USA: Orthodoxe Bischöfe engagieren sich für Überwindung des Rassismus

Griechisch-orthodoxer Erzbischof von Amerika, Elpidophoros (Lambriniadis), nahm an Solidaritätsmarsch in Brooklyn teil - „Wir müssen lautstark gegen das Unrecht in unserem Land auftreten, es ist unsere moralische Verpflichtung, die Heiligkeit jedes menschlichen Lebens hochzuhalten“

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Washington, 05.06.20 (poi) Die Auseinandersetzung um die Überwindung des Rassismus in den USA hat auch in den vielen ostkirchlichen Gemeinden des Landes großen Widerhall gefunden. Der Exekutivausschuss der „Versammlung der kanonischen orthodoxen Bischöfe“ hat die „aufrichtige Solidarität“ mit allen bekundet, die „Rassismus und Ungleichheit“ verurteilen. „Rassismus und Ungleichheit“ seien ein Verrat am Geist der Demokratie der amerikanischen Nation, die sich als „unteilbare Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle“ verstehe.

Gewalttätigkeit sei eine schreckliche Manifestation des „Reiches der Sünde in dieser Welt“, so die orthodoxen Bischöfe. Die Gewalttätigkeit habe viele Ausdrucksformen, ihnen allen sei gemeinsam, dass sie die Gottebenbildlichkeit des Menschen leugnen, dem Gott eine nicht aufgebbare Würde und Heiligkeit verliehen habe. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Als orthodoxe Bischöfe verurteilen wir alle Handlungen und Formulierungen, die Hass und Rassismus fördern, ebenso wie alle Akte der Gewalt und Zerstörung“.

Ausdrücklich luden die orthodoxen Bischöfe dazu ein, am 3. Juni zu Mittag am „Augenblick des Schweigens und der Solidarität“ für alle Opfer „rassistischer Gewalttätigkeit“ teilzunehmen.

Besondere Beachtung fand, dass der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Amerika, Elpidophoros (Lambriniadis), am Mittwoch an der Spitze eines Gedenkmarsches in Brooklyn mitmarschierte (wobei er abschnittsweise auch das Protestplakat „Black Lives matter“ in Händen hielt). Erzbischof Elpidophoros war einer Einladung des (afroamerikanischen) Bezirksbürgermeisters von Brooklyn, Eric Leroy Adams, und des Regionalsenators Andrew Gounardes gefolgt. Die beiden Politiker hatten zu dem Marsch im Gedenken an die 26-jährige medizinisch-technische Assistentin Breonna Taylor eingeladen, die im März in ihrer Wohnung in Louisville (Bundesstaat Kentucky) bei einem nicht aufgeklärten Polizeieinsatz getötet worden war. Leroy Adams sagte, er sei „glücklich und stolz“, mit Erzbischof Elpidophoros durch die Straßen von Corona Heights in Brooklyn marschieren zu können, um auf ein „ungeheuer bedeutsames Anliegen“ aufmerksam zu machen.

Erzbischof Elpidophoros betonte nach dem Marsch vor Journalisten, er sei nach Brooklyn gekommen, um für „Schwestern und Brüder“ einzutreten, deren „Rechte in schlimmster Weise verletzt worden sind“. Der Marsch in den Straßen von Corona Heights sei ein friedlicher Protest gewesen, ohne Gewalt irgendeiner Art. Dafür sei er dankbar, so der orthodoxe Erzbischof, denn Gewalt löse nur neue Gewalt aus. Und er fügte hinzu: „Wir müssen lautstark gegen das Unrecht in unserem Land auftreten. Es ist unsere moralische Verpflichtung, die Heiligkeit jedes menschlichen Lebens hochzuhalten“. In den USA gebe es eine schwerwiegende gesundheitliche Pandemie, aber noch schlimmere Auswirkungen habe die spirituelle Pandemie. Daher sehe er es als seine Verpflichtung, mit allen gemeinsam zu marschieren, die sich für die Bewahrung von Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit für alle Bürger guten Willens – unabhängig von deren Religion, Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit – einsetzen.

Während des Solidaritätsmarsches durch die Straßen der Corona Heights wurde Erzbischof Elpidophoros von griechischstämmigen Einwohnern – aber nicht nur von ihnen – mit dem traditionellen orthodoxen Zuruf „Viele Jahre“ gegrüßt.

Noch mehr Aufsehen löste die Erklärung des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Chicago, Nathanael (Symeonides), aus. Der Metropolit stellte fest: „Wie so viele Menschen habe ich mit Herzweh, Verwirrung und Empörung die Bilder von einem weißen Polizeibeamten gesehen – dessen Pflicht es wäre, ‚zu dienen und zu beschützen‘ – , wie er auf dem Hals des schwarzen Mannes George Floyd kniet, der überwältigt und niedergestreckt auf der Straße liegt, während seine Würde, seine Rechte und sein Leben langsam ausgelöscht werden“. Es sei schockierend gewesen, Zeuge zu werden, wie ein Mitmensch angesichts der gefühllosen Missachtung menschlichen Lebens um das Recht zu atmen bittet. Dieses herzzerbrechende Unrecht habe jetzt so viele Gemeinschaften in den USA in Brand gesetzt, neben friedlichen Protesten mit dem Ruf nach den notwendigen Veränderungen sei es zu gewalttätigen Konfrontationen, Plünderungen und der Zerstörung von Eigentum gekommen. Wörtlich betonte Metropolit Nathanael weiter: „Wir verlangen die sofortige Beendigung der Gewalt, aber wir müssen auch einem anderen Aufruf Beachtung schenken, dem Aufruf zur verantwortlichen Tat. Als Kinder Gottes, orthodoxe Christen und Amerikaner dürfen wir keine entmenschlichenden Handlungen zulassen – und auch die hinterhältige Plage des Rassismus darf in unserem Land nicht andauern, die uns voneinander und von Gott trennt“. Pastor Martin Luther King habe recht gehabt, als er daran erinnerte, dass es in den USA solange Gewalt und Aufstände geben werde, als das Land die Herstellung von Gerechtigkeit immer wieder hinausschiebt.

Der Metropolit von Chicago appellierte an die orthodoxen Christen, mit den Opfern des Unrechts zu trauern, für die von Hass und Angst Heimgesuchten zu beten, friedlich gegen Unrecht zu protestieren, zerstörte Bezirksteile wiederaufzubauen und vor allem bedingungslose Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu üben: „Wir sind alle mitschuldig am Leid unseres Nachbarn und wir müssen Buße tun – indem wir unsere Weise des Sehens, Denkens und Handelns so verändern, dass sie dem Willen Jesu Christi entspricht“.