US-Bischofskonferenz mahnt Einhaltung des Waffenstillstands im Südkaukasus ein

Solidaritätsbrief des EKD-Vorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, an den armenisch-apostolischen Katholikos-Patriarchen Karekin II.

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Foto: © Tzolag Hovsepian (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Washington-Jerewan, 11.10.20 (poi) Die katholische Bischofskonferenz der USA hat sich den Appellen zur Beachtung des Waffenstillstands in der Auseinandersetzung um die Region Berbg-Karabach angeschlossen. Der Vorsitzende der „Justitia et Pax“-Kommission der US-Bischofskonferenz, Bischof David John Malloy, stellte in einer Erklärung fest, für die meisten Amerikaner sei der Kaukasus eine „weit entfernte und wenig bekannte“ Region. Aber die Menschen, die dort leiden, seien Christus nahe und „allen, die Ihm folgen“. Bischof Malloy leitet die Diözese Rockford im Bundesstaat Illinois.

Großen Widerhall fand in Etschmiadzin, am Sitz des obersten Katholikos-Patriarchen der armenischen Kirche, Karekin II., ein Solidaritätsbrief des Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Wie der Bischof betonte, hätten ihn die Berichte aus Berg-Karabach über die Kämpfe seit 27. September und die Todesopfer mit tiefer Trauer erfüllt. Wörtlich stellte der EKD-Vorsitzende in dem Brief an Katholikos Karekin II. fest: „Unsere Hoffnungen und Gebete sind mit Ihnen und mit allen, die durch den bewaffneten Konflikt bedroht sind. Wir rufen die Barmherzigkeit Gottes an, damit der Friede – oder wenigstens der Waffenstillstand, der mehr als 25 Jahre gehalten hat – erhalten bleibt und alle Schritte vermieden werden, die den schrecklichen Krieg weiter anfachen könnten“.

Mit dem Weltkirchenrat „appellieren die christlichen Kirchen gemeinsam an alle Konfliktparteien“, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Appell gelte aber auch den anderen Ländern, damit sie sich jeder Form von Einmischung enthalten, „die die Feindseligkeiten verschlimmern könnten“. Abschließend schrieb der Landesbischof: „Möge Gott Sie und Ihre Kirche in dieser Zeit der Prüfung behüten“.

 

Weltkirchenrat fordert sofortige Einstellung der Kämpfe

Tiefe Sorge über die Verletzungen des „humanitären Waffenstillstands“ zwischen Armenien und Azerbaidschan äußerte am Montagnachmittag der geschäftsführende Generalsekretär des Weltkirchenrats, der rumänisch-orthodoxe Theologe Prof. Ioan Sauca. „Wir fordern alle Konfliktparteien auf, die militärischen Aktionen sofort einzustellen, den in Moskau vereinbarten Waffenstillstand zu respektieren und in einen konstruktiven Dialog einzutreten, dessen Ziel der Schutz des menschlichen Lebens und der Menschenrechte, die Verhinderung von Angriffen auf die zivile Infrastruktur und auf Gotteshäuser und die Herstellung eines dauerhaften Friedens sein muss“, stellte Prof. Sauca fest. Der Theologe fügte hinzu: „Unter vielen anderen tragischen Begleiterscheinungen des Konflikts waren wir schockiert und bestürzt über den Angriff auf die Erlöserkathedrale in Shusha, in der Zivilpersonen Zuflucht gesucht hatten“.

Gezielte Angriffe auf religiöse und kulturelle Monumente seien zu verurteilen, so der Generalsekretär des Weltkirchenrats: „Wir beten und hoffen, dass die religiösen Führungspersönlichkeiten mit den Entscheidungsträgern konzertierte Anstrengungen zur Beendigung dieses Konflikts, zum Schutz des menschlichen Lebens, für die Förderung der interreligiösen Verständigung und für die Respektierung der jeweils anderen Gemeinschaften und heiligen Orte unternehmen“. Wie Sauca unterstrich, gehe es um Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und menschliche Würde.