US-Außenminister Pompeo enttäuscht über türkische Entscheidung in Sachen Hagia Sophia

Gemeinsame Erklärung des orthodoxen Erzbischofs von Amerika, Elpidophoros (Lambriniadis), und des katholischen Erzbischofs von New York, Kardinal Timothy Michael Dolan

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Foto: © Julian Nitzsche (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Washington, 15.07.20 (poi) „Wir sind enttäuscht über die Entscheidung der türkischen Regierung im Hinblick auf die Hagia Sophia. Mehr habe ich nicht zu sagen“: Dies erklärte der US-amerikanische Außenminister Michael Pompeo auf Journalistenfragen, ob Washington daran denke, wegen der Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee Sanktionen gegen die Türkei zu verhängen. Pompeo hatte am 1. Juli – einen Tag vor der Sitzung des türkischen Verwaltungsgerichtshofs – mitgeteilt, Washington fordere die türkische Regierung auf, die Hagia Sophia weiterhin als Museum zu erhalten, als Beispiel für den Respekt vor den Glaubenstraditionen und unterschiedlichen geschichtlichen Gegebenheiten, die zum Entstehen der Republik Türkei beigetragen haben.
Das außerordentliche Bauwerk – das für alle zugänglich bleiben müsse – sei im Verlauf seiner „reichen und komplexen“ 1.500-jährigen Geschichte „ein Zeugnis der religiösen Ausdruckskraft und des künstlerischen und technischen Genius“ geworden, so Pompeo damals. Der Status als Museum habe es Menschen aus aller Welt erlaubt, dieses großartige Werk zu bewundern. Die US-amerikanische Regierung betrachte eine Veränderung des Status der Hagia Sophia als Minderung der Botschaft dieses bedeutsamen Bauwerks und seiner Fähigkeit, der Menschheit als notwendige Brücke zwischen den verschiedenen Glaubenstraditionen und Kulturen zu dienen. Ankara reagierte auf diese Äußerungen Pompeos nur über den Sprecher des türkischen Außenministeriums, Hami Aksoy, der sagte, man sei „erstaunt“ über die Stellungnahme des amerikanischen Außenministers. Die Türkei habe den „historischen, kulturellen und spirituellen“ Wert der Hagia Sophia „seit der Eroberung“ hochgehalten. Bei dieser Gelegenheit müsse daran erinnert werden, dass die Hagia Sophia Eigentum der Türkei sei, „wie alle kulturellen Besitztümer auf unserem Territorium“. Jeglicher Versuch, über die Hagia Sophia bestimmen zu wollen, sei auch eine Frage der „inneren Angelegenheiten und der Souveränitätsrechte der Türkei“.

„Ein Denkmal menschlicher und göttlicher Größe“

Am Mittwoch haben der orthodoxe Erzbischof von Amerika, Elpidophoros (Lambriniadis), und der katholische Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Michael Dolan, eine gemeinsame Erklärung zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee veröffentlicht. Die beiden Bischöfe erinnerten daran, dass es der Zweck der Hagia Sophia gewesen sei, eine herausragende Stätte der christlichen Gottesverehrung zu sein. Der türkische Präsident Atatürk habe durch die Veränderung des Status der Hagia Sophia von einer Moschee zu einem Museum ein Zeichen für den Übergang von einem theokratischen Reich zu einem säkularen Staat, der die Gleichheit aller Bürger schätzt, setzen wollen.
Wörtlich heißt es in der Erklärung der beiden Bischöfe: „Als Brüder in Christus bedauern wir die Entscheidung der türkischen Regierung, den Status quo der Hagia Sophia zu verändern und dieses weltberühmte Bauwerk von einem Denkmal menschlicher und göttlicher Größe wieder in eine Moschee zu verwandeln. Die Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend hindurch nicht nur die größte Kirche, sondern auch das größte Bauwerk. Zweck der Hagia Sophia war es, eine herausragende Stätte christlicher Gottesverehrung zu sein. Als das Römische Reich des Ostens (die ‚Baseileia ton Romaion‘) durch Eroberung zu einem Ende kam, wurde die ‚große Kirche‘ (megali ekklesia) in eine Moschee umgewandelt – in einer Zeit, in der menschliche Ereignisse durch Gewalt bewirkt wurden. Aber das ist nicht die Art, wie wir heute leben.
Die Schaffung des modernen Staates Türkei ist gleichbedeutend mit dem säkularen Ideal der Inklusivität. Durch die Veränderung des Status der Hagia Sophia von einer Moschee zu einem Museum hat Präsident Atatürk dieses globale Monument als Zeichen für den Übergang von einem theokratischen Reich zu einem säkularen Staat, der die Gleichheit aller Bürger schätzt, sichtbar gemacht.
Wir bejahen diese Entscheidung und rufen zu einer Veränderung der derzeitigen Politik der türkischen Regierung im Hinblick auf den Status der Hagia Sophia auf. Wir stehen zusammen als Brüder im Glauben – und in Solidarität mit allen Menschen guten Willens und guten Glaubens -, damit die Hagia Sophia das bleiben möge, was sie ist – ein Symbol der Begegnung, der Geschichte, der spirituellen Sehnsucht und der menschlichen Größe – zur Verherrlichung des Einen Gottes, der uns alle als Schwestern und Brüder der einen menschlichen Familie erschaffen hat“.