Ungarn: Bischöfe äußern sich zu drängenden sozialen Fragen

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Foto: © Thomas Schoch (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Die ungarischen Bischöfe haben in einem Hirtenbrief zu den „drängendsten“ gesellschaftlichen Fragen – Armut, Bildung, demografische Herausforderungen und Migration – Stellung bezogen. Das Hirtenwort mit dem Titel „Erneuerung in Liebe“ vom 13. November dient der Vorbereitung auf den Internationalen Eucharistischen Weltkongress, der im September 2020 in Budapest stattfinden wird. Der Hirtenbrief ist das erste Sozialrundschreiben des ungarischen Episkopats seit Mitte der 1990er Jahre.

Besonders kritisch äußern sich die Bischöfe zur Armutsfrage und zum „sichtbaren Elend“ in Ungarn. Es sei sowohl für die Gesellschaft als auch für die Kirche eine dringende Aufgabe, Arme, Alte und Schwache zu unterstützen. Insbesondere müsse dringend den ca. 20‘000 Obdachlosen in Ungarn und den Roma geholfen werden. Das Problem der Armut betreffe aber auch zahlreiche Familien mit Kindern. Angesichts vieler allein lebender älterer Menschen fordern die Bischöfe, Pflegeberufe aufzuwerten und pflegende Angehörige vermehrt zu unterstützen.

Kritisch verweisen die Bischöfe in ihrem Hirtenwort darauf, dass eine große Zahl junger Ungarn seit der Wende 1989 wegen Arbeitslosigkeit und fehlenden Verdienstmöglichkeiten aus ihrem Heimatland ausgewandert ist. Dies habe dazu geführt, dass familiäre Gemeinschaften nicht mehr so stark seien wie früher. Die Solidarität zwischen den Generationen sei geschwächt.

Beim Thema Migration und Flucht sprechen sich die Bischöfe dafür aus, ärmeren Ländern wirtschaftliche und professionelle Hilfe zu leisten, um den Menschen vor Ort ein würdiges Leben zu ermöglichen. Wenn aber das Recht auf persönliche Sicherheit und ein menschenwürdiges Leben stark gefährdet seien, hätten Menschen auch das Recht, auszuwandern. Gleichzeitig müsste der Aufnahmestaat „abwägen, wie viele Einwanderer er aufnehmen kann, damit Sicherheit und Existenzgrundlage nicht direkt bedroht ist“, so die Bischöfe. „Der Staat hat das Recht, Asylbewerber an der Grenze aufzuhalten und über ihre Anträge zu entscheiden.“ Außerdem müssten sich Flüchtlinge an die Gesetze der Aufnahmeländer halten und die dortige Kultur respektieren.

Vor dem Hintergrund der „demografischen Krise“ mahnt der ungarische Episkopat ausdrücklich eine Förderung der Familie und des Lebensschutzes aus. Die Bischöfe unterstrichen das kirchliche Nein zu Abtreibung und Verhütungsmitteln und rufen zur Hilfe für Schwangere auf. Zudem betonen sie den Wert des christlichen Familienbildes und der Ehe zwischen Mann und Frau. In einer ständigen Anwesenheit der Mutter im ersten Lebensjahr nach der Geburt sehen die Bischöfe zudem „die beste Garantie“ für eine gute Entwicklung von Kindern. Es müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Mütter ihre Kinder zu Hause betreuen könnten, heißt es im Hirtenbrief. Gefordert wird zudem eine bessere finanzielle Abgeltung von familiär erbrachten Kinderbetreuungsleistungen.

Zum „Fest der unschuldigen Kinder“ am 28. Dezember bekräftigte die Ungarische Bischofskonferenz in einem weiteren Hirtenbrief die Ablehnung der Abtreibung durch die katholische Kirche. Dabei verwies sie auf einen früheren Hirtenbrief, der anlässlich der Legalisierung der Abtreibung in Ungarn am 12. September 1956 publiziert worden war, und betonten dessen andauernde Gültigkeit. In dem Schreiben betonen die Bischöfe, dass es immer eine Alternative zum Schwangerschaftsabbruch gebe, auch wenn dieser bei schwierigen Situationen der Frauen als naheliegende Lösung gelte. Die betroffenen Frauen brauchten Hilfe und sollten ermutigt werden, „Hilfe bei ihrer Großfamilie, den staatlichen und kirchlichen sozialen Netzwerken zu suchen“; zudem sei auch die Freigabe zur Adoption ein gangbarer Weg. Die Bischöfe sehen die Väter, Familien und das soziale Umfeld in der Verantwortung. Sie sollten die Mütter unterstützen und jedes Kind annehmen. (NÖK, mit Material von Kathpress)