er wolle in Gegenwart des Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, betonen, dass Europa „klare Botschaften“ verkünden müsse und dass „wir an der Seite der Griechen und der Zyprioten stehen“.

Abschließend stellte Weber fest, die „Kanäle des Dialogs“ müssten offen bleiben, aber es sei jetzt „Zeit zu handeln“.