UNESCO verfolgt die Causa Hagia Sophia

Bisher keine Antwort aus Ankara auf Anfragen der UN-Organisation – Bei Entscheidungen über den Status eines Welterbedenkmals ist Befassung des zwischenstaatlichen UNESCO-Komitees für die „Bewahrung des unantastbaren kulturellen Erbes“ notwendig

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Foto: © Guilhem Vellut (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Paris-Athen, 28.06.20 (poi) Die UNESCO untersuche die Angelegenheit einer neuerlichen Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee seit den ersten diesbezüglichen Ankündigungen: Dies erklärte der stellvertretende UNESCO-Generaldirektor für Kulturfragen (und frühere chilenische Kulturminister) Ernesto Ottone Ramirez in einem Interview mit der griechischen Tageszeitung „Ta Nea“. Die UNESCO habe sich Anfang Juni schriftlich an die zuständigen türkischen Behörden gewandt, bislang sei aber keine Antwort eingetroffen. Die Weltkulturerbe-Konvention lege fest, dass vor einer Entscheidung über den Status eines Welterbedenkmals – wie etwa auch die Hagia Sophia eines ist – eine Befassung des zwischenstaatlichen UNESCO-Komitees für die „Bewahrung des unantastbaren kulturellen Erbes“ notwendig ist.

Wörtlich stellte der chilenische Diplomat in dem Interview fest: „Wir warten auf eine Antwort auf eine Reihe von Fragen, die wir den zuständigen türkischen Behörden gestellt haben. Wenn ein Mitgliedsstaat, etwa in diesem Fall Griechenland, unserer Organisation eine auf ein bestimmtes Welterbedenkmal bezügliche Anfrage vorlegt, muss die Sache an den Staat weitergeleitet werden, wo sich das Denkmal befindet, also an die Türkei, und danach warten wir auf Antwort“. Die UNESCO werde jedenfalls fortfahren, Anfragen an Ankara zu richten, „bis wir eine Antwort bekommen“. Die Angelegenheit werde auch auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Komitees für die „Bewahrung des unantastbaren kulturellen Erbes“ stehen. Die Weltkulturerbe-Konvention sehe vor, dass den zuständigen Stellen bei Veränderungen im Status eines der 1.241 von der UNESCO anerkannten Weltkulturerbedenkmale entsprechende Berichte unterbreitet werden müssen.

Die UNESCO sei von „dritter Seite“ auf die Causa Hagia Sophia aufmerksam gemacht worden – und zwar nicht nur durch Griechenland, sondern auch durch relevante Feststellungen einer zivilgesellschaftlichen Organisation, sagte Ottone Ramirez.

Wie „Orthodox Times“ berichtet, hat sich jetzt auch die „Union der Klerusvereinigungen“ der semi-autonomen orthodoxen Kirche von Kreta zu Wort gemeldet und eindringlich an die türkische Regierung appelliert, von Plänen zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee Abstand zu nehmen. Das sei das Anliegen der orthodoxen Christen in aller Welt. Zugleich bekundete die „Union der Klerusvereinigungen“ ihre Unterstützung für die Haltung des Ökumenischen Patriarchen, der seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht hat, dass „Klugheit, politische Reife und der Respekt für universale Werte im Hinblick auf Kultur und religiösen Pluralismus die Oberhand behalten werden“.