„Unbehagen“ wegen unierter Göttlicher Liturgie in der Kiewer Hagia Sophia

„Ehrenpatriarch“ Filaret „besorgt“ über mögliche negative Reaktionen im orthodoxen Volk – „Griechisch-katholische Liturgie in der Hagia Sophia ist so, als wenn ein orthodoxer Primas im römischen Petersdom zelebrieren würde“

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Foto: © Embassy of the United States Kyiv, Ukraine (Quelle: Wikimedia; Lizenz: work of the U.S. federal government/public domain)

Kiew, 26.02.19 (poi) Die Genehmigung für die griechisch-katholische Feier der Göttlichen Liturgie zum Fest Mariä Verkündigung (7. April) in der Kiewer Hagia Sophia hat beim „Ehrenpatriarchen“ der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, Filaret (Denisenko), Unbehagen ausgelöst. Vorsteher der Liturgie wird der unierte griechisch-katholische Großerzbischof von Kiew und Halytsch, Swjatoslaw Schewtschuk, sein, dem Kulturminister Eugen Nyschtschuk persönlich die Genehmigung erteilt hatte; die Hagia Sophia ist wie in kommunistischen Zeiten nach wie vor Staatseigentum und Museum. In einem Offenen Brief auf der Website des „Kiewer Patriarchats“ appellierte Filaret an den griechisch-katholischen Großerzbischof, auf die Feier der Liturgie in der Hagia Sophia zu verzichten. Denn die griechisch-katholische Liturgie in der Hagia Sophia sei so, als „wenn ein orthodoxer Primas im römischen Petersdom die Göttliche Liturgie zelebrieren würde“. Nach orthodoxem Kirchenrecht ist es an sich verboten, dass Nichtorthodoxe an einem „orthodoxen Altar“ zelebrieren.

In seiner Botschaft bezeichnete Filaret die Absicht der Unierten, in der orthodoxen Hagia Sophia das Fest Mariä Verkündigung zu feiern, als „unüblich“. Die Unierten hätten nie in der Hagia Sophia Gottesdienst feiern können. Auch wenn die Kathedrale offiziell noch Museum sei, habe doch hier die Amtseinführung des Primas der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, Metropolit Epifanij (Dumenko), stattgefunden. Von unierter Seite wird aber darauf hingewiesen, dass die Hagia Sophia in Kiew in der Zeit der polnisch-litauischen Doppelrepublik nach der „Union von Brest“ von 1596 einige Zeit der griechisch-katholischen Kirche diente.

Der „Ehrenpatriarch“ betonte seine Sorge über mögliche negative Reaktionen im orthodoxen Volk, wenn in der Hagia Sophia eine griechisch-katholische Liturgie stattfinde. Gerade jetzt, da die Ukraine um ihre Integrität „im Osten des Landes“ kämpfe, seien „Frieden und Einheit in der Gesellschaft“ notwendig. Außerdem bestehe die Gefahr, dass „Russland die Situation um die Hagia Sophia benützt, um Provokationen zu lancieren“. Daher dränge er darauf, dass der unierte Großerzbischof die Idee einer griechisch-katholischen Göttlichen Liturgie in der Hagia Sophia aufgibt. Er  hoffe aber darauf, dass sich die Beziehungen zwischen der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ und der unierten griechisch-katholischen Kirche weiterhin gut entwickeln.

Laut Mitteilung der Informationsabteilung der griechisch-katholischen Erzeparchie respektiere man die Meinungen „unserer orthodoxen Brüder“. In einem Treffen zwischen Großerzbischof Schewtschuk und Metropolit Epifanij werde man nach einer Lösung suchen.

Nach dem Offenen Brief Filarets war am Samstag auf der Website des Kulturministeriums eine Nachricht erschienen, es gebe im Hinblick auf mögliche negative Auswirkungen auf das Museum keine Erlaubnis für den unierten Gottesdienst in der Hagia Sophia. Die Nachricht verschwand aber sofort wieder.