Vereinigungskonzil in Kiew im Dezember

Kommunique des Phanar: Der orthodoxen Kirche der Ukraine wird die Autokephalie gewährt – Ausgedehnte kirchliche Reisediplomatie des Leiters des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion

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Foto: Dmitry A. Mottl (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Konstantinopel-Moskau, 20.11.18 (poi) Das Vereinigungskonzil für die vom Ökumenischen Patriarchat angestrebte neue orthodoxe Kirche in der Ukraine wird im Dezember stattfinden. Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Kommunique des Phanar hervor. Wörtlich heißt es in dem Kommunique: „In Vorbereitung auf die Sitzung des Heiligen Synods am 27./29. November wiederholt das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel seinen heiligen Beschluss, der orthodoxen Kirche der Ukraine einen Tomos (Dekret) über die Autokephalie zu gewähren. Die Vorbereitung für den ‚Sobor‘ der orthodoxen Kirche der Ukraine ist im Gang, das konkrete Datum im Dezember 2018 wird vom Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats verkündet werden“.

Ebenfalls am Montag wurde in der ukrainischen Hauptstadt ein Statement des selbsternannten (aber von Konstantinopel rehabilitierten) Kiewer „Patriarchen“, Filaret (Denisenko), veröffentlicht. Darin schreibt Filaret, dass die Wahl des Primas der neuen ukrainischen orthodoxen Kirche bei einem „Sobor“ (Konzil) erfolgen werde. Anschließend geht er auf die Frage seiner Kandidatur ein: Das Kirchenrecht erlaube keine Eigen-Nominierung. Es sei aber berichtet worden, dass die Bischöfe des „Kiewer Patriarchats“ ihn zur Wahl als Primas vorschlagen würden. Ohne direkt Stellung zu nehmen, stellte Filaret in diesem Zusammenhang fest: „Ich habe eine vorherrschende Vision, wie wir weiter vorgehen sollten und unsere Partner im Dialog wissen darüber durch unsere persönliche Kommunikation Bescheid. Ich versichere, dass wir im Rahmen dieses Dialogs zu unseren Verpflichtungen stehen und stehen werden. Was meine Antwort zum Vorschlag der Kandidatur betrifft, werde ich – wenn sie denn offiziell beim Sobor angekündigt wird – offiziell diese Versammlung informieren, meine Vision und Entscheidung darlegen und Unterstützung für meine Position erwarten“.

Beobachter – wie der US-amerikanische Experte Peter Anderson – vermuten, dass die Veröffentlichung der beiden Statements in Konstantinopel und Kiew am Montag koordiniert war. Verklausuliert enthalte das Statement Filarets einen Verzicht auf die Nominierung und Wahl zum Primas. In den vergangenen Wochen war die Frage einer allfälligen Wahl Filarets zum Oberhaupt der neuen Kirche zwischen Konstantinopel und den Gesprächspartnern in Kiew kontroversiell diskutiert worden.

 

Besuche in Ägypten, Syrien, Zypern

Mittlerweile hat der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), eine ausgedehnte kirchliche Reisediplomatie entfaltet. Am 15. November traf der Metropolit in Alexandrien mit dem orthodoxen Patriarchen Theodor II. zusammen, nachdem er zuvor in der Nikolauskirche der Hafenstadt die Reliquien des Heiligen Apostels und Evangelisten Matthäus verehrt hatte. Als Thema der Begegnung wurden „Fragen der zwischenkirchlichen Beziehungen“ angegeben. Tags darauf besuchte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats in Kairo den koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., wo er sich für die koptische Gastfreundschaft für eine russische Mönchsdelegation bedankte, die kürzlich die ägyptischen Wüstenklöster besucht hatte. Vereinbart wurde eine weitere Verstärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen russisch-orthodoxer und koptisch-orthodoxer Kirche.

Am 17. November traf Metropolit Hilarion in Damaskus zu einem Arbeitsbesuch ein. Der erste Besuch galt dem antiochenisch-orthodoxen Patriarchen Youhanna X., wobei es im Gespräch mit dem Patriarchen und mehrerer seiner Metropoliten vor allem um die Entwicklung der Zusammenarbeit im humanitären, akademischen und Bildungsbereich sowie beim Wiederaufbau ging. Auch hier standen aber auch die „Fragen der interorthodoxen Beziehungen“ auf der Tagesordnung.

Metropolit Hilarion und eine interreligiöse Delegation (mit orthodoxen, evangelikalen und muslimischen Teilnehmenden) überbrachten in Damaskus Hilfsgüter – einschließlich von Winterkleidung und Spielzeug – für ein Internat in Damaskus, in dem Kinder gefallener syrischer Soldaten betreut werden. Die Hilfsgüter waren von der Syrienhilfe-Gruppe des russischen Präsidentschaftsrates für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen gesammelt worden.

Am selben Tag fand in der großen Versammlungshalle der antiochenisch-orthodoxen Kathedrale der Entschlafung der Muttergottes in Damaskus eine interreligiöse Konferenz mit führenden syrischen Persönlichkeiten und der von Metropolit Hilarion geleiteten interreligiösen Delegation über die Zusammenarbeit von Christen und Muslimen in Russland und Syrien im Bereich der Hilfe „für das leidende syrische Volk“ statt. Von syrischer Seite nahmen u.a. Patriarch Youhanna X., der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II., der Minister für die religiösen Stiftungen, Abd-ul-Sattar al-Sayyed, und zahlreiche christliche und muslimische Geistliche teil; auch der Apostolische Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari, war anwesend. Patriarch Youhanna X. brachte die Dankbarkeit gegenüber Patriarch Kyrill I. für die russische Hilfe zum Ausdruck. Mor Ignatius Aphrem II. betonte die feste Entschlossenheit der orientalischen Christen, „im Nahen Osten zu bleiben“. Das syrische Volk sei eine Gemeinschaft von Menschen, „die an Gott glauben und die Heimat lieben“, das habe letztlich den Terrorismus aus Syrien vertrieben. Kardinal Zenari würdigte den humanitären Einsatz der russischen Religionsgemeinschaften in Syrien.

Metropolit Hilarion erinnerte daran, dass Patriarch Kyrill 2011 vor seinem Syrien-Besuch vor den Gefahren gewarnt worden sei. Aber der Patriarch habe geantwortet, dass er nach Damaskus fahren müsse, weil das syrische Volk leide. Der Konflikt in Syrien sei nicht im Land entstanden, unterstrich der Metropolit seine Überzeugung, sondern „von jenen Kräften provoziert“ worden, die ähnliche Konflikte im Libanon und im Irak inszeniert hätten. Aber Russland habe diesen Plänen zur Zerstörung Syriens eine kraftvolle Schutzmacht entgegengesetzt. Jetzt gehe es um den Wiederaufbau des Landes und seiner zerstörten Infrastruktur und um die Schaffung von Bedingungen, „damit die Menschen in ihre Heimstätten zurückkehren können“. Besonderes Gewicht wolle man auf ein Rehabilitierungsprogramm für syrische Kinder legen, die Opfer von Explosionen und terroristischen Aktionen wurden.

Am 18. November traf der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats mit dem syrischen Großmufti Scheich Ahmad Badr-ed-din Hassoun zusammen. Dabei ging es sowohl um die aktuelle Situation in Syrien als auch um weitere Perspektiven für den interreligiösen Dialog. Hassoun brachte die Dankbarkeit für die Unterstützung durch den russischen Staat und die russisch-orthodoxe Kirche seit Beginn des bewaffneten Konflikts im Frühjahr 2011 zum Ausdruck.

Tgs darauf reiste Metropolit Hilarion nach Nicosia, wo er mit dem Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos II. die aktuellen Fragen der interorthodoxen Beziehungen diskutierte.