Ungarn: Ilarion trifft Präsident Orbán und betont „christliche Wurzeln“ Europas

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Foto: © Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

12.09.2019 (NÖK) Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, ist bei einem Besuch in Ungarn mit Ministerpräsident Viktor Orbán zusammengetroffen. In ihrem Gespräch gingen sie auf Fragen nach dem Platz und der Rolle des Christentums in der heutigen Welt ein. Dabei besprachen sie auch die Situation der Gläubigen in der Ukraine. Sie betonten die guten und konstruktiven Beziehungen zwischen dem Moskauer Patriarchat und der ungarischen Regierung, die sich gegenüber der Tätigkeit der Gemeinden der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) in Ungarn wohlwollend verhalte.

Auf Vorschlag von Orbán erhielt Ilarion einen ungarischen Verdienstorden für die „unermüdliche Verkündung der Werte des Christentums und seiner Stärke bei der Konsolidierung der Gesellschaft, für das Gewinnen der jungen Generation für diese Werte, für die kirchendiplomatische Arbeit und das Mitwirken in der internationalen Zusammenarbeit christlicher Gemeinden“. Überreicht wurde ihm der Orden vom ungarischen Vize-Ministerpräsidenten Zsolt Semjén. Bei seinem Besuch traf Ilarion zudem Miklós Soltész, den Staatssekretär für Religion, nationale Minderheiten und Beziehungen zu den Bürgern. Im Gespräch ging es um den Bau und die Restaurierung von Kirchen der ungarischen Eparchie der ROK in verschiedenen Städten. Metropolit Ilarion zeigte sich erfreut, dass die Restaurierungsarbeiten an der Maria Entschlafens-Kathedrale in Budapest bis im März 2020 abgeschlossen sein sollen. Unterstützt wird die Restauration auch von der ungarischen Regierung, die Finanzmittel zum Wiederaufbau des Turms bereitstellte. Tags darauf besuchte Ilarion die Kathedrale und begutachtete den Fortschritt der Restaurationsarbeiten.

Anlass für den Besuch des Metropoliten war die Teilnahme an einem internationalen Forum christlicher Journalisten zum Thema „Das Christentum in der heutigen Welt“ in Budapest. Am Forum nahmen Vertreter verschiedener orthodoxer Lokalkirchen, der römisch-katholischen Kirche und protestantischer Gemeinschaften sowie staatliche und zivilgesellschaftliche Vertreter aus Ungarn teil. In seinem Vortrag rief Metropolit Ilarion die Journalisten dazu auf, christliche ethische Ideale in ihrem Beruf zu verwirklichen. Sie sollten sich in ihrer Arbeit von „Heuchelei, Betrug, dem Jonglieren mit Fakten, Parteilichkeit und Voreingenommenheit“ distanzieren. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Thema der Verfolgung von Christen in vielen Ländern. Das Problem habe „in den letzten Jahrzehnten ein globales Ausmaß“ erreicht, aber bis vor kurzem nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten.

Ein weiteres Thema seines Auftritts war die Verbindung zwischen Christentum und europäischer Identität. Dabei konstatierte er, dass die europäische Zivilisation aufgehört habe, europäisch zu sein, da die politische Führung der EU sich von deren Grundlagen – wobei die wichtigste das Christentum sei – losgesagt habe. Vielmehr würden das Christentum und seine Gläubigen in Europa diskriminiert. Das geschehe „vor dem Hintergrund eines ununterbrochenen Stroms von Flüchtlingen, vorwiegend aus afrikanischen oder nahöstlichen muslimischen Ländern“. Dies habe eine unausweichliche Veränderung der „religiös-ethnischen Landschaft Europas“ zur Folge. Zugleich lobte Ilarion Staaten, darunter Ungarn, die sich auf ihre „christlichen Wurzeln“ berufen und eine Position der christlichen Identität vertreten.